Neubaugebiet Römerhof

Pakt für ein schöneres Frankfurt

Die Stadt will die Fehler, die sie im Europaviertel und am Riedberg gemacht hat, im Neubaugebiet Römerhof nicht wiederholen. Deshalb sammeln Stadtplaner in dieser Woche gemeinsam mit dem Institut für Stadtbaukunst Ideen, wie das Frankfurt von morgen aussehen könnte. Institutsleiterin Birgit Roth sagt: „So etwas gab es vorher noch nie.“

Vernichtender kann Kritik nicht sein: „Es fröstelt uns angesichts der abstoßenden Kälte und Langeweile, die uns in den ungefassten Stadträumen entgegenschlägt“, schrieb Professor Christoph Mäckler vor eineinhalb Jahren über das Europaviertel. Und der Architekt und Gründer des Instituts für Stadtbaukunst geht noch weiter: Die meisten der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Stadtteile seien den weitaus älteren Gründerzeitvierteln deutlich unterlegen. Diese seien nicht nur schöner, sondern auch funktionaler und lebenswerter.

Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hörte der Mäckler’schen Kritik lange zu – und drehte dann den Spieß um. „Immer nur kritisieren ist einfach. Wir wollten wissen, wie man diese Ideen modern darstellen kann“, sagt sein Sprecher Mark Gellert. Und zwar am Beispiel des Neubaugebiets Römerhof.

Keine lockere Bebauung mit Einfamilienhäusern, sondern ein urbanes Quartier, das war die Vorgabe. Denn die beliebtesten Stadtteile Frankfurts seien gleichzeitig die dicht besiedelten, innenstadtnahen mit gründerzeitlicher Prägung, sagt Gellert. Beispiele seien das Nordend, das Westend oder Sachsenhausen.

Also schlossen die Stadt und das Institut für Stadtbaukunst einen Pakt, der laut Institutsleiterin Birgit Roth deutschlandweit einmalig ist: Seit Anfang der Woche erarbeiten Stadtplaner und Institutsmitarbeiter gemeinsam Ideen, wie Frankfurts Zukunft aussehen könnte. Mit dabei sind nicht nur diejenigen, die am Neubaugebiet beteiligt sind, sondern alle interessierten Stadtplaner. „Wir haben so viel internen Sachverstand, und auf diese Weise können wir die besten Ideen abfischen“, sagt Gellert.

Institutsleiterin Roth ist froh um so viel Enthusiasmus: Sie versucht seit Jahren, Stadtplaner für ihre Erkenntnisse zu begeistern. Doch die 2010 verfassten „zehn Grundsätze zur Stadtbaukunst heute“ hätten bisher wenig Resonanz erzeugt: Weil Neubaugebiete heute nicht mehr als Ganzes geplant würden, sondern etwa der Architekt sich um die Bauten kümmere und der Verkehrsplaner um die Trassen, fühle sich keiner angesprochen.

Deshalb könne man den einwöchigen Workshop als eine Art Pilotprojekt betrachten: Die Ideen, die dort entstehen, fließen in einen Rahmenplan ein, der dann in den Bebauungsplan eingespeist wird. Und gleichzeitig gewinne das Institut Erkenntnisse darüber, wo es bei der Umsetzung seiner Grundsätze hakt, „Eine Kooperation in dieser Art ist etwas Neues. Das gab es vorher noch nie“, sagt Roth.

Zwei Grundpfeiler sind für den Römerhof bereits gesetzt: In dem Gebiet sollen gewerbliche Nutzung und Wohnen gemischt werden. Zentral ist außerdem eine Blockrandbebauung, bei der geschlossene Wohnblöcke einen Hof umfassen. Wie die Häuser aussehen, wird ein Architektenwettbewerb zeigen. Im Moment geht’s ums Prinzip.

Die übrigen Themenfelder sind noch im Ideenstadium. Bei der Erschließung etwa gebe es verschiedene Möglichkeiten: Eine Verlängerung der U5 bis zum Römerhof oder im Ring bis zum Rebstockbad – oder umgekehrt eine Verlängerung der Straßenbahn 17 bis zum Römerhof. Vielleicht werde das Quartier ganz autofrei – aber auch Carsharing-Angebote seien denkbar.

Auch bei der Bebauung stehen die Entscheidungen noch aus: Der Betriebshof der Verkehrsgesellschaft etwa muss verlagert werden, es wurde aber noch kein neuer Standort ausgewählt. Wenn am neuen Standort ein Werkstattgebäude steht, kann mit dem ersten Bauabschnitt begonnen werden, der rund 700 Wohnungen umfasst.

Auch Teile des TÜV können möglicherweise umziehen: Zwar müsse, sagt der TÜV, der Betriebshof bleiben, weil sich die Frankfurter an ihn gewöhnt hätten. Für das Verwaltungsgebäude gelte das aber nicht. Schließlich könnte auch die Schießanlage des Polizeisportvereins verlegt werden, falls ein neuer Standort gefunden wird. Wenn nicht, werde sie eingehaust, um den Lärm zu dämpfen. Ob das Feldbahnmuseum umziehen muss, werde die geplante Lärm- und Schmutzuntersuchung zeigen.

Insgesamt sollen auf dem Areal zwischen 2000 und 3000 Wohnungen sowie eine weiterführende Schule samt Turnhalle entstehen. Allein in die 700 Wohnungen des ersten Bauabschnitts investiert die ABG Holding, die das gesamte Areal entwickelt, 200 Millionen Euro.

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