Prozess

Opfer fast den Kopf abgetrennt

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Im Dezember hat ein junger Flüchtling in einer von mehreren Männern genutzten Wohnung in Höchst einen Mitbewohner getötet. Ab Freitag wird der Fall in Frankfurt verhandelt.

Gut zehn Monate nach einer blutigen Auseinandersetzung in einer Flüchtlings-WG in der Gersthofer Straße in Höchst verhandelt die Jugendstrafkammer des Landgerichts von Freitag an gegen einen heute 19 Jahre alten Afghanen, der im Dezember vergangenen Jahres in der Küche der Wohnung einen etwa gleichaltrigen Eritreer mit zahlreichen Messerstichen getötet hatte. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet zwar rechtlich auf Mord – verhandelt wird gegen den als schizophren geltenden Beschuldigten jedoch nicht in regulärem Maße. Schon kurz nach seiner Festnahme gab es Anhaltspunkte für eine Schuldunfähigkeit, die nunmehr in einer Antragsschrift auf dauerhafte Unterbringung des Afghanen in der Psychiatrie mündeten.

Warum es zwischen den beiden Bewohnern an jenem Dezembertag zum Streit kam, ist derzeit noch weitgehend unbekannt. In der Küche wurden offenbar sehr unfreundliche Worte gewechselt, die den Beschuldigten derart in Rage brachten, dass er ein Messer ergriff und wie von Sinnen auf seinen Kontrahenten einstach – und zwar vor allem in den Hals des Opfers, so dass er dem Mann den Kopf fast völlig abtrennte. Trotz der ungemein blutigen Tat gelang es dem Täter, aus der Wohnung in der Nähe des Höchster Bahnhofs zu flüchten und mit dem Zug bis nach Dortmund zu fahren. Dort wäre er möglicherweise eine ganze Weile lang untergetaucht, wäre er nicht zufällig beim Schwarzfahren in der Straßenbahn erwischt worden, als die Fahndung lief.

Während die Polizei noch mit der Aufnahme dieser „kleinen Sache“ beschäftigt war, fing er auf dem Revier angeblich an, selig zu lächeln und von der Bluttat zu erzählen. „Der Typ hat bekommen, was er verdient hat“, so beschloss er seine Ausführungen vor den verdutzten Beamten, die ihn sogleich festnahmen und seinen Rücktransport nach Frankfurt in die Wege leiteten. Von dort kam er rasch in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Sechs Verhandlungstage

hat die unter Leitung von Richter Uwe Steitz tagende Strafkammer anberaumt – genug Zeit, um die triste Lebensgeschichte des Angeklagten entgegenzunehmen.

2015 war er als Asylant nach Deutschland gekommen. Bald darauf war aber klar, dass er hier kein Bleiberecht haben werde. Der als unbegleiteter Minderjähriger zunächst einmal in Höchst untergekommene Afghane nahm sich jedoch damals einen Rechtsanwalt und beauftragte das Verwaltungsgericht mit der Überprüfung seiner Angelegenheit. Dadurch ging viel Zeit ins Land. Zwischenzeitlich war der Mann auch einmal in der Psychiatrie in Köppern, wo es um die Behandlung seiner Drogen- und Alkoholsucht ging. Kurz nach seiner Entlassung kam es laut Anklage dann zu der Bluttat in der Höchster Flüchtlings-WG.

In dem Prozess wird es neben der schizophrenen Erkrankung des Mannes auch um mögliche Drogen- und Alkoholeinflüsse während der Tat gehen. Den entsprechenden Gutachtern wurde deshalb breiter Raum für ihre Expertisen eingeräumt. Bereits Anfang November will das Gericht dann eine Entscheidung verkünden.

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