1. Startseite
  2. Frankfurt

Pilotprojekt startet in der Kanalisation

Erstellt:

Von: Friedrich Reinhardt

Kommentare

Inspekteur Denis Gert bereitet die Kamera vor, mit denen er die Kanalisation ausleuchtet und kontrolliert.
Inspekteur Denis Gert bereitet die Kamera vor, mit denen er die Kanalisation ausleuchtet und kontrolliert. © Friedrich Reinhardt

Stadt sucht Lösungen, damit bei Starkregen die Keller trocken bleiben.

Denis Gert lernt gerade die dunkelsten Seiten des Frankfurter Bergs kennen. Zentimeter für Zentimeter steuert er die Kanalkamera mit Wasserdruckantrieb durch das Zuleitungsrohr eines Hauses im Ligusterweg. Auf zwei Bildschirmen beobachtet er in dem weißen Transporter die Bilder, die die Kamera überträgt. Er achtet auf Risse, Wurzeln, die gegebenenfalls in das Rohr hineinwachsen, ob das Wasser richtig abläuft oder ob die Rohre an ihren Steckverbindungen verschoben sind. Und nebenbei kartografiert der Computer die exakte Position der Zuleitungen.

"So sieht ein sauberes Rohr aus", sagt er diesmal. Nickt konzentriert. Sachte drückt er die beiden Steuerknüppel an dem schwarz-grauen Pult. Plötzlich lacht er auf. Die Kamera ist bis ans Kanalende am Haus gelangt, die Öffnung wurde offensichtlich mit einem geklauten Straßenschild abgedeckt. Solche kleinen Entdeckungen findet Gert witzig.

Überschwemmungen ein Ende setzen

Er arbeitet für die Kanalisationsfirma "KSM Umweltdienste" aus Bischofsheim und gehört zum ersten Teil des Pilotprojekts, das die Frankfurter Stadtentwässerung am Frankfurter Berg startet. Vollgelaufene Kellern nach heftigen Regenfällen sollen der Vergangenheit angehören.

Im ersten Schritt sollen dafür die Zuleitungen untersucht werden, erklärte Barbara Zeibekis von der Stadtentwässerung am Dienstagabend am Rande der Sitzung des Ortsbeirats 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim). Es geht um die Leitungen, die Abwasser- und Regenwasserleitungen mit der Kanalisation verbinden. Die Untersuchungen werden zeigen, ob die Häuser ein Rückstauklappen haben, ob die Wasserleitungen in Takt sind und ob sie richtig angeschlossen sind.

"Es passiert schon mal, dass das Regenwasser in die Schutzwasserleitung geleitet wird und das Schutzwasser zum Regenwasser", berichtet Gert. Das hat zur Folge, dass einerseits Schutzwasser aus Toiletten und Waschmaschinen direkt in Flüsse geleitet wird. Andererseits sind die Schmutzwasserrohre nicht darauf ausgelegt, auch Regenwasser abzuleiten. So sammelt Gert in der Kanalisation die Informationen, mit denen die Stadt die Probleme ermitteln kann, die zu volllaufenden Kellern führen. Und das ist nur ein Beispiel dafür, was Gert kontrolliert. "Eine Auswertung der Ergebnisse werden die Hauseigentümer von uns bekommen", sagt Zeibekis.

Wasser soll verdunsten, wo es keinem weh tut

Im zweiten Schritt des Pilotprojekts soll ein Ingenieursbüro beauftragt werden. Es soll Konzepte entwickeln, mit denen "Flächen von der Kanalisation abgekoppelt werden können". Das heißt, Flächen, auf denen das Regenwasser nicht über die Kanalisation abgeführt werden soll, sondern etwa auf Grünflächen, "wo es keinem weh tut, wenn das Wasser eine Weile steht und verdunstet", erklärt Zeibekis. Damit würde die Kanalisation entlastet. Sie sei zwar ausreichend dimensioniert, könne aber nicht auf Starkregenereignisse ausgelegt werden. Die werden wegen des Klimawandels aber häufiger, sagte Alexander Kehl vom Umweltamt. Das Pilotprojekt ist also eine Form der Klimaanpassung.

Auf der Ortsbeiratsitzung äußerten sich die Anwohner des Holunderwegs Wolfgang Brunner und Eberhard Centner. Sie seien froh, dass die Stadt nun nach Jahren aktiv wird. Bei einem Treffen hätten sich Vertreter der Stadtentwässerung und des Amts für Straßenbau und Erschließung viel Zeit genommen, lobt Centner.

Brunner habe aber beobachtet, dass die Kanalarbeiter "manchmal drei Tage an einer Stelle rummachen". Damit verband er den Verdacht, dass die Leitungen heftig verstopft waren und die Stadt zu lange zu untätig war. Das wäre ein Missverständnis, sagt Gert. Zum einen sind die Zuleitungen in der Verantwortung des Hauseigentümers. Zum anderen seien die Zuleitungsrohre manchmal bis zu 80 Meter lang. "Da brauche ich schon mal zwei bis drei Tage". Schließlich bringt er Zentimeter für Zentimeter Licht in die dunkelsten Ecken. Bis er die Zuleitungen des Stadtteils durchleuchtet hat, werde es Monate dauern. Friedrich Reinhardt

Auch interessant

Kommentare