Polizisten sichern am Wochenende nach den Krawallen im Sommer vergangenen Jahres den Opernplatz. Foto: Frank Rumpenhorst/DPA
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Polizisten sichern am Wochenende nach den Krawallen im Sommer vergangenen Jahres den Opernplatz.

LANDFRIEDENSBRUCH

Opernplatz-Chaoten kommen vor Gericht

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Staatsanwaltschaft klagt sieben junge Männer zwischen 18 und 31 Jahren an

Frankfurt -Es war eine Krawallnacht, wie sie Frankfurt lange nicht erlebt hatte. Der Opernplatz, den sich Tausende junger Leute in den Nächten des vergangenen Pandemie-Sommers mit geschlossenen Clubs zum zentralen Party-Treffpunkt ausgesucht hatten, wurde Schauplatz von Gewalt, Zerstörungswut und Verwüstungen. Nun haben die Ausschreitungen ein gerichtliches Nachspiel.

Die Staatsanwaltschaft hat wegen der massiven Ausschreitungen auf dem Opernplatz und in den angrenzenden Straßen in der Innenstadt Anklagen gegen sieben junge Männer erhoben. Die meisten von ihnen wohnen laut Staatsanwaltschaft in Frankfurt, alle hätten einen Migrationshintergrund.

Den Männern im Alter von jetzt 18 bis 31 Jahren mit deutscher, syrischer und polnischer Staatsangehörigkeit wirft die Anklagebehörde Landfriedensbruch in besonders schwerem Fall sowie tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und versuchte gefährliche Körperverletzung vor.

Für den heute 18-Jährigen steht der Gerichtstermin bereits fest: Er muss sich am 17. Februar vor dem Amtsgericht für die ihm vorgeworfenen Taten verantworten. Weitere Prozesstermine seien vom Amtsgericht noch nicht bestimmt, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

Jenes Wochenende Mitte Juli hatte begonnen wie manche zuvor. Rund 3500 junge Leute hatten sich auf dem Opernplatz getroffen, um zu feiern. Mit Musik, Tanz, Alkohol - und ohne Corona-gerechten Abstand. Stillschweigend hatte die Stadt das geduldet: den Massenandrang, die Missachtung der Abstandsregel und dass das Partyvolk einen der schönsten Plätze der Stadt für ihren Zeitvertreib genutzt und Wochenende um Wochenende vollkommen verdreckt hinterlassen hatte.

"Eine unglaubliche Schweinerei"

Das Umweltdezernat immerhin wollte irgendwann nicht mehr hinnehmen, dass die Feierfreudigen den Opernplatz samt Lucaebrunnen und die benachbarten Grünanlagen versifft, vermüllt, verkommen zurückließen. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) hatte sich entsetzt gezeigt und von einer "unglaublichen Schweinerei" gesprochen. Damit hatte sie nicht nur zerbrochene Glasflaschen und fortgeworfene Pizzakartons gemeint, sondern vor allem die Spuren der Notdurft, die die Feiernden an der Fassade der Alten Oper und in den Wallanlagen hinterlassen hatten.

Die Stadtreinigung hatte alle Hände voll zu tun gehabt, um die Spuren des Spuks zu beseitigen. Jener Samstag, der 18. Juli, war nun der erste, an dem die Stadt, um das Ärgste abzuwenden, Dixi-Klos auf dem Opernplatz hatte aufstellen lassen. Zusätzlich fanden die Partygänger auch 400 Mülltonnen vor. Außerdem war die Polizei mit zahlreichen Einsatzkräften an Ort und Stelle.

Die Staatsanwaltschaft hat nun rekonstruiert, dass trotz starker Polizeipräsenz bis zu 3500 Personen zunächst friedlich gefeiert hätten. In den frühen Morgenstunden indessen habe sich die Stimmung "verschärft".

Im Schutz der Menge randaliert

Mehrere Personen, überwiegend junge Männer, sollen sich in wechselnder Beteiligung und Zahl zusammengerottet haben, Sie sollen den Schutz der Menschenmenge als Deckung genutzt und Glasflaschen auf Polizisten und deren Einsatzfahrzeuge geworfen haben. Die Polizisten trugen umfassenden Körperschutz. Trotzdem wurden fünf Beamte verletzt. Auch der Sachschaden, den die Randalierer anrichteten, war erheblich, Die Staatsanwaltschaft spricht von mindestens 14 600 Euro. Videos von Zeugen, die zeigen, wie die Täter johlend und von jungen Mädchen schreiend angefeuert Glasscheiben zerschlagen, werden später in den sozialen Netzwerken geteilt.

Den Angeschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft nun vor, sich an diesen Auseinandersetzungen beteiligt zu haben, dass sie Flaschen auf Polizeibeamte warfen. Einem Beschuldigten legt die Anklageschrift zudem zur Last, sich gegen seine anschließende Festnahme gewaltsam zur Wehr gesetzt zu haben. Ein weiterer Angeschuldigter soll andere Täter mit dem Rufen der Parole "Acab" ("All Cops Are Bastards", sinngemäß: alle Bullen sind Schweine) angefeuert haben.

Ein einschlägig vorbestrafter wohnsitzloser Syrer, dem die Strafverfolger insgesamt acht Flaschenwürfe anlasten, brachte in dieser Sache etwa einen Monat lang in Untersuchungshaft zu. Wann er sich vor Gericht verantworten muss, steht noch nicht fest.

Sylvia A. Menzdorf

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