Baumstämme aus Holz liegen auf einem Wertholzlagerplatz.
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Derzeit nur eine Wunschvorstellung sind volle Holzlager. Denn den Handwerksbetrieben fehlt es an Holz. (Symbolbild)

Handwerk leidet

Baumaterial in Frankfurt wird knapp: Preise explodieren

  • VonManfred Becht
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Frankfurter Handwerksbetriebe müssen Mitarbeiter trotz des Baubooms in Kurzarbeit schicken. Es fehlt das Material – vor allem Holz und Blech. Die Preise explodieren.

Frankfurt – Es ist kurios: Häuslebauer finden keine Handwerksbetriebe, denn deren Auftragsbücher sind knallvoll. Die Betriebe also haben gut zu tun, der eine oder andere aber hat schon Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt. Grund: es fehlt Material; vor allem Holz. Das wiederum überrascht alle, die am Wochenende in den Taunus fahren - in großen Mengen liegen Fichtenstämme an den Wegen, eingeschlagen wegen der Borkenkäfer und der Trockenheit.

Bernd Neumann, Vorsitzender des Gewerbevereins Oberrad und Inhaber eines Dachdeckerbetriebes, hat genaue Zahlen. Ein Kubikmeter Konstruktionsholz kostete vor ein paar Wochen noch 350 Euro, jetzt sind es 700 Euro. Das ist das Material, aus dem zum Beispiel Dachstühle gebaut werden. Auch die Preise für Dachlatten sind enorm. Lange mussten 20 Cent pro Meter bezahlt werden - inzwischen ist es deutlich mehr als ein Euro.

Bauen in Frankfurt: Preise für Material explodieren – Es fehlt nicht nur an Holz

Und es fehlt längst nicht nur am Holz. Bleche seien seit dem Jahresanfang um 40 Prozent teurer geworden, sagt Matthias Thalheimer, Eigentümer der Schlosserei Schaper in Frankfurt-Bockenheim. Holz und Stahl, diese beiden Materialien werden an vielen Stellen am Bau gebraucht, die Entwicklung ist vor allem für die Bauherren dramatisch. Zudem ist das Material häufig nicht zu bekommen, oder nur nach langen Wartezeiten. Eine herkömmliche Bitumenschweißbahn holt man gewöhnlich spontan beim Baustoffhandel - inzwischen muss man drei Wochen warten. Das ist aber noch gar nichts gegen die Weichholzplatten für eine Aufdachdämmung. Die Wartezeit beträgt 15 Wochen - wer jetzt bestellt, kann im Oktober loslegen.

Die Lieferanten sagen, dass sich die Situation zuspitzen wird.

Philipp Börner, Eigentümer einer Griesheimer Zimmerei

Und es könnte noch schlimmer werden. "Die Lieferanten sagen, dass sich die Situation zuspitzen wird", sagt Philipp Börner, Eigentümer der gleichnamigen Zimmerei in Griesheim. Zum Glück sind seine Lager noch voll. Auch Schlosser Thalheimer hat aktuell noch keine gravierenden Materialprobleme. Er macht vor allem Dinge, bei denen nicht übermäßig viel Material verbraucht wird, in denen aber viel Arbeit steckt. In seinen Endpreisen ist daher der Anteil der Arbeitskosten im Vergleich zu den Ausgaben für Material recht hoch.

Handwerksbetriebe schicken Mitarbeiter aus Frankfurt in Kurzarbeit

Bernd Neumann vom Gewerbeverein macht aber deutlich, dass es nicht bei Preiserhöhungen bleibt. Die ersten Betriebe hätten schon Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, einfach weil sie nicht mehr genug Material haben. Und so etwas kann leicht Baustellen gehörig durcheinanderbringen. Wird der erste Handwerker nicht fertig, kann der zweite nicht anfangen - die Zeitpläne sind mehr und mehr ein Fall für den Papierkorb. Doch es sind nicht nur die Zeitpläne - die Bauvorhaben werden erheblich teurer. Er habe die Angebote höher kalkulieren aber manchen Kunden auch sagen müssen, dass bestimmte Preise nicht zu halten seien, so Thalheimer. Vorhandene Aufträge würden natürlich ausgeführt, bei neuen Projekten aber erheblich höhere Materialpreise berechnet werden, äußert sich ganz ähnlich Zimmerei-Chef Börner.

"Dachdecker stellt dies vor enorme Herausforderungen, betroffen sind aber auch die Zimmerer, Schreiner, Maler oder Sanitär- und Heizungsbauer", hat Ludwig Held, Vizepräsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, den Überblick. Er appelliert an die Politik, "das Thema wahrzunehmen und gemeinsam mit uns zu überlegen, wie man die Herausforderung lösen kann."

Betrieben in Frankfurt fehlt es an Materialien – Holzexport nach Übersee stoppen

Ganz in diesem Sinne hat Zimmermann Philipp Börner von europaweiten Verhandlungen mit dem Ziel gehört, den Holzexport nach Übersee zu stoppen. Was aber schwierig durchzusetzen ist, wenn sonst allenthalben für den Freihandel geworben wird. Und es mag sein, dass die einheimischen Sägewerke auf Hochtouren laufen und auch ausreichend Holz aus dem Wald bekommen - wenn die Kunden aus Übersee die höchsten Preise bieten, bleiben die einheimischen Abnehmer auf der Strecke.

Und wie geht es weiter? Philipp Börner geht davon aus, dass der Holzmarkt sich bis zum Jahresende wieder etwas beruhigt. Womöglich können die amerikanischen Häuslebauer doch wieder mehr Holz aus Kanada bekommen, wenn die Zollkonflikte gelöst und die Sägewerke dort wirklich wieder Vollgas geben können. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Und in Indien rauchen die Hochöfen sicher auch erst wieder, wenn die Pandemie im Griff ist. Aber das Land hat erst kürzlich wieder einen neuen Rekord bei der Zahl der Neu-Infizierten gemeldet. (Manfred Becht)

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