Europaweiter Aktionstag

Paris macht es vor: Kommt ein autofreier Sonntag in Frankfurt?

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Paris macht es vor, in Frankfurt ist der autofreie Sonntag aber noch in weiter Ferne. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling nennt als Grund Sicherheitsbedenken.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) will nicht seine Hand dafür ins Feuer legen, dass die Römer-Koalition aus CDU, SPD und Grünen bis zum Ende der Legislaturperiode noch einen autofreien Sonntag hinbekommt. Dabei wurde dieses Versprechen bereits im Koalitionsvertrag gegeben. „Wir werden künftig jeweils im Sommerhalbjahr in der Stadt einen autofreien Sonntag veranstalten. Dazu werden wir einen konkreten Vorschlag erarbeiten, der den Termin, die Ausgestaltung und die einbezogene Fläche beinhaltet“, heißt es in dem Papier.

 

Auf absehbare Zeit brauchen Autofahrer – abgesehen vielleicht Diesel-Fahrer – aber kein Fahrverbot zu fürchten. Ein schlüssiges Konzept für die Umsetzung des autofreien Sonntags fehlt offenbar. Oesterling hatte um Vorschläge gebeten.

Luigi Brillante (Frankfurter) macht jetzt den Anfang. Als Termin für den autofreien Sonntag regt er den 22. September 2019 an – dieser Tag im September wird europaweit für solche Aktionstage genutzt. Das südliche Mainufer, und zwar der Abschnitt auf dem alle zwei Wochen der Flohmarkt stattfindet, soll gesperrt werden. „Bis dahin ist laut Verkehrsdezernat auch das nördliche Mainufer gesperrt, so dass am autofreien Sonntag beide Mainufer autofrei sind“, heißt es in dem Papier.

Oesterling findet den Vorschlag grundsätzlich gut. Doch seine Sicherheitsbedenken überwiegen, schließlich müsse die Stadt als Veranstalter dafür garantieren. Es sei ein Riesenaufwand, an sämtlichen Kreuzungen Betonblöcke oder andere Barrieren aufzustellen. „Am großen Sicherheitsaufwand sind letztlich auch die Pläne für eine autofreie Eschersheimer gescheitert“, erklärt der Verkehrsdezernent. Neben Sperren hätten an sämtlichen Zufahrten zusätzlich Verkehrsschilder aufgestellt werden müssen.

Dass es Paris mit der Sperrung der Champs-Elysées vormacht, will Oesterling nicht gelten lassen. Diese Sicht sei zu einfach. „Dort gibt es nicht diese kleinteiligen Verhältnisse wie in Frankfurt, in Paris gibt es viel weniger Zufahrtstraßen.“ Deshalb müssten die Behörden in Paris auch viel weniger Sicherheitsvorkehrungen treffen, was die Organisation deutlich erleichtere. Ganz Frankfurt als autofreie Zone hält der Verkehrsdezernent deshalb für schlichtweg unmöglich. Er könne sich höchstens eine Zone innerhalb des Alleenrings vorstellen.

Laut Oesterling ist es aber auch ein Riesenproblem, einen Termin zu finden. Ein autofreier Sonntag macht seiner Ansicht nach nämlich nur Sinn im Sommer. „Da sind schon so viele Veranstaltungen, Sicherheitspersonal und Polizeibeamte ohnehin schon pausenlos im Einsatz.“

Bernd Irrgang vom Bund der Fußgänger hält den Vorschlag von Brillante für charmant. Allerdings weist er darauf hin, dass Fußgänger weniger Probleme mit Autos, sondern mit Fahrradfahrern hätten, die gegen sämtliche Verkehrsregeln verstoßen. „Der natürliche Feind des Fußgängers ist der Radfahrer. Uns würde also eher eine Rad freie Stadt helfen“, sagt er etwas provokant. Irrgang räumt aber ein, dass der autofreie Sonntag Frankfurt tatsächlich ruhiger und die Luft sicherlich etwas sauberer machen würde. Den bürokratischen Aufwand, um bei einer komplett autofreien Stadt etwa Sondergenehmigungen auszustellen, hält er aber für nicht leistbar.

Bertram Giebeler, verkehrspolitischer Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Frankfurt, ist gelassen. „Wir unterstützen das im Rahmen unserer Möglichkeiten, der autofreie Sonntag ist aber nicht unbedingt unser Kerngeschäft für dieses Jahr.“ Der ADFC setze sich für mehr Platz für Radfahrer in der Stadt ein. Prioritäten lägen deshalb auf dem Radentscheid und einer Fahrradspur in der Friedberger Landstraße.

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