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Eintracht Frankfurt

Vom Pokalsieger zum Abstiegsaspiranten in nur wenigen Wochen

Die Prognosen für die Eintracht für die kommende Saison sind düster bis verheerend. Aber momentan heißt das noch nichts.

In der öffentlichen Wahrnehmung ist Eintracht Frankfurt vielleicht schon jetzt fast abgestiegen oder zumindest kurz davor. Während die „Frankfurter Rundschau“ am Donnerstag noch einen vergleichsweise moderaten zehnten Platz orakelte, gehen andere Medien und Menschen mit dem wackeligen Fußball-Bundesligisten weit weniger zimperlich um.

Die Prognosen sind ebenso düster wie verheerend. In einer Umfrage des „kicker“ ist die Eintracht die einzige Mannschaft aus dem letztjährigen oberen Tableau, dem die Fußballanhänger einen brachialen Absturz vorhersagen. 15,86 Prozent glauben an einen Abstieg der Frankfurter, nur Wolfsburg, Mainz, Nürnberg und Düsseldorf wird noch weniger zugetraut.

Der Sportinformationsdienst ist in seinem Urteil am ungnädigsten: „Was lief gut? Eigentlich nichts. – Was lief schief? Sportlich so gut wie alles. – Prognose: Frankfurt steigt ab.“ Klare Ansage. Wundert es da noch irgendjemanden, dass der neue Eintracht-Coach Adi Hütter auch bei den Buchmachern als klarer Topfavorit auf die erste Trainerentlassung gehandelt wird? Bei Bet90 führt der Österreicher das Klassement mit einer Quote von 2,50 mit deutlichem Vorsprung vor dem Nürnberger Michael Köllner (5,50) und dem unverwüstlichen Düsseldorfer Urgestein Friedhelm Funkel (6,00) an.

Und was heißt das nun alles? Natürlich nichts. Schließlich ist noch kein einziger Anstoß ausgeführt und kein einziger Punkt vergeben worden. Es lässt sich allerdings nicht wegdiskutieren, dass die Eintracht in den vergangenen drei Monaten, seit dem beinahe schon historischen Pokaltriumph gegen die Bayern, eine Prise Renommee und Standing eingebüßt hat. Wurde sie in den beiden zurückliegenden Spielzeiten stets als positive Überraschung gesehen und als Schwellenclub zu den Top-Acts gehandelt, so wirkt der Verein im Spätsommer 2018 in der Betrachtung von außen, gerade überregional, wieder wie ein Mittelklässler, der aufpassen muss, nicht nach hinten durchgereicht zu werden. Das ist irgendwie paradox. Denn eine erfolgreichere Spielzeit mit dem Pokalsieg und der Qualifikation für die Europa League haben die Hessen schon lange nicht mehr hingelegt.

Andererseits ist es nachvollziehbar: Zu groß war der Umbruch, zu ernüchternd die ersten beiden Pflichtspiele, zu niveauarm die Auftritte der Mannschaft, zu ziellos das ganze Projekt. Selbst Sportvorstand Fredi Bobic kam jetzt nicht umhin einzuräumen, dass „wir vor einem schweren Jahr stehen“. Man müsse den neuen Spielern und auch den WM-Fahrern Zeit geben. „Trotzdem geht die Angst um, das ist verständlich.“

Vor zweieinhalb Monaten, der Pokal war noch taufrisch in Frankfurt, war davon keine Rede, seinerzeit befand der 46-Jährige im Brustton der Überzeugung: „Es gibt hier keinen Ausverkauf oder Aderlass. Wir haben ein sehr gutes Gerüst mit erfahrenen und jungen Spielern. Wir sind gewappnet für die neue Runde.“

Hat es die Eintracht also schlichtweg verpasst, den Angriff auf die Topclubs einzuleiten, den berühmten nächsten Schritt zu machen? Das wäre zu simpel. In Wahrheit ist es so, dass die Frankfurter trotz eines wirtschaftlichen Rekordjahrs stetig an ihre Grenzen stoßen. Neun Vereine können mehr Geld in ihren Spielerkader pumpen. Das bedeutet allerdings auch, dass acht weniger Geld zur Verfügung haben. Die Eintracht muss im Hintergrund die Rahmenbedingungen schaffen, um langfristig ihre finanzielle Basis zu vergrößern. Das ist ein Prozess und geht nicht von heute auf morgen. Stichworte sind Internationalisierung, Digitalisierung, Geschäftsstellenneubau, Stadionerweiterung. Das sind wichtige Projekte, sie voranzutreiben ist nicht nur richtig, sondern zwingend erforderlich und alternativlos, um nicht dauerhaft abgehängt zu werden. Nur mit einer Ertragssteigerung und einem sukzessive wachsenden Gehaltsniveau wird man die Leistungsträger halten können. Deshalb lassen die Verantwortlichen in ihren Bemühungen nicht nach.

Und natürlich muss in dieser Heterogenität auch der Trainer erst einmal seinen Platz finden. Unter Adi Hütter hat sich einiges geändert, das Training ist anders, nicht mehr so hart, die Zügel sind nicht mehr ganz so straff wie unter Vorgänger Niko Kovac. Hütter ist ein freundlicher, verbindlicher Mann, der um Ausgleich bemüht ist. Der 48-Jährige muss seine Mannschaft zusammenführen, sie aufbauen und später entwickeln, vielleicht kann er ihr irgendwann mal eine eigene Identität, ein Leitbild geben. Zurzeit geht es um andere Dinge, in erster Linie um Konkurrenzfähigkeit.

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