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Kiss and say Goodbye ... Olaf Cunitz.

Grünen haben Cunitz fallen lassen

Olaf Cunitz ist gar nicht amüsiert

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Bürgermeister Olaf Cunitz ist ein Auslaufmodell – zumindest als Grünenpolitiker von Rang. Seine Partei hat ihn fallen gelassen. Und nun wird auch noch kolportiert, er hätte einen neuen Job in Wiesbaden. Ein Dementi folgte auf dem Fuß.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Olaf Cunitz, noch grüner Planungsdezernent und Bürgermeister der Stadt Frankfurt, über die Art und Weise, wie seine Partei mit ihm momentan verfährt, nicht begeistert ist.

Cunitz wurde in der vergangenen Woche offiziell von der Parteiführung mitgeteilt, dass er dem neuen Magistrat nicht mehr angehören wird. Die Grünen haben nur noch zwei Posten, die gehen an Stefan Majer und Rosemarie Heilig (wir berichteten).

Nun kam gestern das Gerücht auf, dass Cunitz nach Wiesbaden wechselt – als Staatssekretär zu Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. „Käse“, sagt der Noch-Bürgermeister dazu. Er selbst erfuhr von der Story in seiner Reinigung beim Abgeben von Hemden – eine Zeitung hatte berichtet, er habe einen neuen Job. Die Reinigungsfrau las ihm die Geschichte vor und bedauerte, ihn als Kunden zu verlieren. . .

„Die haben nicht einmal mit mir gesprochen“, ist Cunitz empört. „Das ist schon sehr grenzwertig.“ Auf jeden Fall ist nichts dran an der Meldung. Eine reine Zeitungsente. Tarek Al-Wazir zeigte sich gestern morgen ihm gegenüber per SMS ebenfalls durchaus verwundert.

Cunitz dementierte die Geschichte postwendend über Facebook. Er weiß nach eigener Aussage noch gar nicht, was er in Zukunft machen will. „Ich werde nach zehn Jahren parlamentarischer Arbeit erst einmal eine Auszeit nehmen und dann darüber nachdenken, wo ich meine Zukunft sehe“, sagt er. Der studierte Historiker hatte vor seiner Laufbahn in der Politik in der Marktforschung gearbeitet. Über einen Austritt aus der Partei jedoch denkt er nicht nach.

Cunitz, der aller Voraussicht nach am 14. Juli abgewählt wird und dann seinen letzten Arbeitstag hat, macht keinen Hehl daraus, dass ihm auch unabhängig von seiner Person die derzeitige Personaldebatte in der Partei gegen den Strich geht.

„Es gab nie Gespräche in Partei- und Fraktionsvorstand, wer die beste Lösung für die Besetzung sein könnte. Nie eine Diskussion, was für den oder den spricht und was dagegen. Ich finde dieses Vorgehen unmöglich“, moniert er. „Solch ein Vorgehen kenne ich nur aus vordemokratischen Systemen. . .“ Der Grüne spielt damit auf die Zeiten der Frankfurter Grünen unter Lutz Sikorski und Jutta Ebeling an, als alle Nonkonformen von den beiden schnellstmöglich demontiert wurden.

Der 47-Jährige wird aber nicht am Hungertuch nagen in der Zeit, in der er über seine Zukunft nachdenkt. Einen ordentlichen Teil seiner Bezüge in Höhe von rund 10 000 Euro wird er monatlich weiter erhalten bis zum Ende der gewählten Amtszeit – das ist der März 2018.

Auch die zweite noch amtierende Dezernentin, die dann nicht mehr im Magistrat sein wird, Sarah Sorge, findet die Vorgehensweise nicht besonders sensibel.

„Der SPD ist es gelungen, die Arbeit von Olaf Cunitz und mir schlecht zu machen. Das ist für die Grünen ein Desaster“, sagt die scheidende Bildungsdezernentin. Dabei hätten Cunitz und sie viel gestaltet, was Frankfurt voranbringt.

Die Frankfurter Grünen befinden sich momentan in einer prekären Lage. Die Basis murrt angesichts der Katzentisch-Beteiligung der Partei in der neuen Stadtregierung. „Opposition wäre ehrlicher gewesen“ – ein Satz, den man auf dem Parteitag allenthalben hörte. Dennoch konnte sich die Führungsriege durchsetzen.

„Nachhaltigkeit“ lautete das Schlagwort, mit dem die Grünen-Chefs ihre Partei auf Linie brachten. „Zukunftssicherung“ spielte wohl aber auch eine Rolle. Schließlich sind die jetzt noch nominierten Dezernenten Heilig und Majer bereits Ende 50. Nach einer weiteren Legislaturperiode von sechs Jahren sind sie bestens versorgt.

Und auch der jetzige Fraktionschef Manuel Stock profitiert – schließlich gibt es nach dem Ende der nächsten Legislaturperiode keinen grünen Politiker mehr außer ihm, der magistrabel wäre.

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