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Oft hängt an den Aufzügen in Bahnhöfen ein Hinweiszettel, dass die Anlage defekt ist ? so wie hier am Flörsheimer Bahnhof.

Um den Operngenuss gebracht

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Egal, wie man es dreht oder wendet: Defekte Aufzüge sind für Rollstuhlfahrer eine Zumutung, weil sie Betroffene am Weiterkommen hindern. Vor allem an Veranstaltungsorten oder in Parkhäusern. Über die Probleme eines Rollstuhlfahrers in Frankfurt berichtet ein Flörsheimer.

Es sollte ein unterhaltsamer Abend in der Frankfurter Oper werden. Der Flörsheimer Eric Fuchs war dementsprechend guter Dinge als er mit seiner Begleiterin in der Tiefgarage „Am Theater“ eintraf. Fuchs ist ein Dauergast und hatte sich auch diesmal rechtzeitig um Karten für die Vorstellung am Mittwochabend bemüht. Auf dem Programm stand die humorvolle und romantische Oper „Martha“ von Friedrich von Flotow. „Die wird in Deutschland fast nirgendwo gespielt“, berichtet der Flörsheimer. Das Stück seiner Wahl erzählt die Geschichte der Lady Harriet, die sich gemeinsam mit ihrer Dienerin unter die einfachen Mägde mischt und dort ihre Liebe findet. Während sich all dies auf der Bühne abspielte, war der Flörsheimer allerdings schon wieder auf dem Heimweg. Wegen defekter Aufzüge in der Tiefgarage verpasste Eric Fuchs diesmal die Vorführung.

Aufgrund einer Muskelerkrankung ist der Flörsheimer Opern-Fan auf einen Rollstuhl angewiesen. Barrierefreie Zugänge sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass er öffentliche Veranstaltungen besuchen kann. Dies ist normalerweise kein Problem: Seit dem Jahr 2003 sei er schon bis zu 400 Mal im Frankfurter Opernhaus gewesen, sagt Eric Fuchs. Mit dem Aufzug gelangt er dann aus der Tiefgarage vor das Gebäude, wo es einen separaten Eingang für Menschen mit Behinderung gibt. Von dort komme man mit einem Aufzug direkt ins Parkett vor der Bühne, erklärt Fuchs. Er hat es auch schon erlebt, dass der Aufzug in der Oper defekt war. Dann habe man ihn über einen Weg hinter der Bühne zu seinem Platz gebracht, erzählt der Flörsheimer. Alles kein Problem. Am Mittwoch machte ihm die Tiefgarage jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Eric Fuchs fuhr mit seiner Begleiterin ins Parkhaus „Am Theater“, nur um kurz darauf festzustellen, dass beide Aufzüge außer Betrieb waren. Der eine Fahrstuhl sei schon länger defekt gewesen, im anderen habe bei seinem vorigen Besuch bereits die Tür geklemmt, berichtet der Opernfan. Die Panne sei „mit Ansage“ gekommen, meint der Flörsheimer. Da er die Tiefgarage nicht über eine Treppe verlassen konnte, blieb nur eine Option: Die Begleiterin fuhr wieder aus der Tiefgarage und setzte Eric Fuchs samt Rollstuhl vor der Oper ab. Dann sei sie erneut in die Garage gefahren, wo sich mittlerweile jedoch ein Stau gebildet habe, weil alle Plätze belegt waren, berichtet Fuchs. Als absehbar wurde, dass sie es nicht mehr pünktlich zum Vorstellungsbeginn schaffen, seien sie unverrichteter Dinge zurück nach Flörsheim gefahren. Aus der Tiefgarage durften sie immerhin wieder herausfahren, ohne eine Parkgebühr zu zahlen. Die Oper erstattete Eric Fuchs den Eintritt.

Fuchs weist darauf hin, dass er nicht als Einziger von der Aufzugpanne betroffen sei. Mit seinen 38 Jahren gehöre er unter den Opernbesuchern schließlich noch zu den jüngeren Gästen. Einige ältere Zuschauer seien auf Gehstock oder Rollator angewiesen, hat der Flörsheimer beobachtet. Er ärgert sich zudem darüber, dass nirgends auf die Störung hingewiesen worden sei. Es habe kein Hinweisschild gegeben, und auch auf der Internetseite der Frankfurter Parkhaus-Betriebsgesellschaft (PBG) finde sich keine Information zu den Aufzügen. Eric Fuchs rief bei der PBG an und erhielt – nach eigener Aussage – die Erklärung, dass die Reparatur Tage, Wochen oder Monate dauern könne. „Mit so einer Auskunft kann ich relativ wenig anfangen“, erklärt der Flörsheimer. Eine Entschuldigung habe es nicht gegeben. Er sei verunsichert, wie er seine nächsten Opernbesuche planen könne, sagt Eric Fuchs. Als Alternative zum Parkhaus könne er zwar mit der S-Bahn fahren. Im Winter sei er jedoch froh, wenn er mit dem Auto zur Oper gelange und so die Wartezeiten in der Kälte umgehe. Vor allem, weil die Barrierefreiheit von Bahnhöfen ebenfalls nicht gegeben ist.

Der Opern-Fan hat nämlich festgestellt, dass die beiden Aufzüge am Flörsheimer Bahnhof „anfällig“ sind. Deshalb startet er immer vom Eddersheimer Bahnhof. Dort ist der Bahnsteig ebenerdig erreichbar. Probleme mit Aufzügen erlebte er aber schon oft bei der Ankunft in Frankfurt. Im Gegensatz zur Tiefgarage habe er dann immerhin noch die Möglichkeit, eine Station weiter zu fahren, so Fuchs.

Das Kreisblatt hat ebenfalls beim Parkhaus-Betreiber PBG nachgefragt. Ein Mitarbeiter aus der Notrufzentrale stellt die Situation wesentlich harmloser da. Es sei richtig, dass es längerfristige Probleme mit dem Ausfall eines Aufzuges gebe. Für den Fahrstuhl seien neue Teile bestellt worden, die eine lange Lieferzeit haben. Der zweite Aufzug sei am Mittwoch ausgefallen, nachdem er unsachgemäß genutzt wurde. Die Feuerwehr habe Menschen aus der geschlossenen Kabine befreit und dabei die Tür beschädigt. Seit Donnerstag sei der Aufzug wieder in Betrieb, so der Mitarbeiter. Es werde Wert darauf gelegt, dass immer mindestens ein Aufzug der Tiefgarage funktioniere. Zur fehlenden Info im Internet erklärte er, dass die PBG keine eigene IT-Abteilung habe. Die Aktualisierung der Website sei aufgrund der Reparatur innerhalb von 24 Stunden aber auch gar nicht notwendig gewesen. Der Vertreter der Notrufzentrale weist außerdem darauf hin, dass am Mittwoch ab 18 Uhr ein Schild mit einem Hinweis auf den Defekt an der Einfahrt gehangen habe. „Wenn der Kunde dies übersieht, können wir auch nichts dafür“, so der PBG-Angestellte.

Eric Fuchs widerspricht dieser Darstellung. Er sei sich ganz sicher, dass am Mittwoch bis 19.30 Uhr kein Schild angebracht wurde, da seine Begleiterin ja sogar zweimal ins Parkhaus gefahren sei, ohne etwas zu sehen. Als er bei der PBG anrief, habe man ihm sogar erklärt, dass das Anbringen eines Schildes nicht so schnell möglich gewesen sei und deshalb erst ab 20 Uhr auf die Panne hingewiesen wurde.

Welche Darstellung richtig ist, lässt sich im Nachhinein wohl nur noch schwer nachvollziehen. Eric Fuchs ist jedenfalls überrascht, dass der Aufzug so schnell wieder läuft, obwohl man ihm etwas von Tagen oder Monaten erzählt habe. Der Flörsheimer freut sich aber vor allem, dass er durch das Kreisblatt erfahren hat, dass er die Oper eigentlich wieder ungehindert besuchen kann. „Die nächsten Opern stehen schon bei mir im Kalender“, sagt Eric Fuchs.

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