Inklusions-Fußballcamp

Auf dem Platz sind alle gleich

Auf der Sportanlage am Rosegger kicken Kinder mit und ohne Behinderungen zusammen. Sportliche Werte vermitteln möchten die Veranstalter – und die Kinder machen es ihnen sehr leicht.

Sich für Schwächere einzusetzen, sie zu motivieren und die eigene Leistungsfähigkeit nicht als Maßstab dafür zu nehmen, um schlechtere Spieler auszugrenzen, das sind grundlegende fußballerische Tugenden. Der deutschen Nationalmannschaft gingen sportliche Werte während der Fußballweltmeisterschaft in Russland fast völlig ab, auf der Sportanlage am Rosegger im Dornbusch sind sie eine Selbstverständlichkeit.

Seit Montag kicken dort acht teilweise schwerbehinderte und 32 nichtbehinderte Kinder zusammen. Der Verein „Concordia Eschersheim“ hat gemeinsam mit dem Prorogrammangebot „Ferienkarussell“ des Jugend- und Sozialamtes der Stadt Frankfurt zum inklusiven Fussballcamp auf seine Sportanlage geladen – und beweist, dass Deutschlands Fussballnachwuchs intensiv zu Werke geht.

„Eng stehen!“, „Jeder einen Mann“, „nicht so lustlos“ – auch am Rosegger möchte keiner verlieren. Das untermauern die lautstarken Anweisungen, die sich die Spieler zurufen. Aber Erik nimmt nicht zum dritten Mal am Fußballcamp teil, um den übrigen Kickern zu zeigen, wie gut er ist. „Es geht darum, Menschen mit Behinderungen eine Chance zu geben, sich auch sportlich zu betätigen. Es ist auch völlig egal, wer hier mit wem spielt. Hauptsache, jeder hat Spaß. Und den haben wir alle“, sagt Erik, der in der Fußballabteilung der TSG Frankfurter Berg aktiv ist.

Seine Einstellung teilen auch die anderen Kinder ohne Behinderung, die am Camp teilnehmen. Von ungefähr kommt diese jedoch nicht. „Es braucht ein wenig Zeit, bis sich diese Selbstverständlichkeit einstellt“, sagt Ulli Hartwig, Jugendleiter bei der „Concordia Eschersheim“. Um das respektvolle Miteinander zu fördern, lassen er und die übrigen Betreuer Kinder mit und ohne Behinderung sich gemeinsam umziehen, spielen und essen. „Wir schaffen den Rahmen für die Kinder; eine Regelmäßigkeit und der Rest kommt von alleine. Anfangs schauen manche Kinder auf andere Kinder mit Behinderungen. Nach kurzer Zeit ist es nichts Besonderes mehr“, ergänzt er.

Hartwig gibt allerdings zu verstehen, dass es Kindern leichter als Erwachsenen fällt, Menschen zu akzeptieren, die anders sind: „Kinder tragen eine grundlegende Empathie in sich. Im Alltag wird diese oft unterdrückt, gegängelt. Es gibt Leistungsdruck in der Schule oder auch im Sportverein. In einem Rahmen wie hier auf der Sportanlage kommen die Rücksicht und der Respekt von alleine.“

Bereits seit den Neunziger Jahren organisiert die „Concordia“ inklusive Sportcamps. Das Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt hatte damals beim Verein angefragt, ob er ein solche Veranstaltungen ausrichten wolle. Bis vor drei Jahren wollte man damit vor allem Kindern eine Teilnahme ermöglichen, die aus weniger gut situierten Familien kommen. Seitdem nehmen auch Kinder mit Behinderungen daran teil. „Und das Camp ist jedes Mal schnell ausgebucht“, sagt Betreuer Oliver Metz. Künftig möchten die Concordia und die Stadt das Camp noch stärker bewerben, damit noch mehr Kinder mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen mitmachen. Leichter wird die Organisation der Veranstaltung für Hartwig und Metz damit nicht. Heute setzen ihnen die Hitze und das schnöde WM-Aus der DFB-Elf etwas zu. Doch Hartwig muss nur auf das schauen, was auf dem Sportplatz geschieht, um sich aufzumuntern: „Dann stellt sich ein inneres Lächeln, weil unser Plan aufgeht.“

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