Polizeiaktion in Frankfurt-Fechenheim

Peinlich! Polizei stürmt falsche Wohnung

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Es ist Montag früh gegen 2.30 Uhr, als die Polizei eine Wohnung in der Bürgeler Straße in Fechenheim stürmt. Sie suchen einen Mann, der zuvor einen Jugendlichen im Streit niedergestochen hat. Doch die Beamten irren sich in der Tür – und stürmen die falsche Wohnung.

Nur notdürftig haben die Handwerker die Tür auf die Schnelle geflickt, so dass sie nun wieder im Rahmen sitzt. „Zwischen dem Metallrahmen und dem Mauerwerk ist aber immer noch soviel Platz, dass ich meine Hand hindurch stecken kann“, demonstriert Wohnungsmieter Rone Schilling (28). Durch die Ritzen, die er notdürftig mit Zeitungspapier zugestopft hat, pfeift der Wind. Am Morgen nachdem nachts um halb Drei ein Überfallkommando der Polizei fälschlicher Weise seine Wohnungstür aufgebrochen hatte, war er noch ziemlich mitgenommen. Der Rücken schmerzte, denn die Beamten hatten ihn zu Boden gerissen und gefesselt. Erst danach stellten sie fest: Sie waren in der falschen Wohnung. Denn eigentlich suchten sie seinen Nachbarn.

Zimperlich waren die Polizisten nicht. Erwarteten sie doch, einen 31-Jährigen Marokkaner anzutreffen, der am Abend zuvor zwei Jugendliche mit dem Messer attackiert und einen von ihnen schwer verletzt hatte. „Die Kollegen mussten damit rechnen, dass der Gesuchte auch auf sie mit einem Messer losgeht“, so Polizeisprecher Rüdiger Reges.

Anfangs hätten sie gar nicht verstanden, was vor ihrer Wohnung passiert, sagt Schilling. Als der zurzeit arbeitslose Garten- und Landschaftsbauer und seine Freundin beschlossen, ins Bett zu gehen, hörten sie einen dumpfen Schlag. „Wir dachten, da wäre mal wieder jemand vor die Fußmatte getreten und die sei dann gegen die Tür geschlagen. Beim zweiten Schlag dachten wir: Nun ist er auch noch selbst gegen die Tür gestoßen. Erst als beim vierten Schlag jemand rief: Polizei, machen sie die Tür auf, dämmerte uns, was vor sich geht.“

Kurz darauf schaute Schilling noch auf dem Sofa sitzend und mit erhobenen Händen, in den Lauf einer Pistole. „Ich war total geschockt und wusste nicht recht, was das soll. Es war nur klar, dass da etwas falsch läuft. Sie brüllten, ich solle mich auf den Boden legen. Als ich mich vorbeugte, rissen sie mich zu Boden.“ Er spürte ein Knie im Rücken, wurde zu Boden gedrückt und gefesselt. Erst jetzt merkten die Beamten offenbar, dass sie den Falschen hatten. „Sie sagten, sie suchen einen Marokkaner. Ich erwiderte: Seh ich etwa wie ein Marokkaner aus? Probiert es in der Wohnung nebenan.“

Wieder ging alles schnell, erzählt Schilling. „Vielleicht zehn Sekunden später brachen sie die Tür zur Nachbarwohnung auf.“ Dort nahmen sie den Gesuchten schnell fest, wie Polizeisprecher Reges erklärt: Der habe offenbar von dem Polizeieinsatz nebenan gar nichts mitbekommen und sei völlig überrascht gewesen.

Erst als alles vorbei war, habe er realisiert, was passiert sei, sagt Schilling. „Der Adrenalinschub kam, als ich meine kaputte Wohnungstür sah.“ Am Tag danach taten noch die Rippen weh, inzwischen gehe es aber wieder, erzählt er. Er betont: Trotz des Schocks sei er den Beamten nicht böse. Die Fesseln lösten sie, sobald sie ihren Irrtum erkannten. Auch hätten sie sich sofort entschuldigt. Ein Beamter habe sich mit ihm unterhalten, ihn „runter gebracht“, das habe sehr geholfen.

Auch dass sie nicht zimperlich waren, könne er verstehen, sagt Schilling. „Die haben damit gerechnet, dass es gefährlich wird.“ Über seinen Nachbarn wisse er nicht viel. „Er geht regelmäßig seiner Arbeit nach.“

Der Polizei tue der Fehler leid, beteuert Reges. Gegen 19.30 Uhr seien ein 15- und ein 16-Jähriger mit dem 31-jährigen Marokkaner in der Plessengasse in Streit geraten, so eine Polizeimeldung. „Es entwickelte sich eine Auseinandersetzung, in deren Verlauf der 31-Jährige ein Messer zog. Dabei wurde der 16-Jährige schwer verletzt.“ Der 15-Jährige wurde leicht verletzt. Die Beamten mussten schnell handeln und wussten von dem Tatverdächtigen nur, dass er im ersten Stock des Hauses in der Bürgeler Straße wohnte. „Dort fragten sie eine Dame im Erdgeschoss nach der Wohnung des Verdächtigen. Diese täuschte sich leider“, erklärt Reges den Fehler. Zumal an der Klingel neben der Wohnungstür kein Name stehe.

Schon in der Nacht hätten Handwerker seine Wohnungstür wieder provisorisch repariert, sagt Schilling. Die Polizei komme für den Schaden auf. Den größten Schock habe wohl seine Katze erlitten. „Sie ist total verängstigt, hat bis jetzt noch nichts gefressen. Selbst wenn ich sie streichele, ist sie angespannt. Und immer wenn sie im Treppenhaus ein Tür zugeschlagen wird, verkriecht sich sofort.“ Einen Anwalt hat er noch nicht eingeschaltet.

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