Ein Carsharing-Auto parkt in Bornheim: Nach und nach sollen viele Stadtteile zu Parkscheinzonen werden. Dem nicht stationsbasierten Carsharing droht damit das Aus, weil die Stadt den Anbietern Parkerlaubnisse nur für Elektroflotten anbietet.
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Ein Carsharing-Auto parkt in Bornheim: Nach und nach sollen viele Stadtteile zu Parkscheinzonen werden. Dem nicht stationsbasierten Carsharing droht damit das Aus, weil die Stadt den Anbietern Parkerlaubnisse nur für Elektroflotten anbietet.

Elektro-Mobilität

Park-Probleme für Carsharing in Frankfurt: Politik in Frankfurt ringt um Lösung

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Das Angebot an nicht stationsbasierten Carsharing-Autos steht in Frankfurt vor dem Aus - allzu rigide Vorgaben der Stadt sind schuld. Korrigiert die Römer-Koalition nun ihre Entscheidung?

Frankfurt -Eine Ausnahmeregelung fürs Parken von Carsharing-Autos in Parkscheinzonen fordert die CDU-Fraktion im Römer. Dafür müsse die vom Stadtparlament vorgegebene Elektro-Quote mindestens ausgesetzt werden, sagt Fraktionsvorsitzender Nils Kößler. Die Koalition aus CDU, SPD und Grünen müsse ihre eigene Entscheidung überdenken.

Mit dem starken Ausbau der Parkscheinzonen schränkt die Stadt derzeit die Parkmöglichkeiten für nicht stationsbasierte Carsharing-Autos nach und nach ein. Rund 700 von ihnen sind in Stadt und Region unterwegs. Sie ersetzen bis zu 14 000 Autos, betont Andreas Hornig, Geschäftsführer des Anbieters "book-n-drive". Das habe 2019 eine Umfrage unter den Kunden ergeben.

CDU: "Eine Ausnahmeregelung muss her"

Parkausweise für Carsharing-Autos lassen die Stadtverordneten zwar zu, jedoch nur für Elektroflotten. "Das ist unpraktikabel und behindert die Verkehrswende, solange es nicht deutlich mehr Ladesäulen auf den Straßen Frankfurts gibt", sagt Kößler. Eine Ausschreibung der Stadt zum Ausbau des Ladesäulennetzes war jedoch im vorigen Jahr gescheitert. Auch der Anbieter "Share Now" hat in dieser Zeitung klargemacht, dass ein dichtes Ladesäulennetz Voraussetzung sei, damit er seine Flotte auf Elektroantriebe umstellen könne.

Grüne: "Die Anbieter müssen Ideen finden"

Bis das Ladesäulennetz ausgebaut ist, fordert Kößler für die stationsflexiblen Carsharing-Autos: "Eine sinnvolle Ausnahmeregelung muss her." Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) fordert diese ebenso, sieht sich aber an den Beschluss der Stadtverordneten von 2020 gebunden. Von dem will der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Wolfgang Siefert, nicht abrücken: "Die Elektroquote ist notwendig, wenn wir den öffentlichen Raum zur Verfügung stellen." Deshalb fordert er von den beiden Anbietern "Share Now" und "book-n-drive": "Die müssen jetzt neue Ideen finden."

Schließlich sei es ja auch ohne ein Ladesäulennetz "nicht unmöglich", eine solche Flotte zu betreiben. Dann müssten eben Mitarbeiter die Fahrzeuge zum Aufladen fahren, erklärt Siefert. Er räumt ein: Der Aufwand fürs elektrische Laden sei wohl größer und damit teurer für die Betreiber als das heutige Betanken.

Grüne: Lieber das Fahrrad fahren fördern

Außerdem gibt der Grüne zu: Seine Partei wolle lieber die Nutzung von Fahrrädern oder des öffentlichen Nahverkehrs für "eher kurze Wege" fördern. Das Carsharing sei zwar "ein Instrument, um Menschen vom eigenen Auto wegzulocken, aber nicht das ökologischste", sagt Siefert.

Dennoch sei Carsharing "ein sehr wichtiger Schritt auf unserem Weg zur autoarmen Stadt", betont CDU-Fraktionschef Kößler: "Es hilft denjenigen, die auf ein eigenes Auto verzichten wollen und nur noch für bestimmte Zwecke das Auto nutzen und ansonsten auf andere, abgasfreie Verkehrsmittel setzen." Deswegen solle Carsharing so leicht wie möglich gemacht werden. "Hier dürfen keine Steine in den Weg gelegt werden." Deshalb stellt er die eigene Elektrovorgabe für die Carsharing-Flotten in Frage: "Wir sind als Koalition gut beraten, das zu überdenken und zu ändern."

book-n-drive: "Wirklich ein Schmerzpunkt für viele Kunden"

So weit mag Grünen-Politiker Siefert nicht gehen. Aber es sei Fakt, dass beim Ausbau der Ladesäulen-Infrastruktur "nichts vorwärts" gehe. Sie sei aber die Basis für die Vorgabe der Elektroquote beim Carsharing gewesen. Diese sieht bereits eine Übergangslösung an: Anbieter müssen ab 2021 ihre Flotte zu 75 Prozent und ab 2024 vollständig elektrisch betreiben, wenn sie stadtweit gültige Parkausweise zu 700 Euro je Fahrzeug haben wollen. Diese Übergangsregelung "muss man der Realität anpassen", sagt Siefert.

Auf eine schnelle Lösung hofft "book-n-drive"-Chef Andreas Hornig. An diesem Carsharing-Anbieter hält die Stadt sogar selbst indirekt 75 Prozent. Die Firma sei jedoch 2018 "nicht involviert" gewesen, "als sich die Politik hier ein Meinungsbild verschafft hat". Nun litten die Nutzer unter der von der Politik vorgegebenen Reduzierung des Angebots, kritisiert Hornig. "Dies ist wirklich ein Schmerzpunkt für viele Kunden."

So parken Anwohner günstig

- Anwohner können in den Parkscheinzonen ihre Autos mit günstigen Bewohnerparkausweisen parken: Das kostet 50 Euro für zwei Jahre.

- "Auch ein Anwohner, der Carsharing benutzt, kann einen Bewohnerparkausweis beantragen", betont Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Wer die regelmäßige Nutzung nachweise, bekomme den Ausweis dann nicht auf ein festes Kennzeichen, sondern auf "wechselnd" ausgestellt.

- Die Stadt Frankfurt bietet dazu unter dem Stichwort "Bewohnerparkausweis" auf https://frankfurt.de auch einen kontaktlosen Online-Antrag an.

- Allerdings: Da der Ausweis im Fahrzeug sichtbar ausliegen muss, kann er nur während laufender Fahrzeugmieten - also etwa bei Mietwagen - genutzt werden. Er ist damit nicht nutzbar für die nicht stationsbasierten Carsharing-Autos ("free floating"). Denn diese werden flexibel überall geparkt, dann wird die Miete beendet. Ein anderer Kunde kann das Fahrzeug anschließend anmieten und von dort aus losfahren.

- Das Benutzen dieser nicht stationsbasierten, also der "free floating" Carsharing-Autos für so genannte Einwegfahrten ist nicht ganz billig. Es kostet beispielsweise für eine halbe Stunde und acht Kilometer für einen Smart bei "Share Now" 7,80 Euro und für einen VW Up bei "book-n-drive" 7,75 Euro.

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