+
Will Frankfurt als Industriestandort stärken: Philipp Jacks, der neue DGB-Chef der Region Frankfurt/Rhein-Main, im Osthafen.

Philipp Jacks ist der Nachfolger von Harald Fiedler

Vom Pizzabäcker zum DGB-Boss

  • schließen

Am 1. November tritt Philipp Jacks die Nachfolge von Harald Fiedler als Chef der DGB-Region Frankfurt/Rhein-Main an. Er verkörpert eine neue Generation von Gewerkschaftsbossen.

Frankfurt. Bevor jemand früher hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär wurde, trug er den Blaumann, hatte Zementstaub in den Klamotten oder trug wie der scheidene Frankfurter DGB-Chef Harald Fiedler die Uniform eines Briefträgers. Die junge Generation der Gewerkschaftssekretäre hat einen Universitätsabschluss, meist in Gesellschaftswissenschaften. Einer von ihnen ist der vierzigjährige Philipp Jacks, Fiedlers Nachfolger. Jacks hat an der Frankfurter Goethe-Universität Politikwissenschaft und Soziologie studiert und seine Magisterarbeit über Grundsicherung und Grundeinkommen geschrieben. Ein ähnliches Studium absolvierte auch Mike Josef (SPD) vor seinem Job als Gewerkschaftssekretär. Jetzt ist Josef Planungsdezernent der Stadt Frankfurt. Anders als Josef gehört Jacks keiner politischen Partei an, denn: „Ich bin der Meinung, dass auch der DGB eine überparteiliche Organisation sein soll.“

Fiedler-Nachfolger Jacks sieht in seiner akademischen Ausbildung keinen Nachteil. „Wir haben Aufgaben, die weit weg von der Werkbank sind. Die Mitgliedsgewerkschaften kümmern sich um die Betriebe, wir um die Politik“, betont er. Gleichwohl kann auch Jacks wie Franz Müntefering oder Harald Fiedler kurze Sätze. „Das ist das A und O“, sagt Jacks. „Es bringt nichts, schlaue Sachen zu sagen, und nach zehn Worten hört keiner mehr zu.“ Jacks muss bei der nächsten Maikundgebung auf dem Römerberg vor 7000 Gewerkschaftlern sprechen, von denen die wenigsten das große Latinum haben. „Da freu’ ich mich drauf“, sagt er glaubhaft. Schließlich hat er als Gewerkschaftsekretär in Wiesbaden bereits bei Maikundgebungen gesprochen. Dort organisierte er auch einen No-Pegida Spaziergang mit rund 10 000 Teilnehmern. Über sein Talent als Redner erhalte er „positive Rückmeldungen“.

Jacks stammt aus einer eher gewerkschaftsfernen, aber nicht unpolitischen Familie, wie er sagt. Die Mutter war Bürokauffrau, der Vater Bankkaufmann. Der Deutschlehrer in der Oberstufe verstand es, Jacks politisches Interesse zu wecken und die Welt zu hinterfragen. An der Universität haben ihn die Seminare des Staatstheoretikers Joachim Hirsch stark beeinflusst. Bereits als Student im 5. Semester wurde er Gewerkschaftsmitglied, weil „die Gewerkschaften die Möglichkeit haben, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse im positiven Sinn zu ändern“. Er engagierte sich im Studierendenparlament und in der Hochschulpolitik. Das Studium währte mit 16 Semestern entsprechend lange. Nach dem Studium ging er auch der Liebe wegen für zwei Jahre nach Australien. Dort schlug er sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Er kellnerte, arbeitete drei Monate in Vollzeit als Tellerwäscher und stand im tropischen Klima der Touristenhochburg Cairns als Pizzabäcker am Holzofen. Die dort erworbenen Kenntnisse zur Herstellung der italienische Spezialität kommen heute seiner Frau und den beiden Söhnen (zwei und fünf Jahre alt) zugute.

In Australien hat er „keine gute, aber eine wichtige Erfahrung gemacht: Man hat dort keine soziale Sicherheit. Es gab Phasen, in denen ich keine Arbeit gefunden habe.“ Dafür sei aber der Mindestlohn relativ hoch gewesen. Seine einzige soziale Sicherheit während des Australienaufenthalts sei das Rückflugticket nach Deutschland gewesen. Dort zurückgekommen, hatte er „einen nicht vorzeigbaren Lebenslauf“, was den Eintritt ins Berufsleben erschwerte. Dann suchte der DBG in Stuttgart einen Jugendsekretär als Elternzeitvertretung. In den acht Monaten der Tätigkeit konnte er soweit überzeugen, „dass ich eine unbefristete Stelle als Gewerkschaftssekretär in Aalen erhielt“. Weil die Familie wieder ins Rhein-Main-Gebiet zurückkehren wollte, nahm er anschließend die Stelle als Gewerkssekretär in Wiesbaden an. Dann folgte der Ruf nach Frankfurt. Die Stadt betrachtet Jacks als seine Heimat.

Als Gewerkschaftler will er die Vorteile der Demokratie in den Betrieben stärker herausstellen und die Mitbestimmung ausbauen. Zur Demokratie gehöre ein gerechtes Wirtschaftssystem. „Wenn die Leute nach der Arbeit fertig nach Hause kommen, können sie nicht die Demokratie mit Leben erfüllen.“ Die Initiativen Fiedlers zur Wohnungs- und Industriepolitik will er fortführen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare