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Paten, Päckchen, Empathie

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Von: Sabine Schramek

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Daniel Eckelmann ist Lehrer für Sport und Physik und jetzt auch Koordinator der Unterstützungshilfen für die neuen Schüler aus der Ukraine. Klar, dass er da auch die passende Landesfahne parat hat.
Daniel Eckelmann ist Lehrer für Sport und Physik und jetzt auch Koordinator der Unterstützungshilfen für die neuen Schüler aus der Ukraine. Klar, dass er da auch die passende Landesfahne parat hat. © Michael Faust

Frankfurter Schillerschule setzt sich für Geflüchtete aus der Ukraine ein

Damit vor dem russischen Angriffskrieg Geflüchtete aus der Ukraine ein Stück weit Normalität in Frankfurt erfahren können, helfen ihnen viele Privatleute, Vereine und Institutionen. Die Schillerschule gehört auch dazu und hat ihren ukrainischen Schülern Patenschüler an die Seite gestellt.

Die Würde der Menschheit

Die Abiturprüfungen sind gerade überstanden. Der gesamte Zaun an der Schillerschule mit ihren rund 1000 Schülern hängt voller Motivationsplakate für die Abiturienten. Es wirkt fast wie vor Corona und vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Auf dem Pausenhof wird gelacht und Ball gespielt, aus den Klassenzimmern drängen Schüler in die Pause. Bereits im Schuljahr 2018/2019 haben sich Schüler, Eltern und Lehrer ein Zitat von Friedrich Schiller als Leitbild ausgesucht. "Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben. Bewahret sie! Sie sinkt mit euch; mit euch wird sie sich heben!" Wie intensiv sie es seit Kriegsbeginn leben, konnte damals niemand ahnen.

Daniel Eckelmann ist Lehrer für Sport und Physik, seit Ende Februar ehrenamtlich zusätzlich Koordinator der Unterstützungshilfen. "Wir waren alle geschockt und alle wollten spontan helfen", sagt er ruhig. Mit "alle" meint er Schüler, Kollegen und Eltern. Einen Hilfsgütertransport inklusive Fahrern haben sie organisiert. "Dann kam die öffentliche Empfehlung, nicht an die Grenze zu fahren. Also haben wir umdisponiert. Etwa 700 bis 800 Schüler haben unverdebliche Lebensmittel wie Kaffee, Trockeobst, Nudeln und Hygieneartikel gesammelt und alles vor dem Unterricht sortiert und in Kisten verpackt in zwei Sprinter geladen. Der Ukrainische Verein Frankfurt hat die Sachen dann zur zentralen Sammelstelle gebracht", erzählt Eckelmann. Im Unterricht und auf dem Pausenhof ist der Krieg immer wieder Thema und die Schüler wollten noch mehr helfen. Alle fünften bis Q4-Klassen, die jetzt Abi gemacht haben, waren beim Spendenlauf im Sportunterricht dabei, der dafür an den Main verlegt wurde. "Jeder Schüler hat bei seinen Großeltern, Eltern, Geschwistern, Tanten, Onkels und Bekannten dafür geworben, einen selbst ausgewählten Betrag für jede gelaufene Runde für Unkraine-Flüchtlinge zu spenden", erzählt Eckelmann. Da es keine 400 Meter-Bahn in der Schule gibt, wurde die Strecke draußen abgesteckt. "Es war unglaublich. Alle waren dabei und es wurde gelaufen und gelaufen", sagt er stolz. "Eine fünfstellige Summe ist zusammengekommen. Das hätten wir nie gedacht."

Mehr Geld, als erwartet

Die Schülervertretung hatte zuvor beschlossen, das erlaufene Geld an "Frankfurt Hilft" zu spenden. "Da der Betrag so hoch geworden ist, wird ein Teil davon noch an eine weitere Hilfsstelle gehen. Darüber diskutieren wir gerade", so der engagierte Lehrer.

Seit drei Wochen sind auch zehn ukrainische Schüler an der Schillerschule, die die Klassen 5 bis 10 besuchen werden. Noch sind sie weitgehend zusammen in einer Intensivklasse, um Deutsch in Wort und Schrift zu lernen. Ein Schüler aus der 10. Klasse hilft beim Dolmetschen. Drei Lehrer haben sich freiwillig gemeldet, um die Kinder zu unterrichten. "Da braucht es schon pantomimische Kreativität. Die Lehrer sprechen weder ukrainisch noch russisch, aber es klappt toll." Schon jetzt können sie sich miteinander verständigen. "Die Kinder wollen lernen und haben richtig Lust drauf. Den Lehrern macht es ebenfalls großen Spaß." Seit dieser Woche besuchen die Neuen sogar schon ihre Regelklassen. Eckelmanns Augen leuchten. "Damit sie da nicht alleine sind, haben sich Schüler als Paten für sie gemeldet. Als Ansprechpartner, wenn Fragen aufkommen oder wenn etwas nicht glatt läuft." Ältere Schüler kümmern sich um die jüngeren. "Das fördert die Empathie." Die neuen Schüler können bei allen AGs vom Jonglieren über Theater, Wissenschaft, Technik und Schulgarten mitmachen und gemeinsame Ausflüge in den Zoo sind ebenfalls schon in Planung. "Alle wollen, dass sich die Geflüchteten hier wohlfühlen und alle lernen voneinander und übereinander. Das ist ein richtig schönes Gefühl. Für die Eltern ebenso wie für die Schüler und uns Lehrer. Wenn es nach uns geht, können noch mehr ukrainische Flüchtlinge zu uns an die Schule kommen."

SABINE SCHRAMEK

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