+
Radfahrer warten im Berufsverkehr in Frankfurt an einer Ampel. Das Auto ist für Pendler in Deutschland mit Abstand das wichtigste Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit.

Öffentlicher Nahverkehr

Design-Professor: Busse und Bahnen in Frankfurt müssen viel nutzerfreundlicher werden

Mehr Fahrgäste in Busse und Bahnen, weniger Autopendler: Auch angesichts drohender Dieselfahrverbote denken viele Kommunen in Hessen bei der Verkehrsplanung um. Zwang oder Appelle werden dabei nichts bringen, sagt ein Experte. Besser wären Busse zum Wohlfühlen.

Um die Verkehrsprobleme im chronisch verstopften Frankfurt und anderen hessischen Großstädten zu lösen, sind nach Ansicht des Offenbacher Design-Professors Kai Vöckler hohe Investitionen und klare politische Entscheidungen nötig. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) müsse zuverlässiger und viel nutzerfreundlicher werden, sagte Vöckler der Deutschen Presse-Agentur. Menschen wollten sich wohl und sicher fühlen. Die Autoindustrie habe dies längst verstanden und reagiere mit entsprechend hochwertigem Design.

Qualität von Busse und Bahnen wichtig

„Qualität spielt dabei eine große Rolle, das gilt auch für die Gestaltung von öffentlichen Bahnhöfen und gemeinsam genutzten Verkehrsmitteln. Das wird viel Geld kosten, doch nur so lässt sich Akzeptanz für eine neue umweltfreundliche Mobilität erreichen“, sagte Vöckler, der als Sprecher eines vom Land Hessen geförderten Forschungsschwerpunkts zum Thema Design und Mobilität im Rhein-Main-Gebiet fungiert.

Design-Professor Kai Vöckler lehrt in Offenbach.

Busse etwa müssten so gestaltet sein, „dass man sie gerne benutzt, sich darin wohl fühlt und auch W-LAN hat, dass man auf dem Weg zur Arbeit schon einmal Mails bearbeiten kann“, sagte der Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Auf den Straßen sollten zudem Spuren dem ÖPNV vorbehalten sein. „Wenn man dann als Autofahrer im Stau steht und sieht, dass auf der anderen Spur die Busse oder auf noch einer Spur die Fahrräder vorbei fahren, überlegt man es sich vielleicht.“ In anderen Ländern sei dies schon lange Realität. „Das ist einfach eine Frage des politischen Gestaltungswillen.“

Fahrverbote nicht sinnvoll

Zwang, Fahrverbote oder moralische Appelle brächten dagegen nichts, auch die E-Mobilität alleine werde das Problem nicht lösen. „Es sind zu viele Autos mit zu wenigen Menschen unterwegs, daran ändert auch die E-Mobilität nichts.“ Ein Drittel der Strecken, die in Hessen mit dem Auto zurückgelegt würden, seien kürzer als drei Kilometer. Um eine Alternative zu schaffen, müssten die anderen Mobilitätsangebote auch viel besser verknüpft werden.

Einen großen Fortschritt erwarte er dabei von der Digitalisierung, sagte Vöckler: „In ein bis zwei Jahren haben wir die digitale Plattform, die alle Mobilitätsangebote bündelt, und zwar wirklich alle.“ Die App schlage etwa für einen Streckenabschnitt ein Leihfahrrad vor, dann eine S-Bahn und schließlich eine private Mitfahrgelegenheit, ein sogenanntes Ride-Sharing, um zum Ziel zu gelangen. „Alles wird bequem zusammen abgebucht, man muss darüber nicht einmal mehr nachdenken.“ Komme die Bahn zu spät, errechne die App eine Alternative. Ein eigenes Auto wäre damit überflüssig, sagte Vöckler. Fliegende Autos oder Taxi-Drohnen zur Fahrgastbeförderung sehe er dagegen nicht als realistisches Szenario für die nächsten Jahre.

(red)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare