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Im Info-Container der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding stellten (von links) Frank Junker (AGB-Geschäftsführer), Planungsdezernent Mike Josef (SPD), Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) und Polizeipräsident Gerhard Bereswill ihre Verbesserungsmaßnahmen fürs Quartier vor.

Kriminalität

Platensiedlung soll sicherer werden

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Nach der Krawallen an Halloween rückt die Platensiedlung noch stärker in den Fokus: Neben der bereits seit Mai erhöhten Polizeipräsenz, und den Kündigungen von sieben Mietparteien legt die ABG Holding nach: Ab Sonntag sind Streifen im Quartier unterwegs – mit Hund.

Erst die Krawalle in der Silvesternacht, dann die Drogenrazzia Mitte September und Anfang November die Ausschreitungen an Halloween: die Platensiedlung kommt nicht zur Ruhe. „Es handelt sich aus polizeilicher Sicht um einen sozialen Brennpunkt“, sagt Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Gemeinsam mit Planungsdezernent Mike Josef (SPD), Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) und Frank Junker, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding, Eigentümerin der Wohnungen in der Platensiedlung, hatte er deswegen in die Siedlung eingeladen.

„Kriminalität in unserer Nachbarschaft werden wir nicht dulden. Nicht in der Platensiedlung und auch nicht in anderen Stadtteilen“, betonte Mike Josef. Und er versicherte, dass man in anderen Problemquartieren ebenso hart durchgreifen werde. Zumindest, wenn die ABG dort Wohneigentümerin sei. Schließlich war es Junker, der nach der Razzia im September entschied: Mieter, in deren Wohnungen Drogen, Waffen und Bargeld gefunden wurden, fliegen raus. Egal, ob mit dieser Entscheidung ganze Familien auf der Straße sitzen.

„Mein Mitleid hält sich da in Grenzen. Diese Menschen haben ihr Recht auf eine Mietwohnung verspielt“, sagte Junker gestern. Sechs fristlose Kündigungen hat die ABG ausgesprochen, derzeit laufen die Räumungsklagen. Junker rechnet im Frühjahr mit einer Entscheidung. „Wir stehen da auf einem sehr sicheren Boden. Es ist nicht das erste Mal, dass wir das gemacht haben. Für das Schicksal der Familie ist das tragisch, aber ich sehe solch eine Kündigung als generalpräventive Maßnahme“, sagte er.

Hundestreifen

Zudem habe man eine Fürsorgepflicht gegenüber den anderen Mietern in der Platensiedlung. Deswegen will die ABG Holding künftig auch noch mehr Präsenz zeigen. So können sich die Bewohner aus dem südlichen Teil der Siedlung, wo die Probleme deutlich massiver sind, künftig auch an den Info-Container in der Stefan-Zweig-Straße wenden. Außerdem werde künftig ab Sonntag, 11. November, jeden Nachmittag um 17 Uhr eine Doppelstreife mit Hund im Quartier unterwegs sein. Eine Maßnahme, die die ABG vor zehn Jahren bereits in der Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim durchführte, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

Mehr Sicherheit – das ist es auch, was die Polizei sich in der Siedlung wünscht. Deswegen wurde zum 1. Mai die „Arbeitsgemeinschaft Siedlung“ gegründet und die Polizeipräsenz im Quartier verstärkt. Sechs zusätzliche Beamte wurden dafür abgestellt. Alleine im Juli war die Polizei an 23 Tagen mit offenen und verdeckten Maßnahmen präsent, bilanzierte Bereswill. 670 Personenkontrollen habe man seitdem durchgeführt, hinzu kamen 31 Wohnungsdurchsuchungen. 35 Personen wurde des Handels mit Betäubungsmitteln beschuldigt, 128 wegen des Erwerbs und Besitzes.

Der offene Drogenhandel – vornehmlich mit weichen, aber auch harten Drogen wie Kokain und Amphetaminen – fände hauptsächlich zwischen 12 und 20 Uhr statt. Auf offener Straße. Und von Personen, die auch in der Siedlung leben. „Das ist etwas ungewöhnlich, normalerweise suchen sich Drogendealer andere Orte in der Stadt“, so Bereswill. Die bisherige Bilanz der polizeilichen Maßnahmen sieht er positiv, auch wenn die Fallzahlen gestiegen seien. Das habe jedoch mit den verstärkten Kontrollen zu tun, erklärte der Polizeipräsident. Zudem seien die Wohnungseinbrüche, Trickdiebstähle und Sachbeschädigungen in den vergangenen sechs Monaten zurückgegangen. Auch gebe es immer weniger Gruppenbildungen sowie etwa 30 bis 40 Prozent weniger Drogenkäufer in der Platensiedlung.

Mehr Prävention

Sowohl für die Polizei wie auch für die Stadt und die ABG Holding sind diese Zahlen zwar positiv – aber eben nicht positiv genug. Deswegen sollen die Maßnahmen nicht nur fortgeführt, sondern sogar noch verstärkt werden. „Die Sicherheits- und Ordnungskontrollen durch die Streifen der Stadtpolizei in der Platensiedlung werden erhöht und das Sicherheitsmobil öfter vor Ort positioniert. Des Weiteren werden über den Regionalrat Ginnheim die Präventivmaßnahmen forciert“, sagte Markus Frank. Denn das, was derzeit in Ginnheim passiere, habe „eine neue Qualität in der Stadt“.

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