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Investmentbanker Olaf Hils ist der ?Job Buddy? von Emal Siddiqi, der 2015 aus Afghanistan nach Deutschland kam.

Integration

Wie der Olaf dem Emal bei der Jobsuche half

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Emal Siddiqi kommt aus Afghanistan. Seit 2015 ist der Geologe in Deutschland und stolz darauf, hier eine Arbeit gefunden zu haben. Er arbeitet als Landvermesser. Geholfen hat ihm dabei sein Job-Trainer Olaf Hils.

„Emal ist sehr qualifiziert und konnte schon passabel Deutsch, als ich ihn kennenlernte“, sagt Olaf Hils (47). Der Fondsmanager einer Bank engagiert sich ehrenamtlich für Flüchtlinge und war Teilnehmer der ersten Runde der „Job Buddys“: Erfahrene Berufstätige aus Frankfurt nehmen dabei je einen Flüchtling unter die Fittiche und helfen bei der Suche nach Arbeit. Inzwischen hat die zweite Runde begonnen. Und zwischen Hils und Emal Siddiqi (32) ist eine Freundschaft entstanden.

Hils berichtet: „Es ist nicht immer so, dass Ausländeramt und Arbeitsagentur voneinander wissen.“ Er selbst habe beim Frankfurter Ausländeramt eine Arbeitserlaubnis für Siddiqi besorgt – eines der Dinge, die er als Trainer für seinen Schützling tun konnte. „Wir haben uns im August kennengelernt“, sagt Hils. Es war bei der ersten Runde von „Job Buddys“. Das Programm ist beim Verein „Über den Tellerrand“ angesiedelt. Der Erfolg ist beachtlich. Rund jeder Dritte der insgesamt rund 60 Flüchtlinge, die bislang in Frankfurt teilgenommen haben, hat einen Job gefunden, einen Praktikumsplatz oder besucht inzwischen eine Hochschule. Zwei Drittel sind noch nicht so weit. Sei es, dass das erforderliche Sprachlevel fehlt, oder dass sie anderweitig gefördert werden müssen.

„Es kann hier wirklich entmutigend sein für die Flüchtlinge“, berichtet Hils. „Sie leben monatelang in Unterkünften. In Emals Unterkunft war er einer derjenigen, die sich wirklich durchgebissen haben, zum Deutschunterricht gegangen sind, im Internet nach Jobangeboten gesucht haben.“ Dabei habe er ihm geholfen. „Das Deutsch war am Anfang akzeptabel, aber jetzt ist es gut.“

Der Afghane kommt hinzu. „Ja, ich arbeite in Wiesbaden“, sagt er lächelnd. „Acht Stunden am Tag.“ Mit Bus und Zug fährt er zu seinem Arbeitsplatz, anfangen muss Siddiqi frühmorgens. Daher will er nun umziehen. Geld verdient er ja jetzt. Vielleicht findet er ein Zimmer in Wiesbaden? „Das wird auch wieder ein Einsatz für mich. Denn Flüchtlinge müssen den Umzug genehmigt bekommen“, sagt Hils.

Emal Siddiqi ist seit 2015 in Deutschland. „Ich komme aus Kabul. Wenn ich nicht hier wäre, wäre ich tot oder im Gefängnis“, sagt er. In seiner Heimat hat er ein Geologiestudium abgeschlossen und mehrere Jahre gearbeitet, auch als Landvermesser. Seine Dokumente hatte der heute 32-Jährige vor der Flucht gescannt und in einer Cloud hochgeladen. So konnte er das Studium in Deutschland nachweisen und anerkennen lassen.

Vom Status her ist Emal Siddiqi geduldet. Er darf also arbeiten. „Ich will auch“, sagt er. Dabei verdient er noch wenig. Hils erläutert: „Er hat ein Praktikum bei der Firma gemacht. Der Chef sagte dann, dass er eigentlich keinen Vermesser mehr benötigte. Aber bei Emal würde er eine Ausnahme machen. Ich habe dann die Arbeitsagentur veranlasst, Emal in ein Programm für solche Beschäftigungsverhältnisse aufzunehmen, bei dem die Agentur einen Teil des Lohnes zahlt.“

Für ihn, den Investmentbanker, war die Beschäftigung mit den Ausländergesetzen und den Möglichkeiten der Arbeitsagentur auch Neuland. „Ich musste mich – wie alle Trainer in diesem Tandem-Programm – einarbeiten, und wir beide erhielten Schulungen“, sagt er und blickt auf Emal. Weshalb Emal? Weshalb nicht jemand anders? „Die Paare wurden vom Verein zusammengestellt“, sagt Hils, „und das hat auch geklappt.“

Vorangegangen waren Gespräche mit beiden Partnern. „Wir mussten herausfinden, wer zueinander passen könnte“, erläutert Julian Ackerknecht. Er leitet die Geschäftsstelle Frankfurt des Vereins „Über den Tellerrand“. „Eben gerade hat die zweite Runde der ,Job Buddys‘ begonnen“, sagt er, „und es haben sich noch mehr Paare gefunden als in der ersten Runde.“ Auch sie werden sich wöchentlich treffen und an Schulungen und gemeinsamen Veranstaltungen teilnehmen.

Der Verein mit Sitz in Berlin wird von Unternehmen gefördert, die dann häufig auch ihre Mitarbeiter für die ehrenamtliche Arbeit anwerben. Hauptziel ist, wie der Name sagt, das gemeinsame Kochen „exotischer“ Gerichte – und dabei neue Freunde finden, Kulturen kennenlernen, Aktivitäten starten. In Frankfurt gibt es den Verein seit September 2015. Gekocht wird in der Geschäftsstelle im Künstleratelier, Schwedlerstraße 1.

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