Profis brauchen nicht viel und nicht lange, um ein Auto aufzubekommen. Die Diebe, die gerade in Frankfurt vermehrt ihr Unwesen treiben, sind bandenmäßig organisierte Autoknacker.
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Profis brauchen nicht viel und nicht lange, um ein Auto aufzubekommen. Die Diebe, die gerade in Frankfurt vermehrt ihr Unwesen treiben, sind bandenmäßig organisierte Autoknacker.

Kriminalität

Organisierte Autoknacker sind in Frankfurt auf Diebestour

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Vor allem Wagenteile aus Luxuskarossen stehen im Visier von internationalen Banden. Zahl der Aufbrüche hat insgesamt abgenommen.

Frankfurt -Das Auto war ein alter Traum: Ein canvasit-blaues Mercedes-Cabrio mit blauem Stoffdach, es parkte meist unbewegt auf der Straße vor der Wohnung des Besitzers im Nordend. "Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit", sagt er. Doch der Autofreund wurde böse überrascht: Sein Cabrio wurde von Autodieben stark beschädigt: "Sie haben versucht, es zu stehlen, das Zündschloss ist zerstört", sagt er. Dass es den Dieben nicht gelungen ist, das Auto zu entwenden, machte sie zornig, vermutet der Besitzer. Sie zerkratzten rundum den Lack, zerstörten die Glasscheibe vor den Armaturen und richteten einen Schaden von rund 10 000 Euro an.

Dabei ist dieser Frankfurter (Name der Redaktion bekannt) kein Einzelfall. Derzeit geht die Zahl der Autoaufbrüche in die Höhe. "Das bestätigen wir", sagt Thomas Hollerbach, Sprecher der Polizei Frankfurt. Beispiel: Ein Mercedes AMG, bei dem vier Räder gestohlen wurden. Er stand auf Backsteinen.

"Wir glauben, dass es sich um eine Bande handelt, die herumreist", sagt der Polizeisprecher. "Sie sind einige Tage hier, dann ziehen sie weiter." Sie sind auf der Suche nach hochwertigen Autoteilen. Vor allem Leder-Lenkräder, aber auch Elektronikteile wie Navigationsgeräte - wertvoll und binnen Sekunden auszubauen. Die Autoteile gelangen in den internationalen Handel.

Cornelius Blanke, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Automobil Clubs (ADAC) Frankfurt, vermutet: "Es hängt mit der Jahreszeit zusammen." Es wird früh dunkel, die Diebe finden mehr Gelegenheiten. Bei Einbrüchen sei es ähnlich, da sind es auch oft herumreisende Banden, die manchmal, wie Blanke selbst vor einigen Jahren erlebt hat, mehrere Einbrüche in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander verüben.

Vor zehn Jahren sind doppelt so viele Pkw geknackt worden

Das Phänomen ist nicht neu, es gibt immer wieder mal eine erhöhte Zahl von Einbrüchen oder Autodiebstählen, wenn Banden unterwegs sind. Wenn Autos gestohlen werden, landen sie meist in Hinterhof-Werkstätten oder Scheunen und werden ausgeschlachtet. Bei Autoteilen ist die Herkunft kaum nachzuvollziehen. Der Verkauf ist lukrativ, die Beschaffung international organisiert. Banden zumeist aus Osteuropa stehlen die Ware praktisch auf Bestellung. Besonders betroffen sind Marken wie BMW, Porsche und Mercedes.

Dabei sinkt die Zahl der Autoaufbrüche seit Jahren kontinuierlich, lag zuletzt 2020 in Frankfurt bei 2409. Das ist weniger als die Hälfte von 2011 (4963). Die Aufklärungsquote lag bei 15,6 Prozent. Unabhängig davon: Wenn solche Banden durchs Land ziehen und in Frankfurt Station machen, schießt die Zahl der Fälle pro Tag nach oben.

Fixico, eine Plattform für Autoreparaturen, berichtet: In den meisten Fällen gehen Diebe in Gruppen vor, oft sind sie wenigstens zu zweit. Potenzielle Ziele werden im Tageslicht ausgespäht, um dann im Schutz der Dunkelheit zuschlagen zu können. Wenn die Täter aktiv werden, geht es meistens schnell: Innerhalb weniger Minuten ist das Fenster eingeschlagen und die wertvollsten Autoteile sind ausgebaut.

Der Markt für hochwertige Ersatzteile ist international. Zwar verlangen Meisterwerkstätten in der Regel Zertifikate und Lieferscheine, doch Hinterhofbetriebe und auch Online-Plattformen können die Herkunft angebotener Teile selten nachvollziehen. Im Ausland boomt der Handel. Über Osteuropa wird das Diebesgut bis nach Asien verschifft und dort verkauft. Autobesitzer, die keine Garage haben, sollten den Wagen an einer belebten und gut beleuchteten Straße abstellen. Folien an den Scheiben schrecken Diebe ebenso ab wie eine Lenkradkralle, rät die Polizei.

Im Jahr 2020 haben die Kaskoversicherer 91 Millionen Euro aufgewendet. Zum Vergleich: Glasschäden als größter Posten schlugen mit 1,3 Milliarden zu Buche. Die Anzahl der Diebstähle ist dabei bundesweit um 18 Prozent gesunken auf 50 000 jährlich. Vandalismusschäden begleicht nur die Vollkaskoversicherung; wer Teilkasko hat, bleibt auf diesen Kosten sitzen.

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