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Auf der Zeil gehen viele Flaschen zu Bruch. Die Scherben sind mittlerweile in der ganzen Stadt ein Problem. Vor allem dort, wo die Menschen feiern.

Müllentsorgung

Partymeilen in Frankfurt versinken in Glasscherben – "Es wird überall konsumiert"

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In Großstädten fallen Unmengen von Müll an. Ganz aus dem Straßenbild wird er wohl nie verschwinden, auch wenn Frankfurt schon deutlich sauberer geworden ist. Ein zunehmendes Problem sind mittlerweile aber Massen von Glasscherben auf der Straße und in Grünanlagen.

Grün, weiß, braun, mitunter gelb oder lila schimmert es bei Sonnenschein auf der Zeil. Überall in der Fußgängerzone liegen Glasscherben auf dem Boden. Die Zeil ist aber kein Einzelfall. Fast in der ganzen Stadt sieht es so aus. Auf Schritt und Tritt knirscht es unter der Schuhsohle – im Bahnhofsviertel, in Alt-Sachsenhausen oder am Mainufer. Radfahrer müssen aufpassen, dass sie keinen Platten fahren.

Claudia Gabriel, Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, bestätigt diese Beobachtung: „Wir haben das nicht explizit evaluiert, aber Glasbruch hat zugenommen.“ Ganz schlimm sei die Situation rund um die Partymeilen, also dort, wo sich Menschen auch vor den Kneipen versammelten. Auch die Laufwege von U-Bahn-Stationen oder Bushaltestellen zu den Ausgehvierteln seien besonders betroffen. „Das hat auch damit zu tun, dass ständig und überall konsumiert wird“, sagt Gabriel.

Keine Eigenverantwortung

Auch in Grünanlagen und Parks gingen Flaschen vermehrt zu Bruch. Gabriel sieht einen direkten Zusammenhang mit einem veränderten Freizeitverhalten. Jeder wolle das schöne Wetter an der frischen Luft genießen, in diesem Sommer besonders exzessiv. „Geschäftlich müsste ich mich über Nieselregen freuen.“ Gabriel betont aber, dass sie sich freue, dass die Menschen die Grünanlagen annähmen. Ebenso würde sie sich aber freuen, wenn sie ihren Müll beseitigten. Denn Mensch wie Tier drohe Verletzungsgefahr durch die Scherben.

Dass Flaschen oder Pizza-Kartons oft liegenblieben, habe vielerlei Gründe. Das Hauptproblem sei aber mangelnde Eigenverantwortung. Denn: „Es kommt ja immer jemand und räumt alles wieder weg“, sagt Gabriel. Immer seien andere zuständig. Wofür gebe es schließlich die Mitarbeiter der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES), laute beispielsweise eine gängige Meinung. Und das eigene Fehlverhalten wird laut Gabriel sogar gerechtfertigt: „Ich habe mir nicht nur einmal anhören müssen, dass dadurch Arbeitsplätze gesichert werden.“

Die Stadt will beim Thema Sauberkeit gegensteuern und hat beispielsweise eigens die Kampagne „#cleanffm“ ins Leben gerufen (siehe eigener Artikel). Grundgedanke dabei ist es, auf Repressalien zu verzichten, die Menschen sollen zum Mitmachen animiert werden – damit werde schon bei den Kleinsten im Kindergarten oder in der Grundschule begonnen, etwa mit Aufräumaktionen. Pädagogisch sei dies, so Gabriel, der sinnvollere Weg. Um Verstöße ahnden zu können, fehle der Stadt ohnehin das Personal.

Geldstrafen sind fällig

Darauf geht Ordnungsamts-Sprecher Michael Jenisch nicht näher ein. Zuständig sei die Stadtpolizei mit derzeit 210 Mitarbeitern. Viele davon seien aber im Innendienst tätig. „Wie viele tatsächlich Tag für Tag auf der Straße sind, ist schwierig zu sagen“, erklärt er. Es gebe aber das Sachgebiet „Abfall, Umwelt, Naturschutz“, dessen Mitarbeiter sich hauptsächlich um Sperrmüll, illegale Abfallentsorgung von Lacken oder Ölen und auch um Kleinmüll – darunter fiele auch Glasbruch – kümmerten. Werde jemand auf frischer Tat ertappt, müsse er die Scherben beseitigen und müsse mit einer Geldstrafe rechnen. „Wie hoch die ist, hängt auch davon ab, ob der Verursacher schon bekannt ist“, sagt Jenisch. Er betont aber, dass es fast aussichtslos sei, die Verursacher im Nachhinein noch zu ermitteln.

Frank Diergardt vom Verein Neue Zeil bestätigt zwar, dass auf der Zeil viele Flaschen zu Bruch gehen. Das sei zwar ärgerlich, allerdings kein allzu großes Problem. Denn die Fußgängerzone werde mittlerweile sehr oft gereinigt. Nach Angaben von Gabriel sind Reinigungskräfte sechs Mal pro Tag unterwegs. „Wir sind auf jeden Fall sehr zufrieden“, sagt Diergardt.

Viele Scherben, auch auf der Zeil, könnten jedoch vermieden werden, ist Gabriel überzeugt. Flaschen gingen zu Bruch, weil sie für Flaschensammler abgestellt und häufig unbeabsichtigt zerdeppert würden, weil jemand darüber stolpere. Flaschenhalter, die an Papierkörbe montiert werden können, seien allerdings auch keine Lösung, betont Gabriel. „Die Halterungen werden zweckentfremdet und anderer Müll hineingestopft.“ Deshalb habe die Stadt Frankfurt auch ganz bewusst darauf verzichtet, die Halterungen anzuschaffen.

FNP-Kommentar: Flaschenpfand ist viel zu günstig

Von Matthias Bittner

Moderne Städter nehmen das Rad, weil es umweltfreundlicher ist. Beim Einkauf werden Bio-Produkte oder vegane Lebensmittel eingepackt. Und die Kleidung ist natürlich nachhaltig produziert. Der Umweltgedanke und eine unzerstörte Natur sind uns nämlich wichtig.

Bleibt nur die Frage, warum wir auf der anderen Seite solche Umweltsünder sind. Denn Fakt ist: In den Grünanlagen und auf der Straße wird, wenn keiner zuschaut, immer mehr Müll fallen- oder liegengelassen. Zu Hause würde dieses Verhalten doch niemandem ernsthaft in den Sinn kommen. Warum fällt es uns dann so schwer, auswärts die Flasche oder den Pizza-Karton in den nächsten Mülleimer zu stopfen, auch wenn der mehrere hundert Meter entfernt ist? Sind wir zu faul? Ist es Ignoranz? Oder ist es die schlechte Kinderstube?

Die Antwort ist schwer, eventuell ist es die Kombination aus allem. Sicher ist laut einer Littering-Studie (Littering, englisch, bedeutet „Abfall in die Gegend schmeißen“), dass es alle Altersgruppen tun. Es ist also nicht nur die angeblich ungezogene Jugend, es sind auch die Alten. Wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen. Und dürfen uns nicht beschweren, wenn die Reinigungsgebühren steigen. Offenbar sind sie noch zu niedrig, denn ein Umdenken setzt meist erst ein, wenn’s an den eigenen Geldbeutel geht. Kurzfristig würde helfen, das Flaschenpfand deutlich anzuheben.

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