Die neue Verkehrsregelung sorgt für Verdruss. FOTO: rolf oeser
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Die neue Verkehrsregelung in der Schloßstraße in Frankfurt sorgt für Verdruss.

Von Autofahrer bespuckt

Lage für Radfahrer in der Schloßstraße eskaliert: „Es muss sich schnell etwas ändern“

  • Matthias Bittner
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Jede Menge Gesprächsstoff bietet die Verkehrssituation für Radfahrer in Frankfurt-Bockenheim. Große Piktogramme sollen die Situation in der Schloßstraße beruhigen.

Frankfurt – Damit jeder Verkehrsteilnehmer das Überholverbot des Radverkehrs in der Schloßstraße wahrnimmt, sollen auf dem Abschnitt zwischen Adalbertstraße und Rödelheimer Straße in jede Fahrtrichtung jeweils zwei Groß-Piktogramme mit einem Durchmesser von drei Metern gepinselt werden. Eine Tischvorlage der SPD-Fraktion mit dieser Forderung wurde jetzt in der Sitzung des Ortsbeirates 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) verabschiedet.

Auf diesen kleinsten gemeinsamen Nenner einigten sich die Fraktionen nach kontroverser Diskussion. Diese drehte sich vor allem um die Forderung von Grünen und Linke, die Parkstreifen auf dem 750 Meter langen Abschnitt ersatzlos zu streichen und stattdessen einen getrennten Fahrradweg dort auszuweisen. SPD und CDU äußerten Bedenken. "Das geht an der Realität total vorbei", sagte Tim Hoppe (SPD) und erklärte, dass die Bewohner auf die 140 Parkplätze angewiesen seien. Prompt kam der Vorwurf von Melanie Gräßner (Grüne), dass "Parkplätze über Menschenleben gestellt werden".

Radfahren in Frankfurt: „Es muss sich schnell etwas ändern“

Dem widersprach SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Völker entschieden. Er habe den Eindruck, dass sich die neue Verkehrsregelung nach Anlaufschwierigkeiten besser eingespielt habe. "Stand Juli 2021 würde ich sie nicht für gescheitert erklären", sagte Völker.

Das hatte aber Katharina Knacker (Grüne) getan und auf einen schweren Unfall im Mai 2021 verwiesen. Viele Radfahrer hätten Angst, hier mit dem Rad zu fahren. Das bestätigte Silke Weigel von der SPD Hausen und Praunheim, die als Gast anwesend war. Sie fährt die Strecke jeden Tag zur Arbeit und sei kürzlich sogar von einem aufgebrachten Autofahrer bespuckt worden.

Frankfurt-Bockenheim: Überholverbot für Radfahrer

"Es muss sich schnell etwas ändern, zur Not auf Kosten von Parkraum", erklärte Bertram Giebeler vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Und er gestand: "Ich habe gedacht, es funktioniert, ich habe mich geirrt." Der ADFC hatte kritisiert, dass beim Überholen auf dem genannten Abschnitt der Mindestabstand zu Radlern nicht einzuhalten sei, Radstreifen und Parkplätze am Straßenrand zu nah aneinander platziert seien und deshalb Stürze in der Türöffnungszone drohten.

Als letzte Möglichkeit, die Situation zu entschärfen, war zuletzt in beide Fahrtrichtungen ein Überholverbot für Radfahrer eingeführt worden. Radfahrer sollen mitten auf der Fahrbahn fahren, so wie es ein Piktogramm anzeigt. Autofahrer missachteten das und viele benutzten weiterhin den Radstreifen, weil genervte Autofahrer wild hupten. Um Radfahrern deutlicher zu signalisieren, dass der Gefahrenstreifen aus Sicherheitsgründen nicht benutzt werden soll, ist er kürzlich mit X-en durchgestrichen worden.

Radeln in Frankfurt-Bockenheim: SPD, Grüne und Linke wollen Fahrspur durch Parkstreifen ersetzen

Ein Parkplatzproblem in der Schloßstraße sieht ein Gast der Sitzung nicht, wenn der Parkstreifen gestrichen wird. In der Kasseler Straße gebe es viele freie Stellplätze, sagte er. Der kurze Spaziergang dorthin sei Anwohnern zumutbar. So sieht das Linke-Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Hammelmann auch mit dem Weg zur Breitenbachbrücke. In einem gemeinsamen Papier schlagen Linke, Grüne und SPD vor, eine Fahrspur auf der Brücke zu streichen und als Parkstreifen auszuweisen. Alle Anträge zu diesem Thema sowie zur Schloßstraße wurden zurückgestellt. Ortsvorsteher Thomas Gutmann (Grüne) soll einen Ortstermin mit Experten vereinbaren.

Geprüft werden soll aber, ob mit Hilfe einer Absenkung der Bordsteinkanten zwischen Fahrbahn und Gleisbett die Fahrbahn der Schloßstraße provisorisch verbreitert werden kann, um kurz- und mittelfristig für mehr Verkehrssicherheit sorgen zu können. (Matthias Bittner)

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