Jahreswechsel

Sie patrouillierten in Preungesheim, um Brände und Randale zu verhindern

Mülltonnen brannten auch an diesem Silvester in der Karl-Kirchner-Siedlung. Immerhin passiert viel weniger als noch vor zehn Jahren. Das liegt vor allem an den Jungs vom Sportverein Frankfurt Nord.

Die Jungs vom Sportverein Frankfurt Nord sind zwischen 18 und 30 Jahren alt, aber sie können, was der Polizei an Silvester in der Karl-Kirchner-Siedlung nur schwer gelingt: Sie können gleichaltrige Randalierer stoppen, ohne durch ihr Eingreifen die Stimmung anzuheizen. Denn seit Jahren kam es in der Siedlung zwischen Jaspertstraße und Wegscheidestraße an Silvester immer wieder zu Brandstiftungen und Randale. Rückten Polizei und Feuerwehr an, wurde es meist noch wilder. Auch Leute von außerhalb, für die Party Krawall heißt, zog es deshalb in das Viertel. „Das konnte so nicht bleiben“, sagt der 30-jährige Abdelkarim Bouassam vom SV. „Was in unserer Siedlung passiert, geht uns alle an. Den Schaden tragen schließlich die, die hier wohnen.“

Das verstehen nach wie vor nicht alle, wieder war Preungesheim in der Bilanz der Polizei namentlich verzeichnet. Dabei übernehmen schon seit 2009 die rund 20 Jungs vom SV in Absprache mit der Polizei nächtliche Kontrollgänge durch die Siedlung. „Wir kennen die Menschen hier persönlich“, sagt Bouassam. „Wir gehören eben dazu.“

Um 18 Uhr starteten er und seine Freunde ihren Dienst. Mindestens 30 Mal lief jeder rund um die Siedlung; erst allein, ab 21 Uhr in Fünfer-Gruppen. Der Dauereinsatz begann um 23 Uhr. Die Männer achteten vor allem darauf, dass keine Mülltonnen brennen. Das ist bei einigen Jugendlichen eine eigentümliche Tradition.

Rund 15 Müllbehälter qualmten schon, als die Helfer sie entdeckten. Schnell stellten sie die Tonnen auf den Kopf, um das Feuer zu ersticken. 40 weitere Tonnen hätten gebrannt, wären die SV-ler nicht unterwegs. Sie standen schon bereit. „Wenn die Jugendlichen uns kommen sehen, lassen die den Blödsinn sein“, sagt der Vereinsvorsitzende und SPD-Stadtverordnete Abdenassar Gannoukh, der wieder dabei war. Kurz vor Mitternacht ertappt er drei Jugendliche, die sich an Mülltonnen zu schaffen machen. Zwei springen schnell fort und machen unschuldige Mienen. Nur der dritte hat nichts bemerkt und bekommt große Augen, als Gannoukh plötzlich neben ihm steht. „So, und jetzt helfe ich dir, die Tonne wieder zurückzuschieben.“

Ab Mitternacht wird’s anstrengend. Eine Gruppe von etwa zwölf Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren liefert sich mit den Aufpassern ein

Katz-und-Maus-Spiel

. Sind die an der einen Seite der Siedlung, stecken die Jugendlichen drüben eine Tonne an. Eine Stunde spielen Gannoukh und die anderen mit, dann ruft er die Polizei. Die kommt mit einem Großaufgebot, nimmt zwei junge Männer, 18 und 20 Jahre alt, wegen des Verdachts auf Brandstiftung fest.

Angesichts dessen spricht die Polizei nicht von einer „friedlichen Nacht“, Gannoukh hingegen schon. Verglichen mit früheren Jahren sei dieses Silvester weitgehend ruhig gewesen. Fragt man die Jungs vom SV Frankfurt Nord, warum sie jedes Jahr zur Stelle sind und nicht lieber selbst Silvester feiern, sagen sie: „Weil es unsere Siedlung ist.“ Und einer, der seinen Namen nicht nennt, fragt zurück: „Wo sollten wir denn auch feiern? In Wohnungen, in denen Kinder schlafen oder in Clubs, die wir nicht bezahlen können?“

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