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Freiluft-Feten: Jetzt gibt's Ärger in Nied

Partyvolk müllt die Nidda voll

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Anwohner und Naturschützer sind entsetzt und fordern hohe Bußgelder. Die Stadt kündigt Konsequenzen an

Frankfurt -Plastikmüll im Wasser, überquellende Mülleimer, Fäkalien in den Böschungen, zeltende Camper auf der Flussinsel, Autos, die über die Wiese bis ans Ufer fahren, wummernde Bässe aus Musikanlagen, die die Anwohner angrenzender Häuser nicht schlafen lassen: Es sind haarsträubende Verhältnisse, die Nieder Bürger in den sozialen Netzwerken, aber auch in Zuschriften an diese Zeitung anprangern.

Wie Rainer Jung, der den Umweltfrevel dokumentierte (siehe Fotos), in einer Facebook-Gruppe veröffentlichte und viel Zustimmung für seine Kritik erhielt. Er lebe jetzt seit 50 Jahren in Nied, sei praktisch im Niedwald aufgewachsen, berichtet der naturverbundene Mann. Doch den Müll, den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit habe er so konzentriert wie dieser Tage noch nicht erlebt. Er prangert die "systematische Nutzung der Nidda als Bade- und Freizeiteinrichtung" und die "gravierende Naturzerstörung und Vermüllung" an.

"Ich würde die Leute knallhart bestrafen"

Fassungslos reagiert auch der Naturschützer und erfahrene Gewässerökologe Gottfried Lehr auf die eskalierte Lage: "Die ganzen Leute, die sich sonst im Urlaub wie die Sau benehmen, machen das jetzt zu Hause", sagt er und spricht von "hemmungsloser Benutzung der Natur" und "skrupelloser Vermüllung des Naturschutzgebietes". Seit Monaten bereits trampelten Kanufahrer bei niedrigem Nidda-Pegel über Laichplätze von Fischen. Diese traurige Entwicklung zeige, "wie sehr wir uns von der Natur entfernt haben." Was schlägt er vor? "Ich würde stark kontrollieren, die Leute knallhart bestrafen - und gegebenenfalls Teile des Naturschutzgebietes für die Öffentlichkeit sperren."

Auch Thomas Schlimme, Grünen-Vorsitzender im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen), will eine rasche Lösung. In einem Antrag für die nächste Sitzung am Dienstag, 18. August, fordert er den Magistrat auf, zu handeln. "Die Situation ist keineswegs alleine Corona geschuldet," betont er darin. Vielmehr habe sich "die Attraktivität des Ortes einfach herumgesprochen". Corona sei da "nur das i-Tüpfelchen." Als Gegenmaßnahme schlägt Schlimme vor, wenigstens die Autos durch Poller oder Schranken daran zu hindern, die Rad- und Fußwege zu befahren. Zudem sei es auch wichtig, über Alternativangebote nachzudenken. So seien etwa am Rebstock "die Möglichkeiten, zu grillen und Freizeit im Grünen zu verbringen, massiv reduziert".

Zum Problem der ungefähr 15 gerade am Wochenende überquellenden Abfalleimer auf dem Areal am "Nidda-Wildwasser" deutet Peter Roser vom Grünflächenamt eine Lösung an: "Es wäre zu überlegen, am Niddaufer die Leerungen anders zu takten." Momentan werde dort am Montag, Mittwoch und Freitag geleert. Vorstellbar sei ein Leerungstermin etwa jeweils samstags - so wie die Stadt das beispielsweise am ebenfalls von Picknickern und Partyvolk aufgesuchten Mainufer oder im Güntersburgpark praktiziere.

Claudia Gabriel, die Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, bezeichnet die Hinweise dieser Zeitung als "ersten Fall, der uns in dieser Form gemeldet worden ist." Bekannt sei das Problem von den Schwanheimer Dünen. Dort habe Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), einen Landschaftslotsen eingesetzt, der seit Mai auch abends und am Wochenende zwischen Naturschutz und Naherholung vermittelt. Heilig selbst beklagt die seit Corona gestiegenen Abfallberge in Straßen, Parks und Grünanlagen: "Noch nie hat mich etwas so fassungslos, ratlos und wütend gemacht, wie das, was ich in Frankfurt seit März gesehen habe".

Deutliche Worte findet auch Stefanie Toth: Auf Anfrage spricht die Leiterin der Stadtentwässerung von "erschreckenden Ausmaßen" am Niddaufer. Dort, in der Landschaftsschutzzone II, seien mit Fördergeldern "neue wertvolle Lebensräume entstanden, die nun zerstört werden". Als Sofortmaßnahme kündigte sie an, das Parken auf den Wiesen im Bereich der Nidda durch Poller für Autos unmöglich zu machen. Auch soll es nach den Sommerferien einen Ortstermin mit allen beteiligten Ämtern und Behörden geben. "Leider mussten wir auch feststellen," fügt Toth hinzu, "dass auf Facebook für den Niddastrand als sehr schöner Grillplatz Werbung gemacht wird. Dies ist nicht in unserem Sinne."

Für die Stadtpolizei des Ordnungsamtes erklärte Michael Jenisch, dass er Beschwerdepunkte "nachvollziehen und teilweise bestätigen" könne. Allerdings hätten die Polizisten "bei Kontrollen vor Ort die Verursacher regelmäßig nicht angetroffen". Trotzdem, betont Jenisch, habe sein Amt "den Anspruch, Beschwerden so zeitnah wie möglich nachzugehen und dem Treiben dort ein Ende zu bereiten." michael forst

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