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Ein weggeworfener roter Plastikbecher schwimmt im Wasser. Foto: Stefan Sauer/dpa +++(c) dpa

EU-Kommission

Plastikgeschirr soll verboten werden

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Plastikmüll wird immer mehr zu einem globalen Problem. Die Europäische Kommission will Kunststoffabfälle verringern. Im Gespräch ist ein europaweites Verbot von Plastikgeschirr. Das sorgt in Hessen für eine Kontroverse.

Die EU-Kommission will erreichen, dass es in Europa viel weniger Abfälle aus Plastikmüll gibt als bislang. Als eine Maßnahme soll laut „Wirtschaftswoche“ Plastikgeschirr in der Europäischen Union verboten werden. Das Bundesumweltministerium lobt die Idee. Der Parlamentarische Staatssekretär, Florian Pronold (SPD), äußerte sich mit den Worten: „Wir erwarten mutige Schritte , die dabei helfen, überflüssigen Plastikmüll zu vermeiden.“

Für ein Verbot müsste das Europaparlament und die Mitgliedsstaaten dem Vorhaben zustimmen. Zu erwarten ist ein handfester Streit, wie schon die Reaktionen in Hessen zeigen.

Georg Mehlhart vom Darmstädter Öko-Institut etwa befürwortet ein Verbot von Plastikgeschirr, hält eine solche Maßnahme aber nicht für den ganz großen Wurf. „Sollten die Vorschläge umgesetzt werden, ist es ein kleiner Schritt, aber ein wichtiger“, sagt Mehlhart.

Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, die ihren Sitz in Bad Homburg hat, sieht es anders. Sprecherin Mara Hancker sagte, Verbote sollten der „allerletzte und gut durchdachte Schritt sein, wenn andere Maßnahmen nicht greifen“. Hancker nennt als Möglichkeit, Menschen „rechtlich zu verfolgen“, die Plastikmüll achtlos wegwerfen. Auch sei die Aufklärung der Bürger wichtig. Außerdem schlägt sie vor, das Entsorgungssystem für den Plastikmüll zu verbessern.

Statistische Erhebungen über die in Hessen erzeugte Gesamtmenge an Kunststoffabfällen gibt es nicht, sagt Julia Stoye, die stellvertretende Sprecherin des Umweltministeriums in Wiesbaden. Bekannt sei lediglich die Menge der pro Jahr im Gelben Sack (oder Gelber Tonne) erfassten Leichtverpackungen, der neben Kunststoff- aber auch Metall- und Verbundverpackungen beinhalte. Das waren laut der Abfallmengenbilanz des Jahres 2016 rund 187 000 Tonnen. Das ist in etwa so viel Gewicht wie das von 333 voll beladenen Flugzeuge vom Typ A 380.

Ministeriums-Sprecherin Stoye sagte, um Abfall zu vermeiden, sollte mehr recyclingfähige Kunststoffe fabriziert werden. Auf diese Art könne man Ressourcen schonen und weniger fossile Rohstoffe verbrauchen.

Für den Experten Mehlhart vom Darmstädter Öko-Institut zählt jede einzelne Maßnahme, um das Plastikaufkommen zu reduzieren. Global habe nämlich Plastikmüll dramatische Ausmaße angenommen. In Deutschland, so Mehlhart, stehe das Thema noch nicht ganz oben auf der Tagesordnung. Man verlasse man sich auf die Entsorgungs- und Abfallwirtschaft.

Mehlhart nennt als Beispiel das Frankfurter Museumsuferfest, das im vergangenen Jahr rund zwei Millionen Besucher anlockte. Der Experte geht davon aus, dass diese Besucherscharen „keine guten Auswirkungen“ auf den Main haben. Viel Müll, auch solcher aus Plastik, lande während des Festes im Fluss. Mit dem Verbot von Plastikgeschirr könne diesem Problem vorgebeugt werden.

Die EU-Kommission hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Bis 2030 sollen alle Plastikverpackungen in der Union wiederverwendbar sein. Haushaltskommissar Günther Oettinger hatte in der vergangenen Woche zudem Folgendes vorgeschlagen: Pro Kilo Plastikmüll, der nicht wieder genutzt werde, sollten die Regierungen 80 Cent an die Gemeinschaftskasse zahlen. Ob es dazu kommt, ist fraglich. Im Europaparlament findet der Vorschlag zwar einige Befürworter. Aber Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hält nichts davon.

Klar ist aber, dass sich etwas ändern muss. Die Europäer erzeugen jedes Jahr 25 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle. Nicht einmal ein Drittel davon würden recycelt, teilte die Kommission mit. Ihr erster Vizepräsident, Frans Timmermans, hatte im Januar eine EU-Strategie zu dem Thema vorgelegt und gesagt: „Wenn wir nicht die Art und Weise ändern, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, wird 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische.“

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