Fahrgastverband listet Ungereimtheiten auf

Pilotversuch bei RMV: So verwirrend ist der neue Tarif

  • vonGünter Murr
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Trotz anhaltender Kritik ist der Pilotversuch für einen neuen RMV-Tarif noch nicht vom Tisch. CDU, SPD und Grüne verständigten sich nur darauf, Änderungen vorzunehmen und ein „echtes Nachbarschaftsticket“ einzuführen. Ideen dafür gibt es bereits.

Die umstrittene Tarifreform, die der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) derzeit testet, macht Schule. Auch der Münchner Verkehrsverbund kündigte an, entfernungsabhängige Preise auszuprobieren. Wie auch in der Rhein-Main-Region sollen damit die großen Preissprünge an den Tarifgrenzen beseitigt werden.

Doch der Pilotversuch des RMV hat viele Gegner: Kritisch sehen ihn nicht nur Frankfurter Kommunalpolitiker, sondern auch der Fahrgastverband „Pro Bahn“. Dessen Sprecher Wilfried Staub hat zahlreiche Ungereimtheiten zusammengetragen (siehe Grafik).

Für die Fahrt von der Stadtmitte in Königstein und der Frankfurter Taunusanlage hat er beim „RMV Smart“ genannten Tarif fünf verschiedene Preise ermittelt, die sich je nach gewählter Kombination von Bus, S-Bahn und Regionalbahn unterscheiden. Wer von Bad Soden zum Flughafen will, sollte sich überlegen, ob er mit der S-Bahn über den Hauptbahnhof oder mit Regionalbahn und Bus über Höchst fährt. In beiden Fällen ist man gut 50 Minuten unterwegs, zahlt aber im ersten Fall 7,36 Euro, im zweiten aber nur 3,23 Euro.

Tram billiger als S-Bahn

„Krass“ findet Staub auch das Beispiel der Verbindung zwischen Höchst und Hauptwache: Nach dem neuen Tarif kostet die S-Bahn-Fahrt 4,20 Euro, wer die langsamere (und oft überfüllte) Straßenbahn nimmt und am Willy-Brandt-Platz in die U-Bahn umsteigt, zahlt lediglich 2,80 Euro. Nur wer es sich leisten kann, wählt das schnellere Verkehrsmittel.

Staub hat sich auch die Mühe gemacht, die Fahrpreise in Relation zur Fahrzeit zu setzen: Im günstigsten Fall zahlen Fahrgäste nur 3,5 Cent pro Minute, im schlechtesten 2,36 Euro. „Kann man da von einem fairen Tarif sprechen?“, fragt Staub. Trotz der Bedenken will der Fahrgastverband dem auf drei Jahre angelegten Probebetrieb eine Chance geben. „Aber der RMV muss die offensichtlichen Mängel in Kürze korrigieren“, fordert Staub.

Ähnlich positioniert sich die schwarz-rot-grüne Koalition im Römer. Eine Reform des RMV-Tarifs sei nötig, erklärten Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Bürgermeister Uwe Becker (CDU) und Stadtrat Stefan Majer (Grüne). Frankfurter Fahrgäste dürften aber nicht mehr zahlen als bisher. „Wir stehen gemeinsam für ein echtes Nachbarschaftsticket, weil es gut für Frankfurt und die Region ist“, erklärten sie. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hatte in der vergangenen Woche gesagt, dass er sich dazu auch eine Modifizierung des bestehenden Systems vorstellen könne.

Alternative Vorschläge

Ideen dafür gibt es. Ein Vorschlag wird derzeit innerhalb von „Pro Bahn“ diskutiert. Demnach könnten die heutigen Tarifwaben weitgehend erhalten, die großen Preissprünge an den Tarifgrenzen aber abgemildert werden. Das soll vor allem durch zwei Änderungen gelingen: So könnte die Zahl der Tarifstufen im RMV-Gebiet von heute sieben auf zehn erweitert werden. Außerdem soll eine Stadtpreisstufe für Fahrten aus Frankfurt ins unmittelbare Umland eingeführt werden. Damit würde die oft diskutierte Fahrt von Frankfurt nach Offenbach zwar nicht so günstig wie mit „RMV Smart“ (3,33 Euro), der Preis wäre mit 3,80 Euro aber billiger als die 4,65 Euro, die derzeit im normalen RMV-Tarif berechnet werden.

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