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Nicht zu halten: Ante Rebic (links) enteilt Niklas Süle.

Eintracht Frankfurt

Pokal-Held Ante Rebic setzt sich gegen jeden Gegner durch

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Ante Rebic ist an einem Eintracht-Abend für die Ewigkeit nicht zu bremsen. Das bekommt auch sein Trainer zu spüren.

Auf eine Strafe verzichtete Niko Kovac großzügig. Obwohl er heftig zu Boden gerissen worden war, von seinem eigenen Spieler. Ante Rebic aber war an diesem Abend einfach nicht zu stoppen, nicht einmal von seinem größten Förderer, dem scheidenden Trainer der  F . „Ich habe es versucht, aber er ist eben doch ein Koloss“, berichtete Kovac augenzwinkernd von dem Moment, in dem das Wunder vollbracht war und in dem ihm der Mann mit dem meisten Anteil daran außer Rand und Band um den Hals gefallen war. Das war auch nur nett gemeint – Rebic wusste, an wen er sich zu wenden hatte.

„Ich habe Niko einfach Danke gesagt. Danke für die Möglichkeit, Tore zu machen und den zu gewinnen“, berichtete der 24-jährige Kroate hinterher, sonst machte er keine großen Worte, das ist auch nicht sein Fall. Dafür waren nach dem sagenhaften Pokal-Triumph andere zuständig, vor allem Kevin-Prince Boateng, „Wir haben eine Maschine. Was der gestern abgerissen hat, unglaublich“, rief der Frankfurter An- und Wortführer den Fans bei der Pokalsiegerparty tags drauf auf dem Römerberg zu, deutete nickend auf den neben ihm stehenden Rebic und plauderte launig ein in der Kabine besprochenes Erfolgsgeheimnis aus. „Er hat in seinem Super-Deutsch zu mir gesagt: Bruder, schlag den Ball lang. Da habe ich ihm gesagt: Bruder, ich schlag den Ball lang.“

So einfach kann Fußball sein: Vor dem 1:0 in der elften Minute eroberte Rebic die Kugel und verwandelte den Doppelpass mit dem in der Spitze glänzenden Boateng, zehn Minuten vor Schluss besorgte er nach Danny da Costas nach vorne gedroschenem Ball das 2:1. Den Nationalverteidigern Mats Hummels und Niklas Süle nahm er etliche Meter ab, setzte sich wuchtig durch und hob den Ball gefühlvoll an Bayern-Torwart Sven Ulreich vorbei. „Eine unfassbare Energieleistung“, schwärmte Sportvorstand Fredi Bobic.

Für ihren großen Coup benötigte die Eintracht Glück, dass die Bayern nicht öfter trafen als beim 1:1 durch Robert Lewandowski (53.), auch dass diese keinen späten Elfmeter bekamen, sondern stattdessen Mijat Gacinovic mit dem 3:1 endgültig alles entschied. Sie verdiente sich das aber auch, mit Mut, Leidenschaft und vollem Einsatz – und einem überragenden Rebic.

Schon in der vergangenen Saison hatte er als Leihgabe vom AC Florenz angedeutet, was in ihm steckt. Vor allem in großen Spielen, nicht von ungefähr hatte er bereits beim knappen 1:2 im Pokalfinale gegen Dortmund vor einem Jahr das Frankfurter Tor erzielt. Immer wieder aber schwankte er zwischen Welt- und Kreisklasse. So sehr, dass den Verantwortlichen selbst die auf 3,2 Millionen Euro bezifferte Kaufoption zu teuer waren. In Florenz indes war Rebic aussortiert, die Bedingungen wurden günstiger – und Kovac fehlte noch ein Spitzenmann für besondere Momente, weshalb die Eintracht Ende August am letzten Tag der Transferperiode doch zuschlug und Rebic bald für zwei Millionen Euro auch fest verpflichtete. Bis 2021, hoffentlich ohne Ausstiegsklausel. Inzwischen hat sich der Marktwert verzehnfacht.

Wie wichtig er ist, zeigte sich zuletzt, als er mit einem Muskelfaserriss ausfiel. Jetzt fährt er mit Kroatien zur WM, so wie 2014 mit dem damaligen Nationaltrainer Niko Kovac. Dieser hat Rebic stets angestachelt, um ihn auf Trab zu halten. „Viele haben ihm unterstellt, dass er ein schwieriger Charakter und ein schlimmer Finger ist“, sagte Kovac. „Aber eigentlich ist er ein ganz zahmer Bube. Man muss nur wissen, wie man ihn anfasst und manchmal ein oder auch zwei Augen zudrücken.“ An diesem Samstagabend für die Ewigkeit sowieso. Das war einfach umwerfend.

(mka)

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