Wer wie hier auf der Zeil Glasscherben hinterlässt, ist mehr als nur ein Müllsünder. Andere könnten sich daran schwer verletzen. Für die Unsitte, achtlos seinen Abfall wegzuwerfen, zahlt man in Frankfurt 55 Euro Bußgeld. Petitionsverfasser Michael Zierlein fordert 150 bis 500 Euro.
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Wer wie hier auf der Zeil Glasscherben hinterlässt, ist mehr als nur ein Müllsünder. Andere könnten sich daran schwer verletzen. Für die Unsitte, achtlos seinen Abfall wegzuwerfen, zahlt man in Frankfurt 55 Euro Bußgeld. Petitionsverfasser Michael Zierlein fordert 150 bis 500 Euro.

Stadt immer schmutziger

Petition: Müllsünder aus Frankfurt sollen bis zu 500 Euro zahlen

Der Initiator der Petition Michael Zierlein ist überzeugt: Nur wenn's kräftig ans Geld geht, denken die Menschen in Frankfurt um.

  • Mit einer Petition will ein Frankfurter gegen „wilden Müll“ vorgehen.
  • In der Corona-Pandemie hat sich das Problem in Frankfurt zusehens verschärft.
  • Die Strafen sollten viel empfindlicher ausfallen, fordert der Initiator.

Frankfurt - Die Brötchentüte, die in die Büsche fliegt. Das benutzte Taschentuch, das einfach fallen gelassen wird. Der leere Kaffeebecher, der neben der Parkbank zurückbleibt. Das und vieles mehr hat Michael Zierlein im Kopf, wenn er von „Littering“ spricht: der Verschmutzung öffentlicher Flächen durch Müll. Genau dagegen richtet sich eine Petition an das Bundesumweltministerium und an den Bundesrat, die der 31-jährige Frankfurter vor wenigen Wochen gestartet hat. Darin regt er an, solche Fälle künftig mit deutlich höheren Bußgeldern zu ahnden, um so ein Umdenken zu bewirken.

Müll in Frankfurt: Ärgerlich und umweltschädlich

Während der Corona-Pandemie sei er morgens oft am Main entlangspaziert, sagt Zierlein, der Geschäftsführer der Firma Arryve in Darmstadt ist, die Software für Kommunen und Verkehrsbetriebe entwickelt. Dabei fielen ihm die Unmengen an Müll auf, die dort herumlagen. Den gleichen Eindruck dürfte Peter Postleb haben, wenn er durch die Stadt geht. Dieser Tage hat der reaktivierte ehemalige Leiter der Stabsstelle Sauberes Frankfurt seinen Bericht vorgelegt. Tenor: Der Müll ist ein riesiges Problem.

Der Tropfen, der das Fass bei Michael Zierlein zum Überlaufen brachte, war eine Begegnung auf der Fähre von Bingen nach Rüdesheim. Dabei bemerkte der 31-Jährige eine E-Bike-Fahrerin, die eine Zigarette rauchte. Nicht dass er etwas gegen Raucher hätte, sagt er. Aber dass die Frau ihre Kippe achtlos in den Rhein fallen ließ, das ging ihm gegen den Strich. Schließlich enthalte der Stummel giftige Inhaltsstoffe, die die Umwelt schädigten.

Auch wirtschaftliche Schäden durch Müll - Nicht nur in Frankfurt

Doch die Frau ansprechen und damit eine Auseinandersetzung riskieren? Lieber nicht, beschloss Zierlein. Und er ärgerte sich danach über sich selbst. Und überlegte, was er denn tun könnte, um dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Schließlich, sagt er, schade Müll nicht nur der Natur, sondern richte auch wirtschaftliche Schäden an: „Laut einer Studie kostet Littering den deutschen Steuerzahler pro Jahr rund 700 Millionen Euro.“

Ganz zu schweigen von weiteren Folgen. „Wenn wir so ein Thema in Deutschland nicht in den Griff kriegen, wie können wir dann von anderen Ländern erwarten, dass sie sich an das Pariser Klimaschutzabkommen halten?“ Dass Freiwillige kürzlich auf dem Opernplatz Abfälle eingesammelt haben, findet er großartig. Aber eigentlich sei es doch schade, wenn einige wenige den Müll anderer wegräumten - „das ändert ja nichts an der Einstellung der Leute“.

Initiator der Petition für Strafen auf Müll: „Umdenken muss beim Konsumenten beginnen“

So kam er auf die Idee mit der Petition, in der er Bußgelder zwischen 150 und 5000 Euro für unrechtmäßig entsorgten Müll vorschlägt. Denn eine Verbesserung könne man wohl nur dann bewirken, wenn man die Menschen an einer empfindlichen Stelle treffe: den Geldbeutel. Was ihm ebenfalls wichtig ist: Die Strafen müssten bundesweit einheitlich gestaltet werden, um ein klares Bewusstsein für das Problem zu schaffen. Letztlich gehe es um das Thema Selbstverantwortung, sagt er. „Das Umdenken muss beim Endkonsumenten beginnen. Er ist bisher viel zu wenig in der Pflicht.“

Petition für Strafen auf wilden Müll in Frankfurt braucht 50 000 Unterschriften

In Frankfurt wurde das Bußgeld für Abfallsünden erst kürzlich von 30 auf 55 Euro angehoben. Zu wenig, findet Zierlein. Dass höhere Bußgelder auch langwierige Anhörungsverfahren nach sich ziehen, ist ihm bewusst, ebenso das Problem mit der Kontrolle der Vorschriften. Aber, hält er dagegen, die Strafen würden auch mehr Geld in die öffentlichen Kassen spülen. Damit könnte man zusätzliche Mitarbeiter finanzieren und präventive Maßnahmen, etwa in Schulen. Denn dass man seinen Müll nicht einfach in die Büsche werfe, sei auch Erziehungssache: „Man muss das von klein auf lernen.“

Knapp 360 Menschen haben seine Petition bisher unterzeichnet, die zeitlich nicht begrenzt ist. Wenn es nach Zierlein geht, sollen es noch viel mehr werden. 50 000 Unterstützer hat er sich als Ziel gesetzt: „Man braucht gewisse Strahlkraft. Je mehr unterschreiben, desto mehr kann man bewirken.“ (Von Brigitte Degelmann)

Hier findet man die Petition

Michael Zierleins Petition für höhere Bußgelder bei achtlos weggeworfenem Müll ist im Internet unter „change.org“ zu finden: www.change.org/litteringffm.

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