Nach 150 Kilogramm-Abhnahme

Pfarrer Thomas Stephan startet wieder beim Frankfurt Marathon

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15 500 Läufer starten am Sonntag um 10 Uhr zum 35. Frankfurt-Marathon. Der evangelische Pfarrer Thomas Stephan ist einer von ihnen. Der Sportler wurde für viele Übergewichtige zum Vorbild. Vor sechs Jahren brachte er 230 Kilogramm auf die Waage, heute nur noch 80.

Thomas Stephan ist nicht in Bestform. „Ich habe vor vier Wochen erst einen Marathon gelaufen, in Berlin“, sagt der 48-jährige Pfarrer der Paul-Gerhardt-Gemeinde. Auch eine Erkältung macht ihm gerade zu schaffen. Trotzdem: „Am Sonntag laufe ich wieder beim Frankfurt-Marathon mit.“

Der Mann hat es zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Zu ungewöhnlich ist seine Geschichte. Noch vor sechs Jahren wog Pfarrer Stephan 230 Kilogramm. Er war unzufrieden mit sich und mit allen anderen. Dann aß er einfach weniger. Einfach, wenn das so einfach wäre. Der Appetit wurde weniger, die Pfunde purzelten. So schnell, dass Stephan bereits 2011 erstmals unter das Messer musste, um überschüssige Haut loszuwerden.

Danach begann er mit dem Sport. Zuerst ist er es langsam angegangen, dann steigerte Stephan sich rasch. Im Sommer 2011 begann er zu joggen, schon im Oktober nahm er am Marathon teil. „Man muss das Unmögliche wollen“, ist sein Motto. Sein Ziel, zweimal über die Brücke zu kommen, also 25 Kilometer zu laufen, hat er geschafft. Schon 2012 lief er erstmals in der Festhalle ein. Am Sonntag wird Stephan bereits seinen sechsten Frankfurt-Marathon laufen, seinen elften Marathon insgesamt.

Mit seinen 80 Kilogramm fühlt der Gottesmann sich wohler als früher. Und er betont: „Ich bin Hobbysportler! Eine Stunde täglich, im Mittel, im Sommer mehr, im Winter weniger, wende ich dafür auf.“ Seiner Arbeit als Pfarrer sei das nicht abträglich: „Ich versuche auch als Pfarrer, nicht 24 Stunden im Einsatz zu sein. So wie jede Familie Zeit miteinander verbringt, so bin ich als Junggeselle mit dem Training beschäftigt, ohne dass meine Gemeinde darunter leidet.“ Im Gegenteil: Der Bibelkreis hat ihn gebeten, doch von seinen spirituellen Erfahrungen als Sportler zu berichten, und in der Gemeinde gibt es einige, die schon angekündigt haben: „Nach dem Gottesdienst versammeln sie sich am Bruchfeldplatz und feuern mich an.“

Stephans Spitzenzeit im Marathon sind 3.26 Stunden. Die werde er am Sonntag sicher nicht erreichen, sagt er. „Ich hoffe, ich bleibe unter vier Stunden.“ So besonders viel hat er nicht mehr trainiert nach dem Berlin-Marathon. „Die Saison ist eigentlich vorbei.“ In dieser Saison hat der sportliche Pfarrer an fünf Triathlons teilgenommen; der Höhepunkt seines Sportjahres ist der Ironman von Frankfurt. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen – etwas für die wirklich Eisernen. 12.47 Stunden dauerte die Quälerei für Stephan, nach jeweils mehr als 13 Stunden in den beiden Vorjahren. „Ich kriege bei der körperlichen Anstrengung den Kopf frei“, sagt Stephan, „und gerade beim Schwimmen oder beim Radfahren gibt es so etwas wie eine spirituelle Erfahrung. Ähnlich wie beim Meditieren.“

Wegen des Triathlonsports ist der Pfarrer in einen Schwimmverein eingetreten. Kürzlich erst wurde er Mitglied vom Spiridon Frankfurt – weniger, um sein Training zu professionalisieren, als vielmehr um Gleichgesinnte zu treffen. „Ich trainiere nicht nach einem bestimmten Plan“, sagt Stephan. „Ich arbeite mich nicht durch ein Programm, sondern laufe einfach so, wie es passt.“ Wichtig sind ihm dabei nur gute Schuhe. Drei Paar Laufschuhe – der Verbrauch eines einzigen Jahres.

Wer das ganze Jahr über so fit ist, muss für einen weiteren Marathon nicht monatelang trainieren. Doch obwohl es ein Heimspiel wird, ist der Pfarrer aufgeregt vor dem Sonntag, fast so wie ein Rennpferd, das nervös in der Startbox scharrt.

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