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Jede Menge Müll vom Picknick und Grillen liegt am 09.06.2014 in Frankfurt am Main (Hessen) im Günthersburgpark, nachdem die Liegeweisen an dem heißen Abend zuvor von zahlreichen Menschen bevölkert war. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Müllentsorgung in der Stadt

Plastikmüll ist auch in Frankfurt eine echte Plage

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Die Europäische Kommission will die Flut von Kunststoffabfälle verringern und plant unter anderem ein Verbot von Plastikgeschirr. Das hat Vor- und Nachteile.

Sommer, Sonne, Straßenfeste: Jetzt wird wieder überall in der Stadt gefeiert. Nach der großen Sause kommt aber häufig das böse Erwachen. Der Müll türmt sich. Und vieles davon sind Plastikbecher,, -flaschen und -geschirr. Um den immer größer werdenden Bergen von Plastikmüll Herr zu werden – insgesamt 37 Kilogramm Verpackungsmüll aus diesem Material produziert jeder Deutsche jährlich (siehe Kasten) – plant die Europäische Kommission nun unter anderem ein Verbot von Plastikgeschirr.

„Ich finde das gut. Das ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und kann erst der Anfang sein“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Sie findet es erschreckend, dass Verbraucher beim täglichen Einkauf regelrecht dazu verdammt seien, in Plastik abgepackte Wurst oder Käse zu kaufen. Sie würde sich mehr Laden wie gramm.genau in der Berger Straße 26 wünschen. Dort werden Lebensmittel unverpackt angeboten, Kunden bringen einfach eine Dose mit und wiegen die gewünschte Menge ab. Die Macher des Ladens haben bereits Pläne für ein Zero Waste Café, in dem kein Müll anfällt. Einweg-Servietten, abgepackte Kekse oder Plastikstrohhalme soll es hier nicht geben. Das wäre ganz im Sinne der Kommunalen Ausländervertretung, die ein Verbot für Plastikverpackungen in Frankfurter Restaurants, Bistros und Gaststätten sowie bei lokalen Produkten fordert.

Auch bei Straßenfesten könne man laut Heilig weitgehend ohne Plastik auskommen. Essbare Teller aus Maisstärke seien beispielsweise eine Alternative. Nach Angaben von Lechi Engel-Langewand von der Ineba Gbr stimmt das aber nur bedingt. Biologisch abbaubar seien die essbaren Teller oder Becher aus Maisstärke nur dann, wenn sie in speziellen Anlagen bei Temperaturen von mehr als 80 Grad behandelt würden. „Es gibt aber nur eine Handvoll davon“, sagt sie.

Engel-Langewand ist eine von drei Geschäftsführerinnen der Ineba GbR. Das 2016 gegründete Unternehmen wurde im vergangenen Jahr mit dem Gründerpreis der Stadt ausgezeichnet und hat sich darauf spezialisiert, nachhaltige Veranstaltungen durchzuführen. Unter anderem beriet das Unternehmen die Documenta in Kassel und arbeitet derzeit an einem Konzept, wie sich Plastikmüll in Kinos reduzieren lässt. Eine Möglichkeit für Straßenfeste sei beispielsweise ein Spühlmobil, in dem Teller und Gläser gewaschen werden. Außerdem gebe es spezielle Lieferdienste, die abends Tassen, Teller und Besteck abholen, spülen und morgens sauber wieder bringen. Das sei nicht viel teurer als Plastikgeschirr zu kaufen.

Das Konzept hat nach Ansicht von Kaweh Nemati, dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße, die das Berger Straßenfest organisiert, einen Nachteil. Mehrweggeschirr könne zu Bruch gehen und stelle somit ein Verletzungsrisiko dar. Dennoch mache auch er sich Gedanken über Nachhaltigkeit – künftig will er auf essbare Teller setzen, in diesem Jahr seien für Cocktails nur noch halbe Strohhalme verwendet worden. „Wir weisen die Standbetreiber darauf hin, möglichst auf Plastik zu verzichten“, sagt Torsten Schiller, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße, die das Schweizer Straßenfest organisiert. Zwingen könne man die Standbetreiber aber nicht.

Das sieht Kirsten Fischer, die Planung und Organisation der J.P. Morgan Corporate Challenge zuständig ist, anders. „Ich verdonnere alle dazu, kompostierbare Becher zu benutzen, auch wenn die fast das doppelte wie herkömmliche Plastikbecher kosten“, sagt sie. Beim weltweit größten Firmenlauf in Frankfurt gehen heute mehr als 64 000 Sportler an den Start. Gebrauchte Becher werden in Containern gesammelt. Das System habe sich seit mehr als zehn Jahren bewährt.

Immer mehr Plastikbecher, -flaschen und -geschirr werden nach dem Picknick in Parks und Grünanlagen mittlerweile liegengelassen. Und so gibt das Grünflächenamt schon mehr als jeden fünften Euro des Etats für die Grünflächenunterhaltung für Reinigung und Müllentsorgung aus – rund 2,4 Millionen Euro jährlich.

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