Eindrucksvoll, aber doch in die Jahre gekommen: Das Nationaldenkmal Frankfurter Paulskirche ist zum Sanierungsfall geworden. Und nebendran soll ein „Haus der Demokratie“ entstehen.
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Eindrucksvoll, aber doch in die Jahre gekommen: Das Nationaldenkmal Frankfurter Paulskirche ist zum Sanierungsfall geworden. Und nebendran soll ein „Haus der Demokratie“ entstehen.

Wiege der deutschen Demokratie

Berlin macht Sanierung der Frankfurter Paulskirche zur Chefsache

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Zwar wird es nichts mehr mit einer Sanierung der Paulskirche bis zum Jubiläum 2023. Dafür will sich der Bund finanziell beteiligen.

  • Die Sanierung der Paulskirche in Frankfurt verzögert sich.
  • Der Bund will sich an dem Projekt beteiligen.
  • Ein Haus der Demokratie soll gebaut werden.

Frankfurt - Die Sanierung der Paulskirche verzögert sich weiter. Das hat Baudezernent Jan Schneider (CDU) in der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten verkündet: „Man darf nicht davon ausgehen, dass mit der Sanierung direkt nach der Jubiläumsfeier im Mai 2023 begonnen wird“.

Überprüfung der Flucht- und Rettungswege in der Frankfurter Paulskirche

Die Stabsstelle Paulskirche hat zu Jahresbeginn die Arbeit aufgenommen. Seither hätte man die vorhandene feste Bestuhlung sowie die Flucht- und Rettungswege überprüft, externe Experten mit restauratorischen Voruntersuchungen zum Zustand der Natursteinfassade sowie dem Dach beauftragt und Gespräche mit der Stiftung „Lebendige Stadt“ geführt, die die Illumination der Paulskirche finanziell unterstützen will. Darüber hinaus habe die Stabsstelle ein Vergabeverfahren für die Planungsleistungen vorbereitet. „Dieses wollten wir in diesen Tagen ausschreiben, dann wären wir im Zeitplan gewesen“, sagte Schneider.

Bundesregierung möchte bei der Sanierung der Paulskirche in Frankfurt mitreden

Doch daraus wird nichts. Warum? Weil der Bund sich am Projekt beteiligen will, auch finanziell. Dafür will die Bundesregierung bei den Planungen ein Wörtchen mitreden. So hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei einem Termin mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Dezernent Schneider und Sebastian Popp (Fraktionschef der Grünen im Römer) den Wunsch geäußert, die Sanierung der Paulskirche und den Bau eines Haus der Demokratie zusammenzudenken.

„Das bedeutet, dass wir jetzt erst einmal intern klären müssen, wer für was zuständig ist“, sagte Schneider. Bisher lag die Sanierung der Paulskirche organisatorisch in den Händen des Baudezernats von Schneider. Die Federführung für ein angedachtes Haus der Demokratie hingegen hatte das Büro des Oberbürgermeisters. „Beide Projekte in den Blick zu nehmen, macht die ganze Sache komplizierter, wir hatten sie bewusst getrennt“, so Schneider. Die Bauverwaltung sei der falsche Ansprechpartner für das Haus der Demokratie. „Wir können das Gebäude zwar bauen, aber uns nicht inhaltlich damit auseinandersetzen“, so Schneider.

Ideenskizze für den „Demokratiestandort Paulskirche“ soll entwickelt werden

Auf Vorschlag des Bundes soll zunächst eine Ideenskizze für den „Demokratiestandort Paulskirche“ entwickelt werden. Dieses Konzept wird von dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler, dem Historiker Hans Walter Hütter und dem Architekt Peter Cachola Schmal erarbeitet. Auf dieser Grundlage soll dann auf Initiative der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in Abstimmung mit allen Beteiligten die weitere Arbeitsstruktur festgelegt werden. Zudem soll eine Expertenkommission gegründet werden und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Entwurf für ein Gesamtkonzept erfolgen. „Das wird eine komplexe Angelegenheit“, sagte Schneider.

Der Stadtverordnete Thomas Dürbeck (CDU) hat den Eindruck, dass jetzt „alle möglichen Leute“ mitmischen wollen. „Es besteht die Gefahr, dass zu viele Köche den Brei verderben“, sagte er und warnte, zu lange mit einer Sanierung der Paulskirche zu warten. „Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat uns zwar Geld in Aussicht gestellt, eine Ewigkeitsklausel gibt es aber nicht.“

Frankfurter begrüßt die Einmischung des Bundes bei der Sanierung der Paulskirche

Für Bernhard Ochs (Frankfurter) ist es höchste Zeit, dass sich der Bund einmischt. „In Berlin hat man erkannt, dass man die Paulskirche zur Chefsache machen muss, weil wir es in Frankfurt nicht hinbekommen“, sagte er. „Das ist ein Armutszeugnis und so geht man mit Geschichte nicht um.“ Viel zu lange habe man mit der Sanierung des „Symbols der Freiheit“ gewartet.

Uwe Paulsen (Grüne) erklärt, im November habe man den Beschluss gefasst. „Es geht jetzt darum, dass wir diesen operativ umsetzen“. Es sei wichtig, dass sich Bund und Land beteiligen wollten. Aber es sei ein Frankfurter Projekt, man solle sich an der Sanierung nicht „parteipolitisch profilieren“ wollen. „Wir können es uns nicht leisten, dass das Projekt scheitert.“ (Von Julia Lorenz)

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