Zwischen vielen bunten Kinderbüchern fühlt Georg Kowalski, Vorsitzender des Vereins ?Mentor ? Die Leselernhelfer Hessen?, sich wohl.
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Zwischen vielen bunten Kinderbüchern fühlt Georg Kowalski, Vorsitzender des Vereins ?Mentor ? Die Leselernhelfer Hessen?, sich wohl.

Rund 700 Ehrenamtliche

Paten machen Frankfurter Kindern Lust aufs Lesen

Wenn Schüler Schwierigkeiten beim Lesen haben, dann greifen sie ein: Lesepaten. Zwei große Vereine gibt es in Frankfurt, die mit rund 700 Ehrenamtlichen 2 000 Kinder betreuen. Damit füllen sie eine wichtige Lücke in der schulischen Entwicklung der Kinder.

Georg Kowalski, Vorsitzender des Vereins „Mentor – die Leselernhelfer Hessen“ weiß, was seine ehrenamtlichen Mitarbeiter leisten. Denn auch er hat vor rund zehn Jahren als Lesepate angefangen. In der Ernst-Reuter-Schule hat er Fünft-, Sechst- und Siebtklässler betreut. Einmal in der Woche hat er sich mit jedem seiner Schützlinge getroffen, um mit ihnen das zu tun, was in der heutigen, von Technik bestimmten Zeit oft zu kurz kommt: lesen.

„Es ist zum einen die Eins-zu-Eins-Betreuung, die den Schülern unheimlich gut tut. Zum anderen helfen die Mentoren den Kindern, die Sprache besser zu verstehen und ihren Wortschatz zu erweitern“, sagt Kowalski. 500 Kinder betreut der Verein aktuell an 47 Schulen. Dazu zählen nicht nur Grund-, sondern auch weiterführende Schulen. „Damit sind wir einzigartig in Frankfurt. Bei den anderen Angeboten hört die Förderung nach der vierten Klasse auf“, so der Vorsitzende.

Wenn er von „den anderen spricht“, dann meint er einerseits die Elterninitativen, die ein Lesepatenprojekt ins Leben gerufen haben. Andererseits sind da seit 2011 die „Frankfurter Lesepaten“ der Bürgerstiftung. 350 Paten kümmern sich in diesem Verein aktuell um 1 500 Kinder.

„2016 haben wir so 40 000 Ehrenamtsstunden geleistet“, sagt Dagmar Haase, Sprecherin der Lesepaten. Das Konzept ähnelt dem der Leselernhelfer. Auch hier gibt es eine Eins-zu-Eins-Betreuung. Die Kinder suchen sich die Bücher aus, die sie lesen wollen, gemeinsam wird über die Texte gesprochen, werden schwierige Passagen erklärt. Aber es gibt auch einen Unterschied. Denn die Lesepaten der Bürgerstiftung konzentrieren ihre Arbeit auf Grund- und Förderschulen. „Man kann nicht früh genug anfangen, die Kinder zu fördern“, erklärt Haase. Auch bei den Schülern gebe es Unterschiede – die einen lernten „eher flott“, andere Kinder bräuchten eben etwas mehr Zeit.

„Es bringt überhaupt nichts, die Kinder durch ein Buch hindurch zu prügeln. Jedes Kind lernt anders, dieses Gespür sollte man als Lesepate unbedingt mitbringen“, erklärt Georg Kowalski von den Leselernhelfern. Der Erfolg zeige sich übrigens nicht nur im Deutsch-, sondern auch im Sachkunde- oder Mathematikunterricht. „Textaufgaben werden plötzlich viel besser verstanden“, so Kowalski.

Auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern ist der Praunheimer eigentlich immer. Denn in jedem Jahr gibt es Schulen, die Bedarf bei ihm anmelden. Aktuell sucht Kowalski Paten für das Gymnasium Nord in Westhausen. 156 Schüler werden dort seit diesem Schuljahr unterrichtet, aufgeteilt auf die Jahrgangsstufen fünf und sechs.

Suche nach Helfern

„Der Schulleiter Michael Haas hat sich an mich gewandt, acht bis zehn Kinder gibt es, die betreut werden sollten“, erklärt Kowalski, betont aber auch gleich, dass ihm in diesem Fall die Hände gebunden sind. Nicht, weil er nicht helfen will, sondern weil er nicht helfen kann. Im fehlen schlichtweg die Mentoren im näheren Umkreis. „In Hausen, Praunheim und Westhausen mangelt es an Helfern. Sie sollten allerdings nicht zu weit weg von der Schule wohnen und ewig durch die Stadt fahren müssen. Schließlich handelt es sich immer noch um ein Ehrenamt und nicht um einen Vollzeit-Job“, so der Vorsitzende.

Bedarf im Westen

Ähnlich geht es den Lesepaten – sie suchen aktuell Unterstützer an der Theboald-Ziegler, der Boehle-, der Eichendorff- und der Ackermannschule. „Im Westen gibt es einen großen Bedarf, potenzielle Paten leben aber eher im Nord- und im Westend“, erklärt Haase. Deswegen suche man jetzt Ehrenamtliche, die bereit seien, einen weiteren Weg in Kauf zu nehmen.

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