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So ruhig ist es in der Platensiedlung in Ginnheim nicht immer.

Ginnheim

In der Platensiedlung versuchen Anwohner das Drogen- und Dealerproblem zu lösen

Vor zwei Wochen durchsuchte die Polizei in der Platensiedlung sieben Wohnungen wegen des Verdachts auf Rauschgifthandel und wurde fündig. Die Razzia fanden viele Anwohner richtig. Um das Drogen-Problem aber bei der Wurzel zu packen, braucht es gute Nachbarschaft. Und einiges mehr .

Der Termin für das Sicherheitsgespräch in der Platensiedlung hatte schon Wochen zuvor festgestanden. Dann kamen die Drogen-Razzien am 11. September, drückten dem Bürgerdialog deutlich seinen Stempel auf und stellten die Fragen in den Mittelpunkt: Wie kann das Verhältnis zwischen Polizei und Anwohnern verbessert werden und wie geht es mit der Platensiedlung weiter?

Die Razzia hätten die meisten Anwohner für gut und notwendig befunden, sagt Rachid Rawas vom Regionalrat. So sieht es auch eine Frau beim Sicherheitsgespräch, die namentlich nicht genannt werden möchte. Schließlich seien viele verzweifelt. „Lässt man sein Kind zum Spielen heraus, muss man fürchten, dass ihm Dealer zwei Euro anbieten, wenn es dafür ein kleines Päckchen hier- oder dorthin bringt.“ Die Kinder wüssten oft nicht, dass es sich dabei um Drogen handele. Auch Hauptkommissar Edgar Ramelow, der das 12. Polizeirevier leitet, hält die Razzia für ein Erfolg. Nicht nur, weil man unter anderem 600 Gramm Haschisch, 25 Gramm Kokain und 33 000 Euro Bargeld gefunden hat.

40 Prozent der Drogenkäufer seien vor der Razzia von außerhalb Frankfurts gekommen, sagt er. „Das ist deutlich weniger geworden, auch wenn innerhalb der Siedlung der Drogenhandel weitergeht.“ Positiv hätten viele auch die Nachricht aufgenommen, dass die ABG Frankfurt Holding jene aus ihrer Wohnung wirft, die sie für Rauschgifthandel missbrauchen. Sieben Mietverträge seien deshalb gekündigt worden, sagt ABG-Chef Frank Junker. Einige Anwohner haben laut Rawas aber Angst bekommen. Was, wenn ein Dealer Drogen auf meinem Fenstersims versteckt und ich es nicht bemerke; könnte ich dann meine Wohnung verlieren? „Nein“, sagt Junker. „Eine solche Tat muss erst nachgewiesen werden, sonst hat niemand etwas zu fürchten.“

Alleine kann die Polizei das Drogenproblem aber nicht lösen. „Nach einer Razzia verkrümeln sich die Dealer, und wir müssen sie erst wieder finden“, sagte Ramelow. Darum sei man auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. In der Siedlung hätten allerdings viele Bürger Vorurteile gegenüber der Polizei, sagt Rachid Rawas. „Wegen schlechter Erfahrungen in ihren Heimatländern nehmen sie auch in Deutschland Polizisten nicht als Helfer wahr.“ Hier meldet sich die anonyme Frau wieder zu Wort. Ihr hätten vermeintliche Dealer schon gedroht, weil sie sie auf ihre Machenschaften angesprochen habe. Träfen die Dealer sie nun auf der Straße und kurz danach käme die Polizei, fürchte sie, dass das auf sie zurückfalle. Ramelow nickt. „Die Platensiedlung braucht nun etwas Courage“, sagt er. „In Gefahr soll sich aber keiner bringen.“

Wollen die Anwohner „sich die Straße zurückerobern“, wie Rawas es ausdrückt, sei es das wichtigste, dass sich die Bürger vernetzten. „Reden sie mit ihre Nachbarn, dann sind sie im Fall des Falles nicht alleine.“ Ramelow fügt hinzu: „Bevor sie die Polizei wegen zu lauter Musik des Nachbarn rufen, sprechen sie ihn erstmal selber an, um Streit zu vermeiden.“ Gute Nachbarn helfen schließlich, wenn jemand ein Fahrrad stehlen will oder ein Auto anrempelt.

Doch mit Polizei und guter Nachbarschaft, ist es nicht getan, findet Ulrike Fritz, die Leiterin des Jugendzentrums Ginnheim. Die Vorbehalte gegen die Polizei gebe es auch bei Jugendlichen, sagte sie gegenüber dieser Zeitung. „Hier im Quartier brauchen wir daher dringend Streetworker, die mit den Jugendlichen von Angesicht zu Angesicht reden.“ Zwei entsprechende Stellen hatte der Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) bereits gefordert. Der Magistrat lehnte ab und verwies auf den Quartiersmanager, der hier bald seine Arbeit aufnehmen soll. „Der ist aber nicht nachts auf der Straße, wenn Jugendliche unterwegs sind“, entgegnet Fritz.

Einen konkreten Plan brachte das Sicherheitsgespräch aber hervor. Der Schutzmann-vor-Ort könne bei der Caritas doch einmal auf einen Kaffee und ein Gespräch mit besorgten Müttern vorbeischauen. So werden vielleicht manche Vorbehalte gegen die Polizei auf der Welt geschafft.

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