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Blick auf Wohnhäuser in der Sudermannstraße.

Frankfurt Ginnheim

Kampf gegen die Gewalt: Polizei rüstet sich für die Silvesternacht in der Platensiedlung

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Zu solch massiven Ausschreitungen wie Silvester im vergangenen Jahr soll es in der Platensiedlung nicht mehr kommen. Während die Polizei auf mehr Kräfte setzt, appelliert der Regionalrat an den gesunden Menschenverstand: Seit zwei Wochen hängen in den Hausfluren entsprechende Schreiben. In drei Sprachen.

Frankfurt - Rückblick: Es ist die Silvester-Nacht 2017. Plötzlich taucht in der Platensiedlung eine Jugendgruppe auf, eine 30- bis 40-köpfige Truppe zieht durchs Quartier. Sie zünden Mülltonnen an und randalieren. Als die Polizei hinzukommt, werden Beamte körperlich angegriffen. Die Situation droht zu eskalieren.

Platensiedlung Frankfurt: Krawalle in der Silvesternacht verhindern

Zu diesen Ausschreitungen soll es in diesem Jahr nicht kommen. „Wir haben aus unseren Fehlern gelernt“, sagt Polizeisprecher Alexander Kießling. Deswegen wird die Polizeipräsenz in der Silvesternacht verstärkt, Kräfte werden aus der Innenstadt abgezogen, sie sollen in Ginnheim für mehr Sicherheit sorgen. Auch ein Wasserwerfer soll in direkter Nähe stationiert werden. Doch Kießling hofft, dass allein die verstärkte Polizeipräsenz für mehr Ruhe sorgen wird.

Zudem wird die Polizei Videotechnik einsetzen. Ausschreitungen werden gefilmt, das soll die Festnahme der beteiligten Personen erleichtern. Kritisch werde es an Silvester immer dann, wenn die Menschen alkoholisiert seien. „Dann solidarisieren sie sich sehr gerne. Das ist allerdings nicht nur in der Platensiedlung so.“ Kießling nennt weitere Brennpunkte, auf die die Polizei, abgesehen von der Innenstadt, in der Silvesternacht ein Auge wirft. Auch in der Karl-Kirchner-Siedlung in Preungesheim sowie in Bockenheim und Rödelheim werde die Polizeipräsenz erhöht. Wie bereits in den vergangenen Jahren.

Verhaltensregeln sollen Anwohner über den korrekten Umgang mit der Silvesternacht aufklären

Aber nicht nur die Polizei rüstet sich für Silvester. Auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding, Eigentümerin der Gebäude in der Platensiedlung, hat Vorbereitungen getroffen. „In Absprache mit den Frankfurter Entsorgungsbetrieben wird es an Silvester eine Sonderleerung der Mülltonnen geben“, sagt ABG-Chef Frank Junker. Das habe sich auch in den anderen Siedlungen bewährt. Trotzdem appelliert Junker auch an den „gesunden Menschenverstand“, wie er sagt. Denn es sei an Silvester nicht wichtig, irgendetwas in Brand zu stecken, um schön feiern zu können. „Es ist jeder gut beraten, ruhig und friedlich zu feiern“, sagt er.

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Das ist auch der Wunsch von Rachid Rawas, Vorsitzender des Regionalrates Ginnheim. Bereits vor zwei Wochen habe man deswegen an den Schwarzen Brettern der Häuser entsprechende Schreiben für die Bewohner angebracht. In drei Sprachen. Türkisch, Arabisch und Deutsch. Denn die Platensiedlung ist international. Es sind quasi Verhaltensregeln, die Bewohner bekommen erklärt, wie man sich in der Silvesternacht verhält. Ob das etwas bringt? Rachid Rawas ist überzeugt davon. „Die Leute fühlen sich angesprochen, allein schon deswegen, weil sie den Text in ihrerer Sprache lesen können. Dadurch fühlen sie sich ernst genommen“, sagt er.

Platensiedlung in Frankfurt Ginnheim: Ein sozialer Brennpunkt

Dass Feuerwerk nur in der Nacht vom 31. Dezember zum 1. Januar erlaubt ist, steht dort in schwarzer Schrift auf weißem Papier. Mit den Kindern soll über den richtigen Umgang mit Feuerwerkskörpern gesprochen werden und Müll soll nicht am 31. Dezember, sondern erst am 1. Januar entsorgt werden, um die Brandgefahr der Tonnen zu minimieren. Zudem soll während der Silvesternacht nichts Brennbares auf den Balkonen gelagert und die Fenster geschlossen werden. In einem letzten Satz werden die Bewohner motiviert, mit dem Handy gefilmte oder fotografierte Straftaten (anonym) an die Polizei weiterzuleiten.

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Diese Maßnahme begrüßt Rachid Rawas. „Wir müssen gemeinsam zeigen, dass wir das, was derzeit in der Siedlung passiert, nicht zur Normalität wird“, sagt er. Ohnehin hat der Vorsitzende des Regionalrates das Gefühl, dass es ruhiger geworden ist in den vergangenen Wochen.

Von einem weiteren Drogenfund in einer Wohnung, dem brennenden Bücherschrank vor der Astrid-Lindgren-Schule und dem beschädigten ABG-Container in der Stefan-Zweig-Straße einmal abgesehen. „Ich glaube sowieso nicht, dass das die Drogendealer waren. Warum das passiert ist, versteht hier ohnehin niemand“, sagt Rawas.

Keiner weiß, warum so viel in der Platensiedlung geschieht

Auf den Straßen sei es derzeit überraschend ruhig, seien kaum Menschen unterwegs. Das könne aber freilich auch mit dem Wetter zusammenhängen. „Es ist halt Winter“, sagt Rawas. Es werde definitiv weiter gedealt, aber eben nicht mehr so offensichtlich wie bisher. „Die Menschen, die hier leben, sind nicht inaktiv und nicht lustlos. Von den Schritten nach vorne, die von der ABG und der Polizei angestoßen wurden, ist jedoch noch nichts zu spüren“, ist er nach wie vor überzeugt davon, dass man die Probleme im Quartier in den Griff bekomme. „Wir brauchen nur ein bisschen Ruhe und Zeit und freilich auch ein friedliches Silvesterfest“, sagt Rawas.

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