+
Max Weber (links) und Tobias Löser sollen das ?Nachhaltige Gewerbegebiet Fechenheim-Nord/ Seckbach? auf Vordermann bringen.

Gewerbegebiete in Seckbach und Fechenheim-Nord

Pilotprojekt in Frankfurts Osten soll Arbeitsplätze in der Stadt sichern

  • schließen

Über 100 Jahren alt sind die Gewerbegebiete in Seckbach und Fechenheim-Nord. Viele Gebäude stehen leer, Grundstücke liegen brach. Der neue Standortmanager Tobias Löser soll das ändern.

Viele Jahre lang kümmerte sich die Stadt vor allem um den Wohnungsbau, sagt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Neue Wohnungen würden dringend gebraucht, doch andere wichtige Flächen wurden baulich vernachlässigt: Frankfurts Gewerbegebiete. „Aber die Menschen müssen hier nicht nur wohnen können. Es ist wichtig, dass sie hier auch arbeiten können.“ Eines der ältesten Gewerbegebiete erstreckt sich zwischen den Bahngleisen, die Fechenheim durchschneiden, und dem Seckbacher Ried. Doch viele frühere Firmen wie den Anlagenbauer Lurgi gibt es hier nicht mehr. Brachen entstanden, Hallen stehen leer.

Ändern soll das Tobias Löser (31), der neue Standortmanager für das „Nachhaltige Gewerbegebiet Fechenheim-Nord/ Seckbach“. Ein nachhaltiges Gewerbegebiet gebe es noch nicht in Deutschland, sagt Martin Hunscher, Leiter des Stadtplanungsamts. Deshalb bekomme Frankfurt Fördergelder vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Aber was ist „nachhaltig“, was ein nachhaltiges Gewerbegebiet? Zum einen geht es darum, Ressourcen zu sparen, vor allem Energie. Darum kümmert sich künftig Max Weber (31) vom Energiereferat der Stadt, der sich mit Tobias Löser im Cassellapark, Casellastraße 30-32, im zweiten Stock von Haus B ein Büro teilt. Zum einen will er Firmen fürs Energiesparen begeistern, zum anderen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Firmen könnten dadurch viel Geld sparen. Sie können Strom und Warmwasser aus Sonnenenergie gewinnen, heiße Abwässer zur Energiegewinnung nutzen, energieeffizient bauen und vieles mehr – und sich dafür zusammenschließen.

Nachhaltig bedeutet aber auch, dass die Firmen – alteingesessene wie neu hinzu kommende – sich möglichst gut vernetzen sollen. Daher wurden sie in die Entwicklung des Konzepts einbezogen, 130 Firmen machten mit. Diese Vernetzung voranzutreiben, ist eine von Lösers Aufgaben. Ein gutes Beispiel, wie das funktionieren kann, sei der Cassellapark, in dem sein Büro liegt, sagt Löser. „Die Räume werden effektiv genutzt, jeder kennt jeden, man trifft sich, eine Gemeinschaft entsteht.“ Ähnlich sei es in den ehemaligen Lurgi-Hallen in der Gwinnerstraße.

Dort funktioniere das Vernetzen bereits, sagt Nicolai Braun, Geschäftsführer von AVG Trucks, denen ein Drittel der Lurgi-Hallen gehört. „Es gibt eine Schreinerei, die für die umliegenden Firmen Türen baut. Wir kaufen beim Lebensmittelhändler, der seine Lastwagen bei uns warten lässt, und so weiter.“

Doch das alte Gewerbegebiet hat auch schlimme Seiten, sagt Braun. „Die Straßen sind in einem desolaten Zustand.“ Auch Wegweiser gebe es kaum. „Und die Stadt hat im Grundbuch zahlreiche Dienstbarkeiten eingetragen. Wir dürfen auf unserem Gelände kein Restaurant betreiben, kein Café, nicht einmal eine Kantine. Dabei sieht man in der Hanauer Landstraße, was Cafés und Restaurants ausmachen.“

Löser kennt noch mehr Klagen: Ständige Staus, langsames Internet, Park- und Müllchaos, verbogene Pfosten am Straßenrand. Um Abhilfe zu schaffen, trifft sich Löser im November mit städtischen Ämtern, aber auch Mainova und FES. Auch eine gute Infrastruktur sei „nachhaltig“, so Markus Frank.

Es gebe aber auch Vorteile, etwa die gute Anbindung ans Straßen- und ÖPNV-Netz oder die geringen Mieten, die vor allem Unternehmensgründer anlocken, sagt Felix Hevelke von „Radar“, der sich im Auftrag der Stadt um junge Kreative kümmert. Die ziehe es verstärkt nach Fechenheim-Nord, etwa in die Wächtersbacher oder die Salzschlirfer Straße.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare