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Auch an frostig kalten Wintertagen marschieren die Wölflinge der ?Drei Lilien? in den Wald.

"Drei Lilien"

Pfadfinder suchen ein Quartier

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Seit fünf Jahren gibt es die Oberräder Pfadfinder. Mit der Mitgliederzahl wächst auch der Vereinsfundus. Doch es gibt keinen Ort, wo er verstaut werden könnte.

Mehr denn je zieht es Kinder und Jugendliche heute zu den Pfadfindern. Ihnen missfällt das eigenbrötlerische Leben zwischen Computer, Fernseher und Spielkonsole, sie zieht es raus aus dem Haus, fort aus der Stadt, hinein in die Natur. „Nirgendwo sonst ist es so wunderbar erholsam, wie im Wald“, findet Lilly (10) und ihre achtjährige Schwester Amelie pflichtet ihr bei: „Hier ist die Luft rein, hier hört man die Vögel noch zwitschern.“ Beide Mädchen sind Wölflinge bei den Oberräder Pfadfindern.

Im Februar 2012 mit nur fünf Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen, zählt der Verein „Drei Lilien“ heute nahezu 50 Aktive. „Und er wächst und wächst“, stellen Stammesfeldmeister Sonja Werle und Roland Schwarzfeld fest. Mitglieder aller Altersstufen folgen hier den Leitsätzen des einstigen Generals Robert Baden-Powell, der 1908 das Buch „Scouting for Boys“ veröffentlichte, in dem er die eigens ersonnene Pfadfinder-Lehre darlegte: Der Natur auf der Spur, zwischen Hügeln und Bäumen auf der Suche nach dem Abenteuer – „das gibt Gesundheit und Glück, wie man es niemals zwischen den Backsteinen und im Rauch der Stadt findet“, schrieb der Brite seinerzeit.

Und die Verinnerlichung dieses Grundsatzes macht die „Drei Lilien“ heute zu einem Gegenentwurf der Generation Stubenhocker. „Egal ob es regnet, stürmt oder schneit, wir halten uns das ganze Jahr über im Freien auf“, so Werle. Seien es Sonnencreme, Pflaster oder Kompass – „alles, was wir brauchen, tragen wir bei uns“. Von klein auf würden die Pfadfinder lernen, sich in der Natur zurechtzufinden. Sie wüssten etwa, wie man ein Feuer entfacht, verstünden sich im Sammeln und Zubereiten essbarer Wildpflanzen, könnten im Notfall auch Erste Hilfe leisten.

Immer mittwochs, um 16.45 Uhr, trifft sich der Nachwuchs an der Gruneliusschule – aber dort hält er sich nicht lange auf, denn des Pfadfinders Ausbildungsstätte ist die Natur. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Gruppenleitern – insgesamt gibt es davon neun – marschieren sie also hinaus ins Grüne. Vergangenen Mittwoch waren sie im rauen Abendwald unterwegs. „Mich lassen die Temperaturen kalt“, erklärte Lilian (9) strahlend. „Es ist unglaublich aufregend, durch die Dunkelheit zu stapfen.“

„Die Kinder kommen ausgesprochen gerne, müssen aber auch mindestens ein halbes Jahr lang regelmäßig erscheinen,“ erklärt Werle. Erst dann dürften sie an den allseits beliebten Zeltlagern teilnehmen. Und in den vergangenen Jahren haben die „Drei Lilien“ wahrlich abenteuerliche Reisen organisiert.

In Edinburgh, Schottland, erlebten die Pfadfinder vergangenen Sommer Hochlandnatur und Stadtkultur. Im Jahr zuvor führte eine Entdeckungstour auf unbewohnte Inseln in Schweden. Dank der Bezuschussung des hessischen Jugendrings seien die Expeditionen sehr günstig. Der nächste Ausflug – er führt mit dem ICE in die Schweiz – kostet alle Mitreisende – auch die Betreuer zahlen – nur 300 Euro. „Uns ist es wichtig, jedes Jahr ein neues Land zu bereisen“, erklärt Werle. „So bekommen die Kinder einiges von der Welt zu sehen.“

In der Schweiz werden die Heranwachsenden im Internationalen Pfadfinderzentrum Kandersteg unterkommen. „Leider können wir in Oberrad keine Gäste beherbergen“, bedauert Werle. „Wir haben nämlich kein Quartier.“ Natürlich ließe sich im Sommer ein Zeltlager errichten. Aber die „Drei Lilien“ hätten ja nicht einmal einen Ort, wo sie die provisorischen Nachtlager das Jahr über aufbewahren könnten. Derzeit besäße der Verein sieben Zelte. „Sie alle sind in privaten Kellern untergebracht“, so Werle.

Tatsächlich befänden sich die Pfadfinder schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem festen Domizil. Es dürfe halt nicht zu teuer sein: „Schließlich finanzieren wir das aus eigener Hand und mit Spenden, über die wir uns stets freuen.“ Durch eine feste Bleibe könnte der Verein regelmäßiger Feiern organisieren – oder Aktivitäten an klirrend-kalten Wintertagen auch einfach mal nach innen verlegen. Letzteres aber solle eine Ausnahme bleiben. „Unsere Heimstätte bleibt die Natur“, betont Werle.

Infos gibt’s unter 01 71-75 60 51 2 (Roland Schwarzfeld) oder 01 76-32 96 63 34 (Sonja Werle).

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