Pfarrerin Dubiski vor der "Wäscheleine der Hoffnung" zwischen Martinuskirche und Pavillon. 
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Pfarrerin Dubiski vor der "Wäscheleine der Hoffnung" zwischen Martinuskirche und Pavillon.

Seelsorge in ungewöhnlichen Zeiten

Pfarrerin Katja Dubiski setzt in der Corona-Krise auf Glauben - und Telefonate

Die neue Pfarrerin der Martinusgemeinde in Frankfurt-Schwanheim betreut am Telefon. Aber auch das kann helfen.

Frankfurt - Seit dem 1. April ist Katja Dubiski (39) die neue Pfarrerin der evangelischen Martinusgemeinde Schwanheim. Sie wird sich diese Stelle mit Cäcilie Blume teilen, die am 1. September anfängt. Ihr Vikariat machte Katja Dubiski zwischen 2009 und 2012 im baden-württembergischen Lauffen. Die studierte Diplompsychologin verbrachte die vergangenen Jahre an der Ruhr-Universität Bochum, wo sie sich der Theologie und Psychologie gleichermaßen widmete. Redakteur Michael Forst sprach mit ihr über die Kraft der Seelsorge und wie sie es trotz Corona schafft, ihre Gemeinde kennenzulernen.

Frau Dubiski, was verschlägt eine Schwäbin nach Schwanheim?

Die Liebe. Mein Mann ist Frankfurter, so kam ich im Jahre 2014 hierher. Ich wohne in Bockenheim und inzwischen habe ich die Stadt sehr schätzen gelernt und fühle mich wohl hier.

Sie haben eine Dissertation geschrieben, in der Sie für eine „psychologisch informierte Seelsorge“ werben. Was kann sich der Laie darunter vorstellen?

„Informiert“ ist der Anspruch an die Ausbildung, das Theologiestudium, das Vikariat und auch die Seelsorge-Ausbildung in der Kirche. Dort sollte klargemacht werden: Es gibt nicht die eine Psychologie, sondern mit Psychoanalyse, Verhaltenstherapie, systemische Therapie ganz unterschiedliche Ansätze. Das alles im Blick zu haben, ist wichtig.

Psychologisches Fachwissen und Glaube in Frankfurt-Schwanheim

Inwieweit können Sie Ihre Forschungsergebnisse bei Ihrer täglichen Arbeit als Pfarrerin anwenden?

Wenn man unterschiedliche Modelle vor Augen hat, wie menschliches Verhalten funktioniert, wie Menschen ticken, ist das hilfreich. Die Psychoanalyse etwa sagt, dass vor allem die Kindheit den, der mir gegenüber sitzt, geprägt hat. Sie fragt viel nach dem Unbewussten und achtet stark darauf, ob da vielleicht jemand etwas verdrängt. Das ist ein anderer Fokus als etwa bei einer Verhaltenstherapeutin, die dem Gegenüber vor allem andere Möglichkeiten anbieten würde, sich zu verhalten, etwa im Streit.

Das klingt sehr modern - und Welten entfernt etwa von den Pietisten, die in Baden-Württemberg, wo Sie Ihr Vikariat machten, bis heute prägend sind.

Das bringt mich zu einem der Gründe, weshalb ich Pfarrerin geworden bin: die Vielfalt. Menschen erleben Gott und leben ihren Glauben unterschiedlich. In der Kirche, in Württemberg ebenso wie in der EKHN (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, Anm. d. Red.), haben wir die Möglichkeit, für eine Bandbreite offen zu sein, vielen Menschen Raum zu geben - und uns dann gemeinsam in dem wieder zu finden, was uns verbindet.

Gemeinde in Frankfurt-Schwanheim nutzt die gebotenen Möglichkeiten

Was wäre das?

Der Glaube an Gott als einen, der uns liebt, uns positiv zugewandt ist und uns gerade in dieser schwierigen Zeit trägt. Das Gemeinsame zu sehen und zu suchen, ist mir ein Anliegen - selbst, wenn das schwierig ist. Auch die Psychologie hilft mir dabei, zu sehen: Jeder Mensch hat seine individuelle Geschichte, die ihn zu einem bestimmten Gottes- und Weltbild geführt hat.

Ketzerisch gefragt: Die Kirche kämpft doch ohnehin heutzutage mehr denn je darum, die Menschen noch zu erreichen. Ist da die Corona-Krise mit ihrem Kontaktverbot nicht besonders verheerend?

Es ist ein Schmerz, sich nicht treffen und zusammen Gottesdienst feiern zu können. Gleichzeitig nehme ich sehr viel wahr an Kreativität, Bemühungen, Aufmerksamkeit und Sensibilität unter den Menschen: Wer braucht gerade was? Wie können wir am besten helfen? Und ich sehe unglaublich viele Möglichkeiten, die sich bieten - und auch von den Gemeinden genutzt werden.

Die „Wäscheleine der Hoffnung“ in Frankfurt-Schwanheim

Können Sie ein Beispiel dafür geben?

Das sind die ganzen digitalen Formate, aber ebenso auch das Bemühen darum, die zu erreichen, die nicht digital unterwegs sind. Wie etwa unsere „Wäscheleine der Hoffnung“, wo jede und jeder wertvolle Worte, Gedichte und Denkanstöße zum Mitnehmen und Weitergeben findet.

Wie sieht Ihre Arbeit aus in diesen Corona-Tagen?

Ich richte mich ein, finde mich ein - und ich telefoniere sehr viel. Das würde man sonst so nicht in den Fokus stellen.

Digitales Kennenlernen der Gemeinde in Schwanheim

Auch wenn die Möglichkeiten, Ihre Gemeinde in Schwanheim kennenzulernen, eingeschränkt sind: Können Sie trotzdem beschreiben, was sie ausmacht?

Mein Eindruck ist, dass man sich viel umeinander kümmert. Mir wurde schon oft erzählt, dass Schwanheim wie ein Dorf ist. Man bekommt mit, was bei dem anderen gerade vorgeht und bietet Hilfe an.

Was möchten Sie gerne als Pfarrerin bewegen?

Gerade möchte ich vor allem, dass sich nach diesen Wochen überhaupt wieder etwas bewegt. Dass wir uns wiedersehen. Ich sehe unsere Martinuskirche mit ihren tollen Räumen - und die sind leer. Ich freue mich, wenn sie sich wieder mit Leben füllen.

Michael Forst

Auch Zahnärzte arbeiten sehr nah am Menschen. Auch Alfonso Padilla in seiner Praxis in der Goethestraße in Frankfurt*. Das ist nicht ohne Risiko. Im öffentlichen Nahverkehr in und um Frankfurt gilt wegen Corona die Maskenpflicht* ab Montag (27.04.2020). Das werden laut VGF auch die Kontrolleure überprüfen.

Günther Benzkirch will mit seiner Metzgerei in Frankfurt-Griesheim in Corona-Zeiten* „so etwas wie Tante Emma“ in seiner Siedlung sein. Dazu gehört auch Klopapier.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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