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Diskussion um Stadtviertelnamen

Ortsbeirat diskutiert Umbenennung der Bürostadt

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Tausend Menschen wohnen bereits in der Bürostadt, wo einst nur Firmen angesiedelt waren. Ist der Name damit hinfällig? Die Meinungen gehen auseinander.

Die Bürostadt in Niederrad befindet sich im Wandel. In den 1960er und 70er Jahren erbaut, war der 144 Hektar umfassende Bezirk einst als reines Gewerbegebiet vorgesehen. Tagsüber strömten die Berufspendler ins Quartier, nachts war es wie ausgestorben. Nun soll alles anders werden. Zwei 2012 beschlossene Wohnbauprojekte sowie die Errichtung von Kindergärten, Spielplätzen und Ladenzeilen sollen einen attraktiven Lebensraum gestalten und Bewohner in die Bürostadt locken. Aber ist der Begriff „Bürostadt“ dann überhaupt noch angemessen? Für Detlef Franke, Vorstand der Standort-Initiative Neues Niederrad (SINN), steht fest: „Das Quartier braucht einen neuen Namen.“ Unmittelbar nach seiner Gründung im Jahr 2014 hat der Verein die Umsetzung beim Ortsbeirat angeregt. Ein Beschluss ist bislang nicht gefallen.

„Immer wieder wurde über die Angelegenheit debattiert“, sagt Ortsvorsteher Christian Becker. Derzeit ist die Diskussion im Ortsbeirat 5 erneut entflammt. „Allerdings geht es gar nicht mehr um die Frage, ob eine Umbenennung notwendig ist“, kritisiert Stefanie Then, Vorsitzende der SPD Niederrad. Der Diskurs drehe sich nur noch um eine Übereinkunft bezüglich des Namens. „Er soll dem Quartier ein neues, hippes Image verleihen, den Wandel zum Wohnstandort widerspiegeln“, konkretisiert Franke. Auf der Suche nach Anregungen hat sein Verein vor zwei Jahren die Bürger befragt. An die 400 Vorschläge liefen ein. Sieben Juroren sichteten diese und selektierten drei Favoriten: „Rothenham“, „Südweststadt“ und „Südend“. Den im Volksmund bereits gängigen Spitznamen „Lyoner Viertel“ schlossen sie aus: „Das klingt nach Wurst“, findet auch Franke.

Aber er sei kompromissbereit: „Mit der Bezeichnung „Lyoner Quartier“ könnte ich mich schon anfreunden.“ Der Begriff „Viertel“ sei eine Mengenangabe und verstärke die Verknüpfung mit einer Fleischware. Das Wörtchen „Quartier“ indes verleihe dem Namen einen „eleganten Klang“. Zudem handele es sich dabei um einen französischen Ausdruck. „Da Frankfurt eine Städtepartnerschaft mit Lyon pflegt, weckt das dann ganz andere Assoziationen.“ Sein Favorit unter den potenziellen Namen sei nach wie vor „Rothenham“, erklärt er. „Das war schon der Name eines Gutshofs, der sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts an Ort und Stelle befand.“ Letztlich aber sei das Geschmackssache: „So eine Namensfindung ist eine emotionale Sache. Um zu vermeiden, dass weitere drei Jahre ins Land streichen, findet sich SINN auch mit dem Vorschlag Lyoner Quartier ab“, verkündet Franke.

Letztlich ist SINN nicht entscheidungsbefugt, die Umbenennung des Viertels obliegt dem Ortsbeirat. Dennoch: Die drei auf der vom Verein lancierten Umfrage basierenden, auserlesenen Vorschläge gerieten über die Medien bald in den Fokus der Öffentlichkeit, wurden zudem an den Ortsbeirat herangetragen. Alle anderen eingeschickten Ideen wurden verworfen. „Das ist doch keine repräsentative Erhebung“, findet Then. Auch eine Umfrage seitens der CDU hält sie für wenig aussagekräftig: „Im Sommer 2015 bestärkten – sage und schreibe – 13 Niederräder die Namensgebung „Lyoner Viertel“ (insgesamt 33 Bürger wurden laut CDU befragt). Seither verwendet die Partei dieses Ergebnis als Beleg für die allgemeine Beliebtheit des Namens.“ Um Unmut im Stadtteil zu vermeiden, sei es wichtig, dass die Bürger richtig zu Wort kämen. „Zunächst sollten sie erst mal erklären, ob ihnen an der Umbenennung der Bürostadt überhaupt gelegen ist.“

Allerdings plädiert Then eher für die Beibehaltung des Status quo: „Eigentlich ist an dem jetzigen Namen nichts auszusetzen“, findet sie. Das Quartier könne gar stolz darauf sein: „Die Bürostadt hat als Innovationsquartier lange sehr gut funktioniert.“ Frankfurt sei eine der ersten Städte gewesen, die so ein Bauprojekt forciert habe. „Das Viertel hat Architektur-, Technik- und Industriegeschichte geschrieben. Warum sollten wir ihr diese Leistung durch eine Umbenennung aberkennen?“ Nicht zu vergessen: Noch heute seien rund

400 Unternehmen

in Niederrad angesiedelt. Außerdem – so findet Then – sei die Namensfindung ohnehin zweitrangig. „Wir sollten lieber eine Weiterentwicklung der Infrastruktur vorantreiben“, pflichtet ihr Parteikollegin Doris Mollath-Zündorf bei.

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