Matthias Schwarzbach im Gespräch mit seinem Patienten.
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Matthias Schwarzbach im Gespräch mit seinem Patienten.

Bauchspeicheldrüsenkrebs

„Die Operation war ein Grenzgang“

  • VonChristian Preußer
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Rund 16 000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Erkrankung verläuft fast immer tödlich. In Höchst konnte ein Arzt einen 51-jährigen Patienten erfolgreich operieren. Ein nicht erklärlicher Glücksfall – für den Betroffenen und für den erfahrenen Professor.

Ungewöhnlich war da zunächst bloß die dunkle Färbung des Urins. Sonst nichts, keine Schmerzen, kein Unwohlsein. „Na gut, ich habe etwas weniger gegessen, hatte nicht mehr so viel Hunger“, sagt der 51-Jährige, im Sessel versunken, die Beine übereinandergeschlagen. Doch die dunkle Färbung des Urins, das reichte, die machte ihn stutzig. Er ging zum befreundeten Hausarzt.

Ein paar Tests, ein bisschen Rätselraten, Ergebnisse abwarten, ein zähes Geduldsspiel. Dann trudelten erste Zahlen ein: Die Leberwerte waren katastrophal, die Spezialisten alarmiert: „Es war schnell klar, dass da etwas nicht stimmt, in meinem Körper. Und es war klar, dass die Heilung nicht einfach werden wird.“

Der Patient wird mit Professor Matthias Schwarzbach, Chefarzt der Klinik für Chirurgie am Krankenhaus Höchst, bekanntgemacht. Da steht die unheilvolle Diagnose Pankreaskrebs bereits fest.

Was nützt die Statistik?

Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 71 Jahren, für Frauen bei 75 Jahren. Doch was nützt die Statistik jenem großen, stattlichen Mann, der gerade erst seinen 50. Geburtstag gefeiert hatte?

„Als die Diagnose gestellt wurde und ich mich mit der Erkrankung auseinandergesetzt hatte, bin ich verschiedene Stationen meines Lebens durchgegangen“, sagt er, auf der Suche nach einer Erklärung. „Ich habe während meines Studiums und in stressigen Phasen geraucht. Aber ich war beileibe kein Kettenraucher.“ Für die Familie ist die Diagnose ein Schock. Es ist, als habe man ihr den Boden unter den Füßen weggerissen. „Es ist die härteste Diagnose, die man bekommen kann“, sagt auch Professor Schwarzbach. „Die Diagnose Pankreaskrebs ist ein Schlag.“

Da es keine äußerlichen Anzeichen des Krebses gibt, der Erkrankte keine Schmerzen spürt, wird der Krebs meist erst spät erkannt, weswegen er in der Regel schon sehr weit fortgeschritten ist. Der Krebs ist geradezu heimtückisch. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate ist mit acht Prozent die geringste aller Krebserkrankungen.

Laut dem Berliner Robert Koch-Institut (RKI) erkrankten im Jahr 2011 alleine 15 940 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs, 15 487 Menschen starben daran. Wird das Pankreaskarzinom erkannt, muss es sehr schnell gehen. So auch bei Schwarzbachs Patienten: Die Diagnose war gerade zwei Tage alt, da lag der Erkrankte auch schon auf dem Operationstisch des Professors.

„Bei der Operation haben wir relativ schnell festgestellt, dass der Krebs schon ausgestreut war, dass auch die Leber schon betroffen war.“ Schwarzbach blickt aus dem Fenster seines Arbeitszimmers, sein weißer Kittel leuchtet im dunklen Besprechungsraum. „Eigentlich hätten wir in dieser Situation die Operation abbrechen müssen. Eine Chance auf Heilung schien da nahezu ausgeschlossen.“ Doch Schwarzbach wollte den Patienten nicht so einfach aufgeben: Während der Operation sprach der Chirurg mit der Familie des Patienten, rief sogar den befreundeten Hausarzt an, der einst die ersten Anzeichen des Krebses richtig deutete: „Soll ich weiter operieren?“, fragt Schwarzbach. Die Gefahr stand im Raum, dass der Patient den Eingriff nicht überleben würde. Andernfalls, beim Abbruch der Operation, hätte der Patient wohl nur noch rund sechs Monate zu leben gehabt. „Die Operation war ein einziger Grenzgang“, erklärt der Professor.

Zehnstündige Operation

Rund zehn Stunden dauerte der Eingriff, er war kompliziert, anstrengend. Schwarzbach entfernte auch die Metastasen in der Leber. Der Patient hatte Glück: Die anschließende Chemotherapie schlug an, die Medikamente halfen. Heute gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich der Krebs wieder im Körper des Patienten ausbreitet. „Immer dann, wenn ich Bauchschmerzen habe, kommt die Panik“, sagt der Mann, der gesund aussieht, viel lacht, aus dessen Augen Lebensfreude strahlt. Er ist jetzt im dritten Jahr nach der Operation, quicklebendig und fröhlich. „Es ist wie ein Geschenk. Ich bin unendlich dankbar. Ich fühle mich mittlerweile gesünder als jemals zuvor.“

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