Petra Lau (54) ist seit Anfang April neue Leiterin des Straßenverkehrsamts der Stadt Frankfurt. Seit neun Jahren wohnt sie mit ihrem Mann in Sachsenhausen. Sie besitzt nicht nur ein Auto, sondern nutzt auch Busse und Bahnen und ist schon länger per Pedelec unterwegs. Das Radfahren bedeutet ihr "besondere Lebensqualität", weil sie damit direkt in der Natur unterwegs sein könne, sagt sie - am Wochenende auch gern für längere Ausflugsstrecken. Nach der Verwaltungsausbildung in Nordrhein-Westfalen war Lau zunächst bei der Stadt Xanten am Niederrhein im Ordnungsamt tätig, ab 2012 im Rathaus Eschborn als Fachbereichsleiterin Verkehr und Umwelt, von 2014 an als Verkehrs- und Ordnungsamtsleiterin in Friedrichsdorf. Petra Laus Vorgänger in Frankfurt, Gert Stahnke, war Ende 2019 in den Ruhestand gegangen. Das Amt mit 300 Mitarbeitern ist fürs gesamte Verkehrsgeschehen auf den Straßen zuständig - von Fußgängern bis zum Schwerverkehr, von Planungen und Konzeptionen, Ampeln über Markierungen bis hin zu Beschilderungen, von Genehmigungen für Baustellen bis hin zu Parkplätzen und deren Überwachung. dpg/Fotos: Sauda
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Petra Lau (54) ist seit Anfang April neue Leiterin des Straßenverkehrsamts der Stadt Frankfurt. Seit neun Jahren wohnt sie mit ihrem Mann in Sachsenhausen. Sie besitzt nicht nur ein Auto, sondern nutzt auch Busse und Bahnen und ist schon länger per Pedelec unterwegs. Das Radfahren bedeutet ihr "besondere Lebensqualität", weil sie damit direkt in der Natur unterwegs sein könne, sagt sie - am Wochenende auch gern für längere Ausflugsstrecken. Nach der Verwaltungsausbildung in Nordrhein-Westfalen war Lau zunächst bei der Stadt Xanten am Niederrhein im Ordnungsamt tätig, ab 2012 im Rathaus Eschborn als Fachbereichsleiterin Verkehr und Umwelt, von 2014 an als Verkehrs- und Ordnungsamtsleiterin in Friedrichsdorf. Petra Laus Vorgänger in Frankfurt, Gert Stahnke, war Ende 2019 in den Ruhestand gegangen. Das Amt mit 300 Mitarbeitern ist fürs gesamte Verkehrsgeschehen auf den Straßen zuständig - von Fußgängern bis zum Schwerverkehr, von Planungen und Konzeptionen, Ampeln über Markierungen bis hin zu Beschilderungen, von Genehmigungen für Baustellen bis hin zu Parkplätzen und deren Überwachung. dpg/Fotos: Sauda

Montagsinterview

Petra Lau: "Mehr Homeoffice würde Verkehr auf den Straßen reduzieren"

Petra Lau, Leiterin des Straßenverkehrsamtes in Frankfurt, ist sicher, der Corona-Effekt beeinflusst das Verkehrsverhalten. Doch was davon übrig bleibt, ist ungewiss.

Frankfurt - Was auf Frankfurts Straßen los ist, dafür ist sie zuständig: Petra Lau leitet das Straßenverkehrsamt der Stadt. Im April, mitten in der Corona-Hochphase, hat die Sachsenhäuserin ihre neue Position angetreten. Im Interview mit Redakteur Dennis Pfeiffer-Goldmann äußert sie sich unter anderem zur Testsperrung am Mainkai und erklärt, wer die Verlierer der Verkehrswende sein werden.

Warum sind Sie nach Frankfurt gewechselt, Frau Lau?

Das war die Herausforderung, in einem Amt dieser Größenordnung zu arbeiten und mich auf Straßenverkehr fokussieren zu können. Mit etwas über 300 Mitarbeitern ist das eine andere Größenordnung, als ich sie zuvor im Ordnungsamt in Friedrichsdorf hatte. Als Leiterin einer Ordnungsbehörde war Straßenverkehr bisher immer nur ein Teil vom Ganzen. Und es spielt der Aspekt mit, in der Stadt, in der ich seit neun Jahren lebe, teilhaben zu können - gerade in einer Zeit, in der sich in Frankfurt und in Sachen Mobilität so vieles ändert.

Die Pandemie scheint Veränderungen im Verkehrsverhalten zu verursachen. Was davon wird langfristig so bleiben, auch nach Corona?

Der Blick in die Glaskugel! Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere, der sein Mobilitätsverhalten Corona-bedingt geändert hat, zum Beispiel mehr Rad gefahren ist, daran auch Gefallen findet. Oder dass Arbeitgeber nach den Erfahrungen während der Pandemie nun ihren Mitarbeitern mehr Homeoffice ermöglichen. Das würde uns Verkehr auf der Straße reduzieren.

Wie kann das Straßenverkehrsamt auf solche Veränderungen reagieren? Ein Trend zum Beispiel zu sauberen Verkehrsmitteln lässt sich ja unterstützen, etwa durch Radwege.

Alles, was an verkehrlicher Steuerung auf den Straßen passiert, bedarf einer Planung und dafür braucht es personelle Ressourcen. Die haben wir mit dem Beschluss zum Rad-Entscheid bekommen und arbeiten nun positiv motiviert daran, dauerhafte und gute Radverkehrsangebote zu schaffen. Diese neue Infrastruktur soll uns ja auch in der Zeit nach Corona erhalten bleiben. Deshalb konzentrieren wir uns darauf und nicht auf temporäre Maßnahmen wie Pop-up-Radwege, die womöglich nach Corona nicht mehr sinnvoll sind und wieder rückgängig gemacht werden müssten.

Auf welche großen Herausforderungen stellen Sie sich für die nächsten Jahre in Ihrer Funktion ein?

Es ist wichtig, die Stickoxid-Werte dauerhaft zu senken, um die Grenzwerte einhalten zu können. Die Corona-Situation beschert uns zwar fantastische Werte und wird uns voraussichtlich in diesem Jahr ein Gesamtergebnis präsentieren, mit dem wir die Grenzwerte einhalten. Aber sich nur darüber zu freuen, ist zu kurzfristig gedacht. Wir müssen auch schauen, wie sich der Verkehr perspektivisch entwickelt: ob etwas vom Corona-Effekt hängen bleibt und sich der motorisierte Verkehr auch dauerhaft reduziert. Es kann ja ebenso passieren, dass wir bald wieder auf altem Niveau sind.

Müssen wir uns also auf zumindest abschnittsweise Dieselfahrverbote ab 2022 statt 2021 einstellen?

Das kann ich noch nicht sagen. Da sind wir noch in den Abstimmungen, welche Maßnahmen angemessen und verhältnismäßig sind.

Frankfurt ist Deutschlands Pendlerhauptstadt. Wie gut sehen Sie das Straßenverkehrsamt dafür aufgestellt?

Durch unser Verkehrsleitsystem und das Verkehrsmanagement sind wir gut aufgestellt. Aber wir ruhen uns darauf nicht aus, sondern haben schon neue Projekte angestoßen. Zum Beispiel das Integrierte Verkehrsleitsystem. Der erste Teil ist bereits realisiert, am zweiten Abschnitt wird gearbeitet. Oder die App "Traffic-Pilot", die Rad- und Autofahrern zeigt, welches Tempo er fahren muss, damit er bei Grün über die nächste Lichtsignalanlage kommt. Diese App ist in der Entwicklung. Sie soll den Verkehr flüssiger halten.

Seit vorigem Jahr wird der Verkehr aber auf einer der wichtigsten Straßen, dem Alleenring, nicht flüssig gehalten, sondern nachts auf Tempo 30 gebremst.

Abbremsen ist nie sinnvoll, um Verkehr flüssig zu halten. Das nächtliche Tempolimit hat aber nichts mit dem Verkehrsfluss zu tun, sondern es soll ein Reduzieren der Lärmentwicklung im Sinn der Anwohner ermöglichen.

Wenn flüssiger Verkehr das Beste ist, müsste es dann nicht viel mehr Grüne Wellen geben für den Autoverkehr?

Den Wunsch nach Grüner Welle haben nicht nur Autofahrer. Radfahrer und der ÖPNV möchten auch beschleunigt die Kreuzungen passieren. Es ist gerade die Kunst, dort alle Mobilitätsformen so zu bedienen, dass jeder für sich zufrieden ist. Dass jeder für sich die Grüne Welle hat, wird nicht funktionieren.

Der aktuell größte Verkehrsversuch in der Stadt, die Sperrung des Mainkais, wirkt auf manche Kritiker nicht nachhaltig geplant. Wie schätzen Sie das ein?

Es wurde natürlich geplant. Wenn sich herausstellt, dass Verkehrsströme anders fließen, als man es in der theoretischen Planung und aufgrund früherer Erfahrungen angenommen hat, dann ist eine solche Erkenntnis doch auch ein Ergebnis.

In der Politik scheint klar, dass der Versuch Ende August endet, ohne dass eine Verkehrszählung über die Folgen möglich war. Wie bewerten Sie das aus fachlicher Sicht?

Wir haben wie vorgesehen am 17. März den Verkehr gezählt. Das war allerdings schon unter Corona-Bedingungen. Wirklich belastbare Vergleichszahlen haben wir nicht.

Es ist jetzt schon wieder gefühlt normal voll auf den Straßen. Gibt es noch eine Gelegenheit für eine erneute Zählung, zum Beispiel direkt nach den Sommerferien?

Das würde ja bedeuten, dass die Corona-Einschränkungen bis dahin nicht mehr existieren. Ich glaube, das Zeitfenster ist selbst bis 31. August zu früh, um einen realistisches Abbild des Verkehrs zu erhalten. Deshalb ist eine erneute Zählung von uns aus nicht angedacht.

Wäre im Sinn eines Erfolgs der Sperrung vielleicht eine offensivere Beschilderung sinnvoll gewesen, um den Verkehr besser zu lenken?

Es wurde ganz bewusst auf eine Umleitungsbeschilderung verzichtet, damit sich die Verkehrsströme auf möglichst viele unterschiedliche Routen verteilen.

Also die typische Frankfurter Lösung: Wir machen dicht und jeder soll sehen, wie er durchkommt.

Ob das typisch Frankfurt ist, kann ich nicht beurteilen. So denkt hier im Straßenverkehrsamt niemand.

Als Autofahrer habe ich diesen Eindruck hin und wieder.

Ich kann den Eindruck in der Zeit, in der ich hier bin, nicht bestätigen. Aber stellen Sie mir die Frage in ein paar Jahren noch einmal.

Welche interessanten Erkenntnisse können Sie aus dem Verkehrsversuch Mainkai bereits ableiten?

Rein persönlich kann ich sagen, dass ich mit meinem Pedelec dort gerne entlangfahre, weil ich dort mehr Freiheit habe. Ich kann schneller fahren und muss weniger auf Fußgänger Rücksicht nehmen als auf dem gemeinsamen Weg direkt am Mainufer.

Also wären breitere Radwege und Radspuren gut?

Da stellt sich dann aber die Frage: Woher nehmen wir den Platz dafür? Die Fläche in der Stadt ist begrenzt, die müssen wir fair verteilen. Wir versuchen, in die Zukunft zu schauen, um zu erkennen, welche Bedürfnisse die Menschen haben und wie die Verkehrsflächen daraufhin sinnvoll aufgeteilt werden können.

Aktuell stoßen auf den Radwegen zunehmend mehr Gelegenheitsradler auf tägliche Radpendler. Wie lässt es sich lösen, dass sich die schnellen und die gemütlichen Radfahrer nicht in die Quere kommen?

Wir werden immer diese unterschiedlich motivierten und unterschiedlich schnellen Radfahrer haben. Da plädiere ich, den Grundsatz zu beherzigen, den wir in der StVO ganz vorne stehen haben: gegenseitige Rücksichtnahme. Das gilt zwischen allen Verkehrsteilnehmern.

Große Probleme hat laut einer neuen Studie der Fachhochschule der Wirtschaftsverkehr in der Innenstadt: Handwerker und Monteure leiden besonders unter fehlenden Parkplätzen. An welcher Lösung arbeiten Sie?

Das Thema ist uns bewusst. Wir sind mit der IHK und der Handwerkskammer in Kontakt. Mikrodepots für Lieferdienste gibt es schon. Wir wollen nun schauen, ob man noch mehr machen kann. Das Anspruchsvolle in Frankfurt ist, all diesen unterschiedlichen Interessen in einer sich ergänzenden Form begegnen zu können. Gespräche mit allen Betroffenen laufen dazu aktuell auch.

Die Hilfspolizei soll die Parkplätze überwachen, leidet aber unter Personalnot. Wie ist die Lage aktuell?

Die Verkehrsüberwachung leistet einen sehr wichtigen Beitrag, um das durchzusetzen, was laut StVO gilt oder wir anordnen. Eine hundertprozentige Besetzung aller Stellen haben wir zwar immer noch nicht, aber weitere Auswahlverfahren laufen.

Sie dürfen laut einem Urteil nicht mehr auf private Hilfspolizisten zurückgreifen. Welcher Schaden ist dadurch der Stadt entstanden?

Das wäre eine Prognose und lässt sich nicht beziffern. Wir haben von den Leiharbeitnehmern einige übernehmen können in die freien Stellen. Nachdem zwischenzeitlich auch Corona-bedingte personelle Einschränkungen hinzukamen, kommen wir jetzt aber wieder auf 100 Prozent Einsatz der Belegschaft.

Autofahrer sollten also wieder vorsichtiger sein?

Schon längst.

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