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Photovoltaik-Platten auf Frankfurter Feldern: Profitieren nur „Großindustrielle“?

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Von: Niklas Mag

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Sieht so die Zukunft aus? Mit einem Kran wird hier im Wendland eine Agrar-Photovoltaik-Anlage montiert. Dort entsteht derzeit in einem Pilotprojekt die größte Anlage ihrer Art in Deutschland.
Sieht so die Zukunft aus? Mit einem Kran wird hier im Wendland eine Agrar-Photovoltaik-Anlage montiert. Dort entsteht derzeit in einem Pilotprojekt die größte Anlage ihrer Art in Deutschland. © picture alliance/dpa | Philipp S

Die Idee von Solaranlagen über Feldern sorgt in Frankfurt für Diskussionen. Landwirte sind eher kritisch.

Frankfurt – Emotional wurde das Thema rund um Agri-Photovoltaik jetzt im Ortsbeirat 14 (Harheim) diskutiert. Helmut Seuffert (Grüne) brachte das Thema in die jüngste Sitzung des Frankfurter Gremiums ein und erklärte: "Ich möchte prüfen lassen, wie sich das betriebswirtschaftlich darstellt. Wir funktioniert das und wer baut das auf?", fasste er seinen Antrag zusammen.

Das Fraunhofer-Institut hat weltweit Tests mit der PV-Variante gemacht, die dessen Nutzen bewiesen haben. Bei Agri-Photovoltaik werden Solarpanels über Feldern aufgebaut, so dass darunter weiterhin eine Bewirtschaftung stattfinden kann und keine Flächen verloren gehen. Axel Schmidt (CDU), selber Landwirt, hielt wenig von der Idee der Grünen: "Ich frage mich, was soll das Ganze? Viele Landwirte haben seit zehn Jahren Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern. Solange sämtlich Schul- und Gewerbedächer noch nicht für Photovoltaik genutzt werden, lasst bitte davon die Finger", forderte er. Wieso solle man die Landschaft zubauen, wenn aktuell noch große Flächen in der Stadt ungenutzt seien, so Schmidt.

Solaranlagen über Frankfurter Feldern? Fläche geht nicht verloren

Ortsvorsteher Frank Immel (CDU) sah ein ganz anderes Problem: „Es gibt bereits einen beschlossenen Antrag der Römer-Koalition, der fordert, dass Solar-Möglichkeiten in der Landwirtschaft untersucht werden. Mir ist nicht ganz klar, warum wir dann extra noch einen Antrag dazu losschicken sollten.“ Stefan Quirin (CDU) hatte sich ebenfalls mit dem Thema befasst: „Es gibt etwa 4000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche in Frankfurt. Es werden vielfältige Produkte angebaut und das auf sehr wertvollen Böden“, begann er. Viele Betriebe würden regional verkaufen und deshalb bereits jetzt sehr nachhaltige Arbeit verrichten. „Ich habe mit vielen Landwirten gesprochen und keiner von diesen wurde von der Römer-Koalition im Vorfeld angehört. Letztlich sind die einzigen, die davon etwas haben, die Großindustriellen, die Flächen für ihre Solarpanels suchen.“

Frank Immel versuchte, die Diskussion um das Thema wieder zu präzisieren: "Das steht hier alles nicht zur Debatte. Wir sprechen über einen Prüfantrag zum Thema Agri-Photovoltaik". Auch Marcus Kapust (BFF) meldete sich zu Wort: "Selbst wenn das betrieblich Sinn macht, sind die Naherholungsgebiete voll mit Solarpanels. Es gibt zum Beispiel Konzepte, Dächer über Autobahnabschnitten zu errichten, das sollte man zuerst angehen."

Frankfurt: Naherholungsgebiete „voll mit Solarpanelen“ nicht erstrebenswert

Helmut Seuffert betonte daraufhin noch einmal: "Ich habe nicht beantragt, dass wir Solarpanels auf Feldern aufstellen. Lediglich, dass geprüft wird, ob die Agri-Photovoltaik-Technologie für einen typischen Frankfurter Landwirtschaftsbetrieb eine Möglichkeit wäre, woran ich übrigens selbst große Zweifel habe. Prüfen lassen können wir es dennoch." Sein Antrag wurde schließlich bei nur einer Ja- und sechs Nein-Stimmen abgelehnt.

Rund um Frankfurt sind nicht nur Felder, sondern auch Streuobstwiesen zu finden. Über diese wurde in der Ortsbeiratssitzung ebenfalls gesprochen. Die CDU forderte in einem Antrag, bei der FES zu bewirken, dass das in den Streuobstwiesen anfallende Schnittgut einmal jährlich, jeweils zum Ende der Baumschnittzeit, möglichst direkt an den Feldern abgeholt wird. Axel Schmidt erklärte: "Es wird ja immer viel Gedöns um Streuobstwiesen gemacht, aber viele Leute wissen gar nicht, wie viel Schnittgut anfällt und wohin damit." Stefan Quirin ergänzte: "Man müsste mit den Leuten vor Ort mal reden und eine Lösung finden. Viele fahren da mit einem kleinen Hänger zehn oder zwanzig Mal, um alles wegzubringen." Die FES hole Schnittgut auf Anfrage ab, doch wäre es sicherlich sinnvoller, einen zentralen Sammelpunkt und Abholzeitpunkt festzulegen. Helmut Seuffert erwähnte: "Der Antrag ist mir sympathisch und ich glaube, die FES wäre dem sehr zugeneigt, eine Lösung zu finden." Der Antrag wurde einstimmig angenommen. (Niklas Mag)

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