Tanzverbot am Karfreitag

Die Party ging weiter

Ob das Tanzverbot für Karfreitag noch zeitgemäß ist, bleibt ein österliches Dauerthema. Während Befürworter und Gegner in der Theorie nicht zueinanderfinden, deklarieren in der Praxis die Clubs ihre Veranstaltungen als privat – und die Party geht weiter.

Von Michael Faust und Inga Janovic

Kirchendezernent Uwe Becker hatte seinen Appell schon zum Wochenanfang ausgesprochen: „Auch wer selbst nicht einer Religion angehört, sollte gegenüber den Gefühlen anderer Respekt aufbringen“, erklärte er in seiner Aufforderung, die Karfreitagsruhe zu achten und das Verbot von Tanzveranstaltungen für die Zeit von Gründonnerstag, um 4 Uhr, bis Karsamstag um Mitternacht beizubehalten.

An nicht wenigen Orten verhallte der Ruf des Stadtrates ungehört, das Partyvolk zog nahezu ungestört durch die Nacht. „Hier wird mit zweierlei Maß gemessen“, beschwert sich Dennis Smith, Chef des „Travolta“. Sein Club war in der Nacht auf Karfreitag geöffnet, drinnen lief allerdings eine „Privatparty“. „Kriegsfilme im Fernsehen und Kino sowie Musik mit zweideutigen Texten im Radio sind ok, aber Tanzen im Club wird verboten.“

Ganz andere Sorgen

Die Gäste haben für die gesetzliche Feiertagsregelung ebenfalls kein Verständnis. „Was ist denn eigentlich so schlimm am Tanzen?“, fragen sich Alex M. (36) und Toni K. (34) im „Travolta“. „Die Welt hat bei den ganzen Kriegen und Hungersnöten doch andere Sorgen. Dem Westen geht es scheinbar zu gut, wenn er aus Tanz an Ostern ein Problem konstruiert.“

Natascha (18) und Lea (18), die im „Stage Club FFM“ in das Osterwochenende hineinfeierten, bezeichneten es als schade, dass mit dem Feiertagsgesetz über die religiösen Empfindungen von so vielen Anders- und Nichtgläubigen bestimmt wird. „Die feiern gar kein Ostern und stören doch niemanden bei ihrer Religionsausübung, wenn sie in einem Club tanzen.“

Der „Stage Club FFM“ hatte seine Gäste per Aushang darauf hingewiesen, dass man nicht vorhabe, „ausgelassen zu feiern“. Ebenso wie die Privatpartys, die es in etlichen Clubs gab, eine Maßnahme, um das Risiko, zu einem Bußgeld verdonnert zu werden, zu mindern.

Pech gehabt

Allzu groß war das Risiko von Kontrollen in den beiden fraglichen Nächten aber nicht. Das Ordnungsamt hatte wie schon im vergangenen Jahr angekündigt, dass die Einhaltung des Tanzverbots nur im Rahmen des normalen Streifendienstes kontrolliert werde. Selbstverständlich werde auf eventuelle Beschwerden reagiert. Ob die Stadtpolizisten tatsächlich Anzeigen gegen Clubbetreiber verfasst haben, konnte Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) gestern nicht sagen. „Außergewöhnliches“ sei in der Nacht zum Karfreitag jedenfalls nicht vorgefallen. Schärfere Kontrollen zur Einhaltung der Karfreitagsruhe wünscht sich nicht einmal Uwe Becker. „Ich setze auf Einsicht. Aber ich bedauere niemanden. Wen es erwischt, der hat Pech.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare