In diesem Haus an der Ecke Münchener Straße lebte Oskar Schindler in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tod 1974.
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In diesem Haus an der Ecke Münchener Straße lebte Oskar Schindler in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tod 1974.

Hauptbahnhof

Oskar-Schindler-Platz für Frankfurt - durch Streit gebremst

  • vonGernot Gottwals
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Die Benennung des Vorplatzes des Hauptbahnhofs in Frankfurt in Oskar-Schindler-Platz ist vorerst gescheitert. Eigentlich eine gute Idee, doch der Initiator hat einen Fehler gemacht.

Frankfurt. Begonnen hatte die letzte Sitzung der Legislaturperiode im Ortsbeirat 1 harmonisch, mit vielen Dankeschöns und dem Appell, die Benennung eines künftigen Oskar-Schindler-Platzes vor dem Hauptbahnhof noch vor der Kommunalwahl zu verabschieden. Doch an diesem Punkt kam es zum Eklat, da Ortsvorsteher Oliver Stranks (SPD) Antrag trotz leidenschaftlicher Werbung der Zeitzeugin Ulrike Trautwein wegen weiterem Klärungsbedarf von der CDU zurückgestellt wurde und sich die Befürworter von Helgo Müller (SPD) als "Pseudo-Antifaschisten" beschimpfen lassen mussten.

Held aus der NS-Zeit lebte verarmt direkt am Hauptbahnhof

Die Befürworter der knappen Abstimmung konterten, auf diesen Niveau werde man nicht weiterreden, zumal es darum gehe, den Namen Oskar Schindler durch einen voreiligen, abgelehnten Antrag nicht zu beschädigen. Doch geht das überhaupt? "Oskar Schindler war der richtige Mann zur richtigen Stunde, der Tausende Menschen vor dem Tod im KZ retten konnte, doch die letzten Jahre verarmt in seiner Wohnung am Hauptbahnhof lebte", betonte Trautwein in ihrem Plädoyer.

In Yad Vashem auf ihn aufmerksam geworden

Sie berichtete, wie sie zusammen mit ihrem Mann, dem Pfarrer Dieter Trautwein, 1963 an der Gedenkstätte Yad Vashem auf Schindler aufmerksam wurde, ihn in Frankfurt aufsuchte und sich evangelische und katholische Geistliche daraufhin für eine Rente einsetzten. "Schindler war auch ein Mensch des Bahnhofsviertels, deshalb wäre es großartig, ihn dort zentral in Frankfurt mit einem eigenen Platz zu ehren", betonte Trautwein. "Eine Umbenennung würde auch an die vielen Kinder erinnern, die Oskar Schindler retten konnte", fügte der Kinderbeauftragte für das Gallus, Dirk Schneider, hinzu.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Weber wandte ein, die Benennung eines Oskar-Schindler-Platzes sei wegen der Oskar-Schindler-Straße in Nieder-Eschbach mit einigen Hausnummern schwierig. "Da wir auch nicht sicher wissen, ob die Deutsche Bahn als Grundstückseigentümer den Vorschlag unterstützt, sollten wir den Antrag zurückstellen und würden ihn sicher auch im neuen Ortsbeirat innerhalb unserer Fraktionen unterstützen."

Hochemotionale Debatte

"Das geht in der letzten Sitzung der Legislaturperiode nicht, weil jeder nicht verabschiedete Antrag an die Stadtverordneten erst einmal als erledigt gilt und gelöscht wird", hielt Strank dagegen. Der Antrag müsste somit frühestens im Mai wieder völlig neu gestellt werden.

Es folgte eine hochemotionale Debatte, bei der Anna Warnke (Grüne) "mit Herzklopfen" betonte, sie könne wegen der angebrachten Bedenken dem Antrag noch nicht zustimmen und würde sich zudem wünschen, Schindlers Frau Emilie mitzuberücksichtigen. Worauf der FDP-Fraktionsvorsitzende Stephan Korte etwas nüchterner argumentierte, Oskar Schindler und seine Frau hätten trotz seiner letzten Wohnadresse eher wenig Bezug zu Frankfurt, so dass man durchaus auch über geeignetere Persönlichkeiten nachdenken könnte.

"Wenn dieser Antrag in einem peinlichen Klein-Klein zerredet wird und die Platzbenennung nach einem Gerechten unter den Völkern scheitert, würde das auch über die Frankfurter Stadtgrenzen hinaus Wellen schlagen" warnte der Stadtverordnete Gregor Amann (SPD).

"Mein Antrag war allen Fraktionen schon lange bekannt, wurde mit allen Mitgliedern ausführlich besprochen, anfangs auch von einer breiten Mehrheit getragen und wurde auch bei der Bahn sehr begrüßt", verteidigte sich Strank gegen Vorwürfe, der Antrag sei nicht ausreichend vorbereitet und abgestimmt worden.

Eine Sitzungsunterbrechung brachte ebenso wenig Entspannung wie Hanna Große-Vorholts (ÖkoLinX-ARL) Vorschlag, den Antrag zur Umbenennung nur mit der Auflage eines Prüfens und Berichtens an den Magistrat zu verabschieden. So wurde Webers Antrag einer Zurückstellung mit neun Stimmen von CDU, Grünen, Linke, FDP bei fünf Gegenstimmen von SPD, BFF und U.B. und zwei Enthaltungen von ÖkoLinX-ARL und der PARTEI verabschiedet.

"Unser Antrag wäre ein wichtiges überparteiliches Signal an den Magistrat und die Deutsche Bahn gewesen, hätte eine Serie von wichtigen Zeichen gegen den Antisemitismus abgerundet und wurde nun vor allem von CDU und Grünen im parteipolitischen Klein-Klein verhindert", bedauert Strank. "Das ist wirklich sehr betrüblich und ärgerlich, aber ich werde auch im neuen Ortsbeirat für die Umbenennung weiterkämpfen", kündigt Trautwein an.

Strank wendet sich nun für die Umbenennung direkt an Magistrat und Stadtverordnete und an die Öffentlichkeit mit der Petition, die im Internet unter http://chng.it/wTXCLCFDKH zu finden ist.

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