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Florian Neubrech schaut durchs OP-Mikroskop, während Alexander Franz mit Prof. Michael Sauerbier (rechts) fachsimpelt.

Ausstellung

Tag der Plastischen Chirurgie: Viel mehr als nur Schönheitsmedizin

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Unter dem Motto „Was leistet Plastische Chirurgie?“ lud gestern auch die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik zum ersten bundesweiten Tag der Plastischen Chirurgie ein. Hingucker im Foyer war ein fast zwei Meter hohes Operations-Mikroskop.

Professor Dr. Dr. Michael Sauerbier (54) weiß, was Arthrose geplagte Menschen brauchen: Einen sanften Händedruck. Der Chefarzt der Abteilung für Plastische, Hand- und Rekonstruktions-Chirurgie an der BGU ist seit vier Jahren Boss von neun Oberärzten, 13 Assistenzärzten und 60 Betten – und dem einzigen zertifizierten „Hand Trauma Center“ im Rhein-Main-Gebiet nach den Richtlinien der Europäischen handchirurgischen Fachgesellschaft (FESSH). „Das hat nicht mal die Uni-Klinik“, sagt er stolz. Da kommt Dr. Wibke Moll (41), Leitende Oberärztin und Sauerbiers Stellvertreterin. Sie hat gerade einen Patienten nachbehandelt, dem ein Daumen amputiert worden war. Nun erklärt sie Besuchern, dass die Plastische Chirurgie im Gegensatz zur männerlastigen Orthopädie eine der seltenen Frauendomänen sei: „Ihnen liegt offenbar die äußerst filigrane Technik“.

Das ist eine im Wortsinn kleine Untertreibung: Die OP-Instrumente, die unterm gleißenden Lichtkegel des Mikroskops auf weißem Tuch liegen, sind winzig. Ein Mikrofaden ist dünner ist als ein Haar, eine Nadel hat einen Durchmesser von nur einem fünfzehntel Millimeter. Oberarzt Florian Neubrech (33) lässt Besucher durchs Mikroskop schauen und erzählt. Etwa, dass auch seine 70-jährige Mutter unter Arthrose leidet. Er zeigt auf (künstliche) Hand-Skelette, die jeden Rocker erfreuen könnten: Sie sind übersät mit Metallgliedern, die wie winzige Fahrradketten aussehen: Sie überbrücken Brüche oder versteifen Gelenke (Osteosynthese).

Prof. Sauerbier, seit einem Jahr Sekretär der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie, kurz DGPRÄC, ist stolz auf den Verband. Er wurde von elf Plastische Chirurgen am 16. Oktober 1968 in Bochum gegründet. Damals gab es keinen Facharzt für Plastische Chirurgie in der BRD: Das 50. Jubiläum war Anlass des bundesweiten Aktionstages gestern.

Sauerbier bedauert: „Oft wird die Plastische Chirurgie nur als Kosmetische oder sogenannte Schönheitschirurgie, bei der Fett abgesaugt, Brüste vergrößert oder Botox gespritzt wird, wahrgenommen.“ Dabei stehe sie gemäß dem Konzept der DGPRÄC auf vier Säulen: der Rekonstruktiven, der Hand-, der Verbrennungs- und der Ästhetischen Chirurgie. Die Plastische Chirurgie leiste besonders nach schweren Unfällen oder Verbrennungen Großartiges, denn Narben seien oft problematisch, weil unregelmäßig geformt oder entzündet. Auch die Wiederherstellung nach Krebserkrankungen, etwa Weichgewebesarkome, oder angeborene Fehlbildungen des Körpers gehören zu den Hauptaufgaben der plastisch-chirurgischen Abteilung.

Ein Schwerpunkt in der Abteilung ist die Hand-Chirurgie. Knochen, Sehnen, Bänder, Muskeln, Nerven, Gewebe und Haut werden für jeden Patienten in bestmöglicher Form wiederhergestellt. Die Behandlung von Handverletzungen, oft in Kombination mit Nerven-, Gefäß- und Sehnendestruktionen, reicht von schwersten Verletzungen und Amputationen bis zur Behebung angeborener oder erworbener Erkrankungen der Hand. Häufig operiert wird auch am Plexus cervicobrachialis, ein Nervengeflecht im Halsbereich, das für die Muskulatur und Sensibilität von Schulter und Arm zuständig ist.

Die BGU ist ein überregionales, unfallchirurgisches Traumazentrum im Rhein-Main-Gebiet mit 360 Betten. Die elf Fachabteilungen versorgen mit zahlreichen Spezialambulanzen über 10 000 stationäre und etwa 72 000 ambulante Patienten pro Jahr.

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