Nachverdichtung hat begonnen

Platensiedlung bekommt 600 neue Wohnungen

  • Judith Dietermann
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Im Sommer soll mit dem Ausbau in der Platensiedlung begonnen werden, die vorbereitenden Arbeiten laufen seit Anfang April. Begonnen wird mit der Aufstockung der schon bestehenden Gebäude.

Der Gang durchs Quartier zeigt: Es geht los. Die sogenannte Nachverdichtung im nördlichen Teil der Platensiedlung hat begonnen. Baufahrzeuge sind unterwegs, auf den grünen Wiesen zwischen den Zeilenbauten der Sudermannstraße 31 - 41 stehen Container, in den Kellern sind Handwerker tätig. Für die dort lebenden Mieter bedeutet dies jetzt: umdenken und sich neu organisieren. Denn ihre Wäsche werden sie in den kommenden Wochen nicht wie bisher im Keller sondern in den Waschcontainern vor der Tür in Maschine und Trockner stecken.

„Wir haben Anfang April mit den vorbereitenden Maßnahmen für die Aufstockung der Zeilenbauten begonnen. Wir fangen im Keller an und arbeiten dann im Dachgeschoss weiter“, sagt Frank Junker, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG, seit 1995 Eigentümer der Siedlung, die in den 1950er-Jahren für die US-Army gebaut wurde.

Fundamente verstärken

Diese Reihenfolge sei nötig, weil zunächst die Fundamente werden müssten, ehe man zwei weitere Stockwerke auf die dreigeschossigen Bauten setzt. Hinzu kämen Bohrungen sowie Rodungsmaßnahmen für die Tiefgarage, die mit 420 Stellplätzen geplant ist.

Insgesamt 600 neue Wohnungen – 50 Prozent öffentlich gefördert und 50 Prozent frei finanziert, mit Quadratmeterpreisen zwischen fünf und zehn Euro – will die ABG innerhalb von drei Jahren in der Sudermann- und der Stefan-Zweig-Straße bauen. Neben der Erweiterung der Bestandsbauten entstehen zudem neue Häuser mit jeweils sechs Vollgeschossen. Verbunden werden die Alt- und Neubauten über Brückenhäuser und Torbauten. 342 Drei-, Vier- und Fünf-Zimmer-Wohnungen gibt es aktuell nördlich der Platenstraße, in den Neubauten sollen auch kleinere Einheiten dazukommen. Das Vorhaben nördlich der Platenstraße ist jedoch nur der erste Bauabschnitt eines Großprojektes: Insgesamt 2500 Wohnungen will die ABG in den kommenden Jahren in der Siedlung bauen – für rund 95 Millionen Euro.

Mit dem Rückbau innerhalb der Dachgeschosse sei man bereits fertig, so Junker, ebenso wie mit der Schadstoffsanierung. Im Sommer würden an den ersten Blocks die Dächer abgebaut. Den Anfang macht die Zeile 02 in der Sudermannstraße 37 - 41, beginnen sollen die Arbeiten dort nach dem aktuellen Stand am Montag, 2. Juli – an dem Tag, an dem die Arbeiten im Keller abgeschlossen sein sollen. Rund ein Jahr – inklusive der vorbereitenden Maßnahmen wie dem Ausbau – soll die Aufstockung dauern, mit einem Kran wird zunächst das Dach abgedeckt.

Aus Holzmodulen

Aus Holzmodulen werden die beiden neuen Stockwerke gebaut, angefertigt von der Münchener Firma „LiWood“, die bereits die Flüchtlingsunterkunft am Sportcampus Bockenheim hergestellt hat. Allerdings werden die Module nicht angeliefert, sondern in Frankfurt angefertigt. Dafür wird die Firma eine sogenannte Feldwerkstatt auf dem brachliegenden Gelände an der Sandelmühle in Heddernheim aufbauen und von dort nach Ginnheim karren. Das ist ganz nach Frank Junkers Geschmack. Schließlich fallen die langen Transportwege weg, das spart nicht nur kosten. „Es ist zudem auch ökologisch sehr sinnvoll“, so der ABG-Chef. Das Holz komme aus Deutschland, aus dem bayerischen Wald. Mit der Errichtung des ersten Neubaus soll im März 2019 begonnen werden, ebenso wie mit dem Bau der Tiefgarage. Im April 2022 soll die Nachverdichtung abgeschlossen sein, so zumindest der Plan.

Für die Mieter bedeutet die Nachverdichtung der Platensiedlung zunächst eines: Lärm und Schmutz. Das weiß auch Frank Junker. Deswegen gebe es auch regelmäßig Mieterdialoge, vier mal habe diese Veranstaltung schon stattgefunden.

Mit Erfolg: Die anfänglichen Proteste seien weniger geworden, es gebe lediglich noch vereinzelte Mieter, die immer mal wieder etwas zu meckern hätte. „Die Erfahrungen haben wir bereits bei den Arbeiten in der Heinrich-Lübke-Siedlung gehabt und wissen damit umzugehen“, versichert Junker.

Deswegen werde es auch in der Platensiedlung einen Info-Container geben, als Anlaufstelle für die Sorgen und Nöte der Mieter. Ab Mai werde dieser in der Stefan-Zwei-Straße, in Höhe der Hausnummer neun , aufgestellt. Zudem werde den Mietern, je nachdem wie sie durch die Arbeiten betroffen sind, die Miete gemindert – zwischen fünf und 35 Prozent.

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