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Ein Polizist winkt Christian Pricop heraus. Dessen Yamaha ist beim Messen zwar drei Dezibel lauter als im Fahrzeugschein vermerkt, liegt aber innerhalb der Toleranzgrenze.

100 Ordnungswidrigkeiten

Polizei filzt Tuner, Poser und Raser in Frankfurt

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Polizei und Stadt haben am Freitag mit großem Aufgebot in der Autotuner-, Poser- und Raserszene kontrolliert. Beamte knöpften sich insgesamt 65 Fahrzeuge vor und stellten 100 Ordnungswidrigkeiten fest. Bei einem BMW war eine Box zur Verstärkung des Motorensounds eingebaut.

An der Tankstelle auf der Hanauer Landstraße (Ostend), dem Haupttreffpunkt der regionalen Tunerszene, war Tommys Suzuki nur ein Auto unter vielen. Jetzt, in der Kontrollstelle der Polizei, wird dem aufgemotzten Fahrzeug uneingeschränkte Aufmerksamkeit zuteil. Drei Flutlichtscheinwerfer auf dem Parkplatz am 5. Revier lassen den grün-gelblichen Lack des Wagens mit 136 PS prächtig funkeln. Die Männer, die das Gefährt in Augenschein nehmen, wollen Tommys Tuningarbeit allerdings nicht bewundern, sondern überprüfen, ob die zahlreichen Veränderungen an dem japanischen Pkw ordnungsgemäß sind.

Autobastler Tommy, der in Raunheim wohnt und den Besuch des Tunertreffs an der Hanauer als sein „Freitagsritual“ bezeichnet, zeigt sich angesichts der Kontrolle gelassen: In den vergangenen anderthalb Jahren sei sein Fahrzeug „bestimmt schon 20 Mal“ von der Polizei begutachtet worden, sagt er. An diesem Abend haben die Beamten allerdings Andreas Fleischhauer, einen Kfz-Sachverständigen des Regierungspräsidiums Darmstadt, an ihrer Seite – was die Wahrscheinlichkeit von Feststellungen wohl deutlich erhöht.

Zusammen mit Polizisten, die einige Stellen des Pkw mit einer Taschenlampe anleuchten und an anderen eine Messlatte ansetzen, umrundet der Experte den Suzuki. Und wird tatsächlich fündig: Der Auspuff steht etwa zwei Zentimeter über die Karosserie hinaus, und die Reifen sind zu schmal und zu flach für die Felgen. „Beides darf nicht sein“, betont Fleischhauser. Tommy, der nach eigenen Angaben schon 18 000 Euro in sein Auto gesteckt hat, erhält eine Mängelkarte. Er wird nun abermals Geld in die Hand nehmen und umbauen müssen. Erst, wenn der TüV die Beseitigung der Mängel bestätigt hat, heißt es für ihn wieder: uneingeschränkt freie Fahrt!

Bei der Großkontrolle am Freitagabend haben die Polizei und Stadt insgesamt 65 Fahrzeuge und 79 Personen überprüft. Dabei ging es nicht nur um ordnungswidrige, gefährliche Veränderungen an Autos und Motorrädern, sondern auch um sogenannte Poser. „Vor allem aus der Innenstadt erreichen uns viele Beschwerden, weil ,Angeber‘ durch die Straßen fahren und den Motor aufheulen lassen“, sagt Polizeioberkommissar Gunnar Deschauer, der mit einigen Kollegen und einem Lärmpegelmessgerät am Eschenheimer Turm (Innenstadt) steht. Manche Mitglieder der Szene mieteten sich sogar Autos, um vor Lokalen auf und ab zu fahren und „auf dicke Hose“ zu machen, erzählt der Beamte.

Im BMW eines 19-jährigen Fahrers findet die Polizei bei der Kontrolle eine „Soundbox“, mit der sich das Motorgeräusch auf Knopfdruck bis hoch in den unzulässigen Dezibelbereich verstärken lässt. Der PS-starke Bolide wird ins Polizeipräsidium gebracht und zur genauen Inspektion aufgebockt. Der Fahrer muss nun die Box entfernen.

Die Polizei habe im Laufe der Großkontrolle 100 Ordnungswidrigkeiten festgestellt, sagt Sprecherin Chantal Emch am Ende. In sechs Fällen erlosch die Betriebserlaubnis des jeweiligen Pkw, in zwei Fällen untersagten die Beamten die Weiterfahrt. 80 Autofahrer waren zu schnell. Ein Fahrer hielt sich illegal in Deutschland auf, ein anderer raste alkoholisiert über zwei rote Ampeln, womit er sich ein Fahrverbot einhandelte. Behördensprecherin Emch kündigt an, dass die Kontrollen in der Tuner-, Poser- und Raserzene fortgesetzt werden.

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