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Die größte Hochschule Hessens steht in Frankfurt. Mit fast 70 000 Studenten ist dies eine echte Wissenschaftsstadt.

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Politiker und Professoren diskutieren: Weiterbildung an der Uni?

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Soll die berufliche Weiterbildung ein neues Angebot der hessischen Hochschulen werden? Landtags-Kandidaten bezogen in einer Podiumsdiskussion Stellung.

Forschung, Lehre und die „Dritte Mission“ des Engagements in der Gesellschaft – eigentlich genug zu tun für die Hochschulen des Landes. Ob sie sich auch noch im „lebenslagen Lernen“ und beruflicher Weiterbildung engagieren sollten, war eine Frage, die auf der Podiumsdiskussion zur Landtagswahl gestellt wurde. 70 Zuhörer waren gestern ins Casino der Goethe-Universität gekommen.

Eigentlich ist Tanja Brühl Professorin an der Goethe-Universität. Die Parteilose saß jedoch als nominierte Wissenschaftsministerin im Schattenkabinett von Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) auf dem Podium und griff auf berufliche Erfahrungen zurück, als sie sagte: „Wir haben viel zu wenig Kapazität, jetzt auch noch so einfach die berufliche Weiterbildung anzubieten.“ Schließlich kämen auf einen Professor in Frankfurt 90 Studenten, viel zu viele.

Zuvor hatte Daniel May, hochschulpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, gefordert, dass Bildung nicht nur unter Nützlichkeitsgesichtspunkten bewertet werden dürfe, also nicht nur als Geldwert einen Wert habe. Michael Boddenberg, Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag, wies darauf hin, dass die strikten Grenzen zwischen akademischer Welt und Berufswelt durchlässig seien: „Wir haben die Hochschulen für Meister geöffnet.“ Der Markt der beruflichen Weiterbildung hingegen sei von privaten Anbietern und den Kammern gut abgedeckt. Und: Es werde nicht gehen, ohne dass die Hochschulen für ihre Dienste Geld verlangen müssten.

Jan Schalauske sitzt für die Linke im Landtag. Er warnte vor einer Kommerzialisierung der Hochschulen ganz generell. Auch bei der beruflichen Weiterbildung dürften nicht nur kommerzielle Überlegungen vorrangig sein.

Jörg-Uwe Hahn (FDP) sitzt gleichfalls im Landtag. Er war bis 2014 Wissenschaftsminister und warnte jetzt davor, die Hochschulen mit Steuermitteln eine Starthilfe zu geben in der Konkurrenz zu privaten Anbietern der Weiterbildung. Denn: „Weiterbildung gibt es seit Jahrzehnten, und ich will nicht so unhöflich sein zu sagen, die Hochschulen haben das verschlafen. Jetzt wachen sie auf. Aber lasst es doch den Markt entscheiden.“

Die zweistündige Podiumsdiskussion (moderiert von Sascha Zoske, FAZ) war ein Parforceritt durch die Fragen der Hochschulen. Die Raumfrage wurde angerissen, die Digitalisierung der Forschung, die Frage, ob und wie zeitlich befristete in unbefristete Verträge überführt werden können (und sollen). Es ging ums Bafög, um die Grundfinanzierung und auch um die brennenden Fragen Betreuungsrelation und Studentenwohnheime.

Zuvor hatte Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) – der ansonsten nur interessiert zuhörte – einen kurzen Rundumschlag durch 19 Jahre christdemokratischer Landespolitik in Hessen gegeben. Zwei Milliarden Euro wurden seitdem in den Bau der Goethe-Universität investiert, die Förderpolitik des Landes gehe mit den Programmen „Loewe“ und „Heureka“ weiter und – ja – die schlechte Betreuungsrelation sei auch eine Folge der guten Hochschulpolitik. Denn offenbar seien Hessens Hochschulen so gut, dass die Studenten aus anderen Bundesländern herkommen, sogar aus dem Ausland. Deswegen gebe es trotz Neueinstellungen immer noch zu wenige Professoren pro Student.

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