Drohende Gefahr: Die südafrikanische Corona-Variante Omikron.
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Drohende Gefahr: Die südafrikanische Corona-Variante Omikron.

Pandemie

Omikron kommt nur langsam nach Frankfurt

  • Sarah Bernhard
    VonSarah Bernhard
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Die Variante ist für 0,5 Prozent der Fälle verantwortlich - bis der Umschwung könnte in drei bis vier Wochen kommen.

Frankfurt. Noch ist die südafrikanische Corona-Variante Omikron in Frankfurt vergleichsweise selten. Am gestrigen Dienstag waren dem Gesundheitsamt 18 bestätigte Fälle und zwölf Verdachtsfälle bekannt. "Das heißt 30 Fälle von circa 6000 Covid-19 Fällen im Dezember. Mit einer Quote von 0,5 Prozent sind die Omikron-Fälle aktuell noch niedrig", schlussfolgert Wiebke Reimann, Sprecherin des Gesundheitsamts.

Ein Grund, sich zurückzulehnen, sei das aber nicht. Zwar seien 28 Fälle auf eine Reise zurückzuführen, und in manchen Ländern, beispielsweise in Südafrika und Großbritannien, ist Omikron bereits die vorherrschende Variante. Doch seien "in dieser Woche erstmals zwei Fälle ohne erkennbaren Zusammenhang zu einer Reise aufgetreten". Das heißt: Die Menschen haben sich innerhalb Deutschlands oder gar der Stadt angesteckt - Omikron hat begonnen, sich in der Frankfurter Bevölkerung auszubreiten. Das Gesundheitsamt schätzt, dass die Variante in etwa drei bis vier Wochen in Frankfurt vorherrschend sein wird.

Und das trotz strengster Auflagen: Omikron-Infizierte können sich nicht vorzeitig freitesten, und die Quarantäne für Kontaktpersonen beträgt 14 statt zehn Tage, momentan auch für vollständig Geimpfte. Die Isolation wird überwacht. Omikron-Fälle werden auch bei der Nachverfolgung priorisiert, zusammen mit Fällen in medizinischen Einrichtungen und in Risikogruppen.

Um die deutlich ansteckendere Virusvariante aufzuspüren, muss beim PCR-Test eine erweiterte Diagnostik durchgeführt werden. Dabei fährt das Gesundheitsamt zweigleisig: Bei Reisenden aus Virusvariantengebieten und deren Kontaktpersonen sowie "bei Ausbrüchen, bei denen eine leichte Übertragung erkennbar ist", wird sie immer mit veranlasst. Von den übrigen positiven PCR-Tests werden Stichproben genommen.

Versorgungsbetriebe sind auf alles vorbereitet

Weil die Übertragung leichter ist als bei der Delta-Variante, steigt mit der Ausbreitung von Omikron das Risiko massiver Personalausfälle in allen Bereichen. Besonders problematisch könnte das für Dienstleister sein, die kritische Infrastruktur zur Verfügung stellen, wie die Frankfurter Feuerwehr. Sie muss dafür sorgen, dass knapp 160 Positionen rund um die Uhr besetzt sind, etwa die Leitstelle, aber auch die Fahrzeuge der zwölf Feuerwachen, für die es pro Auto sechs Personen braucht. "Aber wir haben ja nicht erst seit Corona mit einer größeren Menge an Krankheitsfällen zu tun", sagt Feuerwehr-Sprecher Rainer Heisterkamp und verweist auf mehrere Grippewellen.

Die Planung der Branddirektion sieht unter anderem vor, dass für jede Position ein Ersatz in Rufbereitschaft bestimmt wird. Sollte das wegen zu großer Ausfälle nicht mehr klappen, kann die Feuerwehr Personal, das sonst im Büro arbeitet, in den Einsatzdienst versetzen. Das sei kein Grund zur Panik, sondern "eine ganz normale Geschichte", sagt Heisterkamp. "Die Sicherheit ist zu keiner Zeit in Frage gestellt."

Das gleiche System aus "Redundanzen und Vertretungsmodellen" wird auch im Uniklinikum angewandt. Ergäbe sich eine"besonders außergewöhnliche Belastungssituation", träten Stufenpläne in Kraft, sagt Sprecherin Theresa Seubold. "In Abhängigkeit des Personalmangels werden gegebenenfalls nicht alle Leistungen durchgehend in gleicher Weise erbracht werden können."

Auch die Notfallpläne der FES sehen ähnliche Mechanismen vor: "Um den üblichen Krankenstand zu kompensieren, haben wir einen intern gebildeten Fahrerpool", sagt Sprecher Stefan Röttele. "Falls dann immer noch zu viele Fahrer ausfallen, würden wir priorisieren. Die Müllentsorgung ist ein wesentlicher Faktor bei der Seuchenbekämpfung. Deshalb ist sie deutlich wichtiger als zum Beispiel die klassische Straßenreinigung." Momentan liege die Impfquote dank eines internen Impfprogramms bei über 85 Prozent.

Bei der Mainova, die Teile Frankfurts mit Energie und Trinkwasser versorgt, würden durch Homeoffice, Home-Dienstwagen und kontaktlose Schichtübergaben Begegnungen, und damit Ansteckungsmöglichkeiten so weit wie möglich vermieden, sagt Sprecher Sven Birgmeier. Der Zutritt zu den Leitwarten sei Unbefugten verboten; sie alle seien mit Versorgungseinrichtungen, etwa Küchen, ausgestattet. Zur Not könnten sich die Angestellten so tagelang isolieren, um arbeitsfähig zu bleiben.

Auch die Polizei setzt auf Kontaktvermeidungen durch ein spezielles Schichtmodell und - wo möglich - Homeoffice. Im Bedarf könne es Personalverschiebungen geben, sagt Sprecher Tobias Rosenberger. Die Impfquote bei der Hessischen Polizei liege bei "deutlich über 80 Prozent".

Das Gesundheitsamt begrüßt die Impfangebote, die viele der genannten Unternehmen ihren Mitarbeitern machen. Um die Ausbreitung von Omikron zu verlangsamen, sei impfen derzeit besonders wichtig. sab

Kommentar: Sinkende Inzidenzen, erst 30 Omikron-Fälle - da geht doch noch ein Bummel über den Weihnachtsmarkt und dann ein nettes Weihnachtsfest im Kreis der Familie, bevor es im Januar wieder so richtig losgeht. Klingt gut, hält einer längeren Betrachtung aber leider nicht stand. Denn jeder Tag, an dem geimpft wird, ohne dass sich Omikron weiter ausbreitet, senkt die globale Ansteckungswahrscheinlichkeit. Eine fünfte Welle wird das wohl nicht verhindern. Es trägt aber dazu bei, dass Menschen, die in der kritischen Infrastruktur arbeiten, und sich deshalb seit fast zwei Jahren stark disziplinieren, nicht auch noch ihre Freizeit opfern müssen, um kranke oder isolierte Kollegen zu ersetzen. Außerdem tun wir uns selbst etwas Gutes, wenn wir uns zurücknehmen: Auch ein Supermarkt funktioniert nur mit genügend Personal.

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