Quartier in Ginnheim

Platensiedlung: Stadt bremst beim Wohnungsbau

  • VonGünter Murr
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Nach Protesten der Bewohner werden die Pläne der städtischen ABG Holding zur Nachverdichtung der Platensiedlung in Ginnheim korrigiert. Statt 700 bis 750 werden in einem ersten Schritt nur noch zwischen 500 und 600 neue Wohnungen in der 50er-Jahre-Siedlung entstehen.

Es soll ein Modell werden für ähnliche Siedlungen in der Stadt: Durch Aufstockung und Ergänzungsbauten sollen in der Platensiedlung, die einst für die amerikanischen Streitkräfte errichtet wurde, deutlich mehr Wohnungen entstehen. Mehr als 700 sollten zu den rund 350 vorhandenen hinzukommen – so sahen es die im Juli vorgestellten Pläne der ABG Frankfurt Holding vor. Zudem sollte das Wohnumfeld verbessert werden.

Doch es gab Proteste aus den Reihen der Mieter. Vielen wäre es am liebsten, wenn alles so bliebe, wie es ist. Jetzt hat die Stadt reagiert: Es sollen nur noch 500 bis 600 neue Wohnungen gebaut werden, sagte Planungsdezernent Mike Josef (SPD) gestern Abend im Planungsausschuss. Aus städtebaulichen Gründen werde auf einige der „Brückenbauten“ über der Sudermannstraße verzichtet. Außerdem sollen die Anbauten an die bestehenden Häuser maximal sechs Geschosse haben und damit eines weniger als ursprünglich geplant. „Die engen Höfe sollen nicht verschattet werden“, sagte Josef. „Die Wohn- und Lebensqualität darf nicht leiden.“ Aufgestockt wird um maximal zwei Geschosse, wie es auch geplant war.

Die Hälfte der neuen Wohnungen soll öffentlich gefördert werden, kündigte Josef an. 20 Prozent davon entfallen auf klassische Sozialwohnungen, 30 Prozent auf das Mittelstandsprogramm der Stadt und studentisches Wohnen. Aber auch die übrigen Wohnungen sollen relativ günstig angeboten werden. ABG-Chef Frank Junker spricht von weniger als 10 Euro pro Quadratmeter. Möglich ist das, weil die ABG keine Grundstücke kaufen muss. Entstehen sollen vor allem kleinere Wohnungen. Geplant sind auch zwei Kindertagesstätten.

Für die Bestandsmieter soll sich nichts ändern, keiner muss ausziehen. Ihre Wohnungen werden nicht angetastet, sie bekommen nur neue Fenster. Diese Modernisierung werde aber nicht zu einer Mieterhöhung führen, versprach Junker. Während der Bauphase werde die ABG freiwillig einen Mietnachlass gewähren.

Beginnen will die ABG bereits im kommenden Jahr in einem Teilgebiet der Siedlung zwischen Stefan-Zweig-Straße, Sudermannstraße und Platenstraße. Insgesamt sind drei Bauabschnitte geplant. Im Jahr 2022 könnte das Projekt abgeschlossen sein.

Bei den Fraktionen kamen die Pläne überwiegend gut an. Nur die Linke forderte einen Sozialwohnungsanteil von 100 Prozent.

(mu)

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