+
Der FC Heisenrath Goldstein-Vorstand: Abiel Adhanom (30), Koray Yavuz (28), Redi Misghina (28) und Adam Adhanom (31, v.l.).

FC Heisenrath

Platz für Mini-Kicker

Ein ganzes Jahr lang haben die Gründer des FC Heisenrath eigenhändig an der Errichtung eines neuen Fußballfeldes gearbeitet. Künftig sollen dort zwei neue Bambini-Mannschaften trainieren.

Von JELLA MEHRINGER

Adam Adhanom ist ein Macher. Er und sein Bruder Abiel (31) sind in der Goldsteiner Wohnstadt „Heisenrath“ aufgewachsen, die mit ihren fünf Hochhäusern seit Jahrzehnten als Problembezirk bekannt ist. Hier haben sie sich früher hauptsächlich mit Kicken zwischen den Wohnblocks beschäftigt. Doch jetzt, da sie erwachsene Männer sind, möchten sie der neuen Heisenrath-Generation mehr bieten. Also haben sie sich im Jahr 2013 mit sechs Freunden zusammengeschlossen und kurzerhand einen Fußballverein gegründet. Seither trainieren in ihrem Verein insgesamt sechs Mannschaften, vier in der Jugend und zwei Senioren-Teams.

Kurz nach der Gründung des Vereins hatten die Vorstandsmitglieder mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen: Um spielberechtigt zu sein, mussten sie einen Trainingsplatz finden, doch das gestaltete sich schwierig. Als sie schließlich die Erlaubnis bekamen, die Plätze des FC Goldstein mitzunutzen, merkten sie schnell, dass die verfügbaren Trainingszeiten für eine Vereinsetablierung und -erweiterung nicht ausreichen würden. Und wieder bewiesen die acht Gründungsmitglieder großen Kämpfergeist und Durchsetzungswillen, als sie 2015 begannen, eine Ackerfläche eigenhändig zu einem Sportplatz umzubauen.

Hilfe erhielten sie dabei von Landwirt Johann Fleck aus Zeilsheim, der seit Langem mit der Familie Adhanom befreundet ist. Er unterstützte die acht Männer mit seinen großen Maschinen, nachdem sie bemerkten, dass sie es ganz alleine wohl doch nicht schaffen würden. „Ich habe den Jungs aber wirklich noch viel Arbeit hinterlassen“, sagt Fleck bescheiden. Und Adhanom fügt lachend hinzu: „Und Spaß!“ Denn danach klaubten die Gründer und ihre Unterstützer in echter Handarbeit Steine und andere Unebenheiten aus dem neu entstandenen Platz.

Nun, da das Fußballfeld endlich vollständig präpariert und zum Bespielen bereit ist, gehen die Adhanom-Brüder und ihre Vereinsgefährten in die nächste Offensive. Sie wollen ihren kleinen Verein erweitern und bieten ab sofort auch Trainingszeiten für Bambini, also Fünf- bis Siebenjährige an. Zehn Knirpse sind am Freitag schon zum Einkicken gekommen, doch die Vorstandsmitglieder hatten sich mehr erhofft. Zuvor hatten sie Werbung im „Kinderhaus Goldstein“ und diversen Kitas gemacht. „Das war vor ein bis zwei Wochen, ich glaube wir hätten die Eltern mit E-Mails kurz vorher noch einmal erinnern sollen“, sagt Adam Adhanom mit immer noch bester Laune. Denn um die Zukunft ihres Vereins machen sie sich keine Sorgen, sind sie doch inzwischen mitunter wegen ihres Straßenfestes in der Nachbarschaft bekannt und beliebt. „Unser Image, und damit auch das Image unseres Bezirks, werden immer besser, die Leute merken das. Beim Nachbarschaftsfest zum Beispiel kommen alle und bringen Kuchen mit, nur um ihn dann selbst wieder zu kaufen und den Verein zu unterstützen. Das ist wirklich ein tolles Gefühl“, freut sich der 30-Jährige. Das Nachbarschaftsfest hatte es zuvor viele Jahre nicht gegeben, bis der FC Heisenrath Goldstein es neu aufgerollt hat. Dieses Jahr wird es am 27. August stattfinden und Adhanom betont, dass dort entsprechend ihrer Vereinsphilosophie, ausnahmslos jeder teilnehmen dürfe.

Integrative Kompetenzen zeigt der FC Heisenrath Goldstein auch mit seinem Inklusionsprojekt, das dieses Jahr in die zweite Runde geht. Die jungen Männer wollen es allen Kindern ermöglichen, Fußball zu spielen, unabhängig ihrer individuellen Voraussetzungen. Beim Inklusionstraining sind neben den Trainern vier pädagogische Kräfte am Platz, die die hilfsbedürftigen Kinder zusätzlich unterstützen. Für dieses gemeinsame Projekt mit dem „Kickwerk“, gegründet von Dr. Rainer Eckert aus Goldstein, und sein nachbarschaftliches Engagement beim Straßenfest hat der FC Heisenrath Goldstein im Jahr 2015 gleich zwei Preise der Stadt Frankfurt erhalten: den Sportpreis und den Nachbarschaftspreis.

Auf die Frage, was der FC Heisenrath sich für seine nähere Zukunft vorstelle, hat Adam Adhanom die wohl passendste Antwort für seinen Verein: „Wir machen einfach.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare