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Omikron in Frankfurt: Viele Infektionen, nur wenige Probleme

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Von: Sarah Bernhard

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Das Frankfurter Gesundheitsamt rät trotz positiver Prognose davon ab, heute die Masken fallenzulassen. FOTO: Boris Roessler/dpa
Das Frankfurter Gesundheitsamt rät trotz positiver Prognose davon ab, heute die Masken fallenzulassen. © dpa

Das Frankfurter Gesundheitsamt erwartet trotz des Wegfalls vieler Beschränkungen keine stark steigenden Fallzahlen. Dennoch verursacht die Omikron-Welle an manchen Stellen Engpässe.

Frankfurt -Seit zwei Wochen liegt die Inzidenz in Frankfurt wieder über 1000 und die Hospitalisierungsrate in Hessen über einem Wert, der im vergangenen Jahr noch die erste Notfallstufe ausgelöst hätte. Im persönlichen Umfeld haben mehr Menschen Corona als jemals zuvor und heute fallen auch noch die meisten Beschränkungen. Bei vielen Frankfurtern löst die Situation Ängste aus. Doch eine Nachfrage bei den Betreibern der kritischen Infrastruktur zeigt: Es scheint weniger Probleme zu geben als die Zahlen suggerieren - mit wichtigen Ausnahmen.

Keine Probleme bei den Frankfurter Unternehmen Mainova und FES

Bei der Mainova etwa sieht man aufgrund von Omikron noch keine "Auswirkungen auf bestimmte kritische Prozesse". Der "sichere Betrieb unserer Netze und die Versorgung der Kundschaft" sei bis auf weiteres auf jeden Fall sichergestellt, sagt Sprecher Sven Birgmeier.

Auch bei der Frankfurter Entsorgungs- und Service Gesellschaft FES bleibt man gelassen. Zwar steige der Krankenstand seit drei Wochen leicht, sagt Sprecher Michael Werner. Das habe aber noch keinerlei Auswirkungen auf den Service. Der Krisenstab werde die Entwicklungen aber genau beobachten, um bei Bedarf schnell eingreifen zu können.

Bei der Hessischen Polizei liegt die Zahl der Corona-Infizierten laut Sprecherin Isabell Neumann bei unter drei Prozent. Dazu hätten unter anderem ein veränderter Schichtdienst, bei dem sich verschiedene Schichten so wenig wie möglich begegnen, Homeoffice und Trennvorrichtungen beigetragen.

Die Krankenkasse Barmer hat diese recht vagen Angaben in eine Zahl gefasst: 144 von 10 000 Hessischen Versicherten mit Anspruch auf Krankengeld haben dieses Mitte Februar aufgrund einer Corona-Erkrankung in Anspruch genommen. Das entspricht einem Corona-Krankenstand von 1,4 Prozent. Vom befürchteten Zusammenbruch der Infrastruktur ist das noch weit entfernt.

Frankfurter Gesundheitsamt: Baldiger Rückgang wahrscheinlich

Deshalb gibt auch das Gesundheitsamt Entwarnung. "Wir rechnen nicht damit, dass die Lockerungen einen erheblichen Anstieg der Fallzahlen zur Folge haben", sagt Sprecherin Wiebke Reimann. Wahrscheinlicher sei ein baldiger Rückgang der Infektionszahlen, der sich bereits andeutet: Zwar ist die Inzidenz immer noch hoch, sank aber von 1592 am vergangenen Montag auf gestern 1398. Im Lauf des Frühjahrs werde sich die Situation wohl weiter entspannen: "Die saisonalen Effekte sollten eher zu einer Abnahme führen, ebenso wie die zunehmende Immunität, in letzter Zeit weniger durch Impfungen als durch Infektionen."

Von der Idee, ab heute die Masken fallenzulassen und sich durch Ansteckung zu immunisieren, hält man im Gesundheitsamt dennoch wenig. "Wir raten von der fahrlässigen Inkaufnahme einer natürlichen Infektion dringend ab, da es auch nach zwei Impfungen unangenehme Krankheitsverläufe gibt", sagt Reimann. "Und auch Long-Covid-Folgen sind nicht kalkulierbar und ausreichend wissenschaftlich erforscht. Das heißt, man sollte weiter vorsichtig sein."

Frankfurter Kliniken müssen Betten reduzieren

Nicht nur um seiner selbst willen, sondern auch, weil ein ausbleibender Systemzusammenbruch nicht automatisch bedeutet, dass es keine Probleme gibt. Insbesondere da, wo Spezialwissen gefragt oder die Personaldecke dünn ist. So musste mittlerweile sowohl am Uniklinikum als auch am Klinikum Höchst die Bettenzahl reduziert werden, obwohl das Plus beim Krankenstand in beiden Häusern nur unwesentlich über der von der Barmer angegebenen Zahl liegt. "Um Engpässe zu überwinden, werden in einigen Bereichen Betten für die Belegung gesperrt, damit es nicht zu einer Überlastung des verbliebenen Personals kommt", erläutert Varisano-Sprecherin Petra Fleischer.

Große Probleme bei der Frankfurter Feuerwehr

Noch schwieriger ist die Situation bei der Frankfurter Feuerwehr , wo die Krankheitsquote laut der zuständigen Dezernentin Annette Rinn (FDP) im Moment rund 200 Prozent über den Annahmen liegt, auf denen die Personalplanung basiert. Dazu komme, dass von Covid Genesene erst nach vier Wochen wieder in "Einsatzsituationen mit körperlichen Höchstanforderungen", also etwa bei der Rettung von Menschen mit Atemschutz-Ausrüstung, eingesetzt werden dürfen, Rettungstaucher erst nach drei Monaten. Der Ausfall erkrankter Mitarbeiter mit Spezialausbildungen, etwa Höhenretter oder Löschboot-Kapitäne, könne nur "gerade noch sehr aufwendig kompensiert werden", indem deren Kollegen auf Urlaub oder freie Tage verzichteten. Die Sicherstellung der Einsatzstärke sei momentan "sehr schwierig".

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