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Symbolfoto Pfefferspray

Nach Silvesternacht in Köln

Pfefferspray und Co. sind gefragt - ein Besuch im Waffenladen

Eine Bankberaterin will sich ein Pfefferspray kaufen, weil sie jeden Tag lange mit ihrem Hund im Wald unterwegs ist. "Das ist so blöd gelaufen in Köln. Viele dumme Menschen haben doch auf so was gewartet", sagt sie. "Viele Leute haben Angst und scheren jetzt alle Flüchtlinge über einen Kamm", bedauert die 48-Jährige, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Hannah Beck will sich im Fall eines Angriffs schützen können. Die 25-Jährige erkundigt sich deshalb in dem Waffengeschäft im Frankfurter Bahnhofsviertel nach Pfefferspray, CS-Gas und Schreckschusswaffen. Sie sei neulich zusammen mit drei Freundinnen von fünf Typen auf einer Rolltreppe bedrängt worden, erzählt die Blondine. "Wir konnten nicht vor und nicht zurück und nicht an ihnen vorbei." Die jungen Männer hätten sie wohl nur anmachen wollen, und sie weder angegrapscht noch bestohlen worden, aber es sei dennoch sehr unangenehm gewesen. "Und nachdem wir das jetzt in Köln mitgekriegt haben, haben wir gedacht, wir brauchen etwas für den Notfall."

Eine Bankberaterin will sich ein Pfefferspray kaufen, weil sie jeden Tag lange mit ihrem Hund im Wald unterwegs ist. "Das ist so blöd gelaufen in Köln. Viele dumme Menschen haben doch auf so was gewartet", sagt sie. "Viele Leute haben Angst und scheren jetzt alle Flüchtlinge über einen Kamm", bedauert die 48-Jährige, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Der Inhaber von "Engels Waffen und Stahlwaren", Andreas Engel, berichtet, dass seit November immer mehr Menschen nach Waffen fragten, um sich zu verteidigen. "Viele Männer kaufen etwas für ihre Frauen." Bei den Frauen sei die Hemmschwelle oft sehr hoch, sie wollten lieber Trillerpfeifen.

Pfefferspray, Reizgas und andere Waffen zur Selbstverteidigung sind auch nach Einschätzung des Branchenverbands Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler zunehmend gefragt. 2015 habe sich der Umsatz mit diesen Produkten im Vergleich zum Vorjahr "mindestens verdoppelt", konkrete Zahlen lägen noch nicht vor. Die Übergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht verstärkten diesen Trend. "Die Fachgeschäfte bemerken seit Silvester noch einmal einen massiven Anstieg der Nachfrage", sagt Verbandsgeschäftsführer Ingo Meinhard.

Der Inhaber des Frankfurter Waffengeschäfts wirbt unter anderem mit dem (falsch geschriebenen) Slogan "Immer eine Armlänge vorraus..." unter Anspielung auf die umstrittene Äußerung der Kölner OB Henriette Reker im Schaufenster für Pfefferspray. Sie hatte auf die Frage, wie sich Frauen gegen Übergriffe schützen könnten, unter anderem gesagt, es gebe "immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft".

Ein 60-Jähriger erkundigt sich nach einer Waffe zur Verteidigung im Notfall. "Meine Frau hat mich darum gebeten", erzählt er. Seine Frau arbeite in einem Sonnenstudio und müsse dies abends oft abschließen. "Dann ist es auf der Straße sehr leer und ruhig, und da treiben sich in letzter Zeit auch komische Leute rum", schildert er, was seine Frau beunruhigt. "Es hat aber auch mit der Gesamtsituation im Land zu tun. Wir befürchten beide, dass es schlechter wird", sagt der Mann aus dem Kreis Offenbach, der lieber anonym bleiben möchte.

Heike Fischbach sucht ebenfalls Pfefferspray oder etwas Ähnliches und will sich beraten lassen. Sie arbeitet in der berüchtigten Taunusstraße im Bahnhofsviertel. Geschäftsleute klagen seit Monaten über aggressive, sich gegenseitig bekämpfende Dealer in dieser Straße. "Ich habe das Gefühl, dass das schlimmer geworden ist", sagt Fischbach. "Mit Köln hat das nichts zu tun."

Heide Röstermundt geht gerne in Frankfurt ins Theater. "Da kann es schon mal 23.00 Uhr oder 23.30 Uhr werden, bis mein Zug fährt", erzählt die Rentnerin. "Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber ich werde ja auch älter." Daher wolle sie sich in dem Waffengeschäft einmal beraten lassen. Ihre Kinder hätten ihr auch dazu geraten. Sie sei am Hauptbahnhof auch schon einige Male angepöbelt worden, und es gebe dort einen unangenehmen dunklen Übergang von der U- zur S-Bahn. "Der Bahnhof ist mir etwas zu unsicher." Benutzen wolle sie ein Spray, Gas oder Ähnliches aber eigentlich nicht.

(dpa)

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